4,92. Genetiſche Erklärung = Genügſamkeit,
Was wir ſonach mit dem Genaunehmen bezeichnet haben, beſtimmt
und ordnet das Verhalten eines jeden erziehenden Lehrers bezüglich)
auf unſittliche Aeußerungen der Kinder , und verſchafft, wenn er das?
ſelbe feſthält, ſeiner Schule großen Gewinn,
Genetiſche Erklärung. Wir verſtehen darunter eine ſolche
Erklärung, welche nicht nur die unterſcheidenden Merkmale einer
Sache, ſondern auch zugleich ihre Entſtehung angiebt. Z. B. Der
Thau iſt eine Feuchtigkeit welche aus wäſſerigen Dünſten entſteht und
ſich ſehr oft nach Aufgang und vor Untergang der Sonne in kleinen
Tröpfchen an die Pflanzen anlegt. Beſonders muß aber die katechetiſche
Analyſe oft zugleich genetiſch =- den Urjprung erklärend =“- ſeyn.
Genie. Wik ſowohl als Scharfſinn machen einen Theil der-
jenigen Beſchaffenheit des Geiſtes aus, den wir Talent nennen, und
worunter wir jene Vorzüglichkeit des Erkenntnißvermögens verſtehen,
welche nicht von der Unterweiſung abhängt, ſondern als natürliche
Anlage der Seele erſcheint. Wer dieſe Naturgabe in ſolcher Voll-
kommenheit beſikt, daß er in irgend einer Art Ungemeines und Eigen-
thümliches leiſtet , Altes neu geſtaltet, oder Neues erfindet, von dem
ſagt man: er hat Genie, und wird ſelbſt Genie genannt. Der Ver-
faſſer dex Levana ſagt davon? „Das Genie iſt gar nicht durch Er-
ziehung und Kunſt weder zu ſchaffen , noc drücken oder zu tödten, auch ſchwer zu zügeln oder zu belehren von
Außen; wohl aber iſt das Talent der künſtlichen Erzeugung, Erziehung
und Belehrung, ſo wie auch der Verbildung und Unterdrückung fähig.“
(B. 2. S. 116.) Hippel drückt ſich in ſeiner Nachſchule (B. 2,
S. 100) ſo darüber aus: „,Das Genie ſtrebt bildend und vorbildend
aus der Gegenwart in die ferne Zukunft, von dem Sinnlichen zum
Ueberſinnlichen , vom Zeitlichen zum Ewigen und vom Irdiſchen zum
Himmliſchen, und iſt ſtets bemüht, die göttliche Anſchauung in der
Erſcheinung und Wirklichkeit nachzubilden.“ Und in ſeiner Vorſchule
ſagt er davon? „„Der ſeines Seyns in Gott, und folglich ſeiner Gött-
lichkeit ſich bewußte Geiſt macht überall das Leben froh und den Tod
ſchdn.““ Dieſes erſt inſtinktartige, endlich zum begreifenden Erkenntniß
ſich erhebende Bewußtſeyn iſt das Eigenthümliche und Auszeichnende
des Dichters, ſo wie des Philoſophen. Das dichteriſche oder philo-
ſophiſche Genie vereinigt ſchon urſprünglich Beſonnenheit mit Enthu-
ſiasmus (Begeiſterung), und beſteht nicht etwa im Uebergewichte
irgend eines untergeordneten Seelenvermögens, ſondern in ihm ſichen
vielmehr alle Kräfte zugleich in der Blüthe und wirken harmoniſch, -
Es ſieht die Natur unendlich reicher und vollkommener, als ein halb-
blinder Thiermenſc ſich in dem reinen Gemüthe eines Genies ganz unentſtellt und auf
einmal; für jeden dieſer? Seher zwar anders nach ſeiner eigenen In-
dividualität, aberin jedem ſchön und vollkommen.“ (S. Art. Talent.)
Genügſamkeit. (Fertigkeit ſich gern und leicht genügen zu
laſſen.) Hippel ſagt davon (Lebensl. B. 3. S. 403.): „„Man
reicht mit Wenigem aus, wenn man ſeinen Bauch nicht zur Gottheit
erheben, und ihm koſtbar fröhnen will, Ein Menſ<) , der es inne
hy

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