Geiſtesgebrechen =“ Geiſtliche. - 471
ſtern und die Herzen derſelben zu beunruhigen. Sollten ſich jedoch
hie und da no< Spuren davon zeigen, ſo ſuche der Lehrer ſeine Schü-
ier vom Gegentheile möglichſt zu überzeugen. Da , wo vernünftige
Gründe nichts verfangen wollen, was in ſolchen Sachen häufig der
Fall iſt, nehme er ſeine Zuflucht zu gegenſäkßlichen Geſchichten, Cr
kann ſolchen abergläubiſchen Meinungen nicht beſſer begegnen, als
wenn er Geſchichten mit Geſchichten widerlegt. Er mache es, wie der
Arzt , der Gift mit Gegengift am ſicherſten vertreibt. Dergleichen
paſſende Geſchichten hat I. Demeter in Menge geſammelt, die dem
Lehrer treffliche Dienſte thun werden, wenn er ſie anders würdig zu
behandeln weiß.
Geiſtesgebrechen (formelle). Gleich wie im Körper, eben
ſo können auch im Geiſte Hemmungen, Störungen und Verirrungen
eintreten. Derlei Gebrechen haben dſters ihren Entſtehungsgrund in
einem kränklichen Zuſtande des Leibes. In dieſem Falle iſt die Heiz
lung mehr Sache des Arztes, als des Erziehers. Haben aber Ges
brechen der Art ihren Grund im Geiſte ſelber, etwa in der Erſchlaf-
fung oder im Ueberreize gewiſſer Anlagen, oder in einem abnormalen
Gemüthszuſtande, oder was häufig der Fall iſt, in einer zweckwidrigen
Behandlung der Kinder . dann iſt die Hebung und Entfernung der
ſelben Sache des Erziehers. Solche Gebrechen des Geiſtes ſind z. B.
fortwährende Flatterhaftigkeit, Unachtſamkeit, Schlaffheit, Schwäche
des Gedächtniſſes, eine ungezügelte oder im Gegenfalle eine vertroc>k-
nete Einbildungökraft, oder Unbehülflichkeit im Denken und Urtheilen
u. fw. == Es wird für die Kunſt immer eine ſchwierige Aufgabe
bleiben, ſolche Geiſtesgebrechen völlig zu heben, und es ſind nur we-
nige Fälle nachzuweiſen, wo ihr die erwünſchte Löſung dieſer Aufgabe
gelungen iſt. Wir werden ſpäter (Art. Heilung 26.) genauer angeben,
was ſie in dieſer Hinſicht Alles zu thun und in Anwendung zu bringen
hat. Vor Allem aber iſt nothwendig, daß derlet Gebrechen ſowohl
als die Quelle, aus welcher ſie entſprungen ſind, genau erkannt, und
ihnen ohne Zögerung entgezen gearbeitet werde: Aus dem, was wir
über die Bildung einzelner Anlagen bereits geſagt haben, und no
ſagen werden, läßt fich leicht entnehmen , wie man ihrer Entartung
entgegenkommen müſſe.
Geiſtesträgheit. (S. Thätigkeitstrieb.)
Geiſtliche, der, als Aufſeher über die Schule. Die
Kirche iſt die Mutter der Schulen; aus ihr ſind dieſelben in allen
Ländern hervorgegangen, und die erſten Volksichullehrer waren größ-
tentheils Kirchendiener. Site ſtanden als ſolche unter den Hirten der
Gemeinde, und ſo ordnete ſich auch die Schule von ſelbſt der Kirche
unter. Und das iſt in der That das ſchönſte Verhältniß, in welchem
Kirche und Schule zu einander ſtehen. Zwar iſt, wie Harniſch be-
merkt, die Schule dadurch noch nicht kir licher leitet, und dadurch noch nicht weltlich, daß ein Weltlicher ſie
leitet. Es giebt hin und wieder Gutsbeſißer und Stadträthe, deren
kirchlicher Sinn dem manches Geiſtlichen wenigſtens nicht nachſteht.
Die Schule iſt dadurch mit der Kirche verbunden, daß ſie allen Ernſtes

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