Inverſionsprüfungen. =- Jacotot. 667
ſtiften nicht ſo viel Unheil, als ein ſchlechter, unglänbiger , leicht-
fertiger und heuchleriſcher Lehrer. Beſiße Einer noc) ſo viele Kennt-
niſſe und Lehrgeſchi>klichkeit, er iſt zum Lehrer verdorben, wenn er
irreligids denkt und unmoraliſch lebt.“ (Man ſehe hierüber deſ-
ſen Erziehungsgeſchichte des Menſchengeſchlechts 2c.
S. 149.) = Soll es demnach mit der Erziehung und dem Un-
terrichte beſſer werden ; ſollen Kinder ihrer höhern Beſtimmung ent-
gegengeführt und Erben des Himmelreiches werden; ſoll Segen im
Herzen , Segen in Häuſern und Segen in ganzen Ländern wohnen,
ſo kann dieß nur dur feſtes Anſchließen an Religion geſchehen,
denn ſie allein iſt die reinſte und reicheſte Quelle alles Guten, ſo
wie die ſicherſte Führerin zum wahren nnd bleibenden Heil,
Inverſionsprüfungen (Prüfungen in umgekehrter Ord-
nung) ſind ſolche katehetiſche Prüfungen, bei welchen dieſe von dem
Lehrer auf demſelben Wege, den er gekommen ijt, wieder bis dahin
zurüuFgeführt werden, wo er die Entwickelung eines Begriffs 2c. an-
gefangen hatte. Sonſt verſteht man unter dem Ausdrucke Inverſion
auch bloße Wendung , Umſtellung, Verſekung der Worte z. B, mir,
ſeinem Wohlthäter, dankte er, ſtatt: er dankte mir. (S,. auch Art.
Eraminirende Katechiſation.)
Jacotot (I.), zu Dijon geboren und in der polytechniſchen
Schule zu Paris gebildet, hat ein reiches, vielbewegtes Leben ge-
fährt, als deſſen reiſſte Frucht die Idee des Univerſalunterrichts be-
trachtet werden kann, die er ſeit etwa 15 Jahren entwickelt, und
eben ſo mannigfach als glücklich zur Anwendung gebracht hat. Nach
Beendigung ſeiner Studien wurde er Advokat, dann Profeſſor der
Humanitätswiſſenſchaften , ſpäter Capitrain der Artillerie , Secretair
im Kriegsminiſterium, und nachdem er Subſtitut des Direktors
der polytechniſchen Schule und Profeſſor der Sprachen und der Ma-
thematik geworden war, erhielt er einen Ruf nach Löwen , als Pro-
feſſor der franzöſiſchen Sprache und Litteratur. Hier führte er ſeine
Idee des Univerſalunterrichts in das Leben ein, nachdem er 50 Jahre
lang nach der alten, ihm verkehrt ſcheinenden Methode gelehrt hatte.
Eeither hat dieſer Unterricht in Belgien und Frankreich viel Auf-
ſehn erregt, manche Verehrer und Innger, aber auch eben ſo viele,
wenn nicht mehr, Feinde gefunden. Auch in Deutſchland hat man
ſich mit I's Unterricht bekannt gemacht, und ſich dafür und da-
wider erklärt. *) =- Die erſte und leßte theoretiſche Vorausſekung,
von welcher Jacotot ausgeht , iſt der äußerſt gerade 2c. (lehrwidrig)
flingende Saß; „Alle Menſchen haben gleiche Intelligenz, gleichen
erinner == -. = emma mg 5,1. GEE nan nemmer, amtes warmem ure
“) Unfere Anſicht hierüber wollen wir ſpäter (Art, Leſemethoden) mitthei:
len, und zugleich zeigen, wie wenig ſich dieſe Untedrichtemethode für den
Maſſenunterricht empfehle, und deßhalb in Elementarſc gang finden könne, da ſie in den Entwikelungsgang des kindlichen Gei-
ſtes nicht mit Vortheil einzugreifen vermag. Indeß iſt ſie doch in viel-
fa

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