Begehrungsvermögen == Begriffseniwickelung. 59
Begehrungsvermögen. (Wichtigkeit desſelben.) Des
Menſchen lektes Ziel und Ende iſt Gott, und ſeine Beſtimmung iſt
fortwhärende Annäherung zu ihm, bis er dort im Lande der Vollen-
dung durch innige und unzertrennliche Vereinigung mit ihm heilig und.
ſelig zugleich ſeyn wird. Dieſe volle Vereinigung mit Gott kann aber
nur dur< Liebe vermittelt werden. Daher lautet das Gebot, als der
Junbegriff aller Gebote : Du ſollſt Wort über Alles, und deinen Näch-
jtetn wie dich ſelber lieben. An dieſem Gebote hängt das ganze Ge-
ſeß und die Propheten, In dieſer Liebe mehr und mehr zu wachſen,
damit ſie immer reiner und ſiegender werde, darin beſteht die Aufs
gabe des Menſchen, welche er im Laufe ſeines Hierſeins zu löſen
hat. Sie allein iſt es, welche alle ſeine Gedanken, Worte und
Werke veredelt, und Gott, der reinſten Liebe, wohlgefällig macht.
Ohne dieſe Liebe ſind und bleiben auch die glänzendſten Thaten werth-
[08. == Dieſes erhabene Ziel müſſen wir zwar auch bei allen übrigen
Bildungszweigen vor Augen haben, indem wir ſtetsfort den Grund-
ſaß feſt halten müſſen, jede kindliche Anlage jo zu bilden, daß die
Liebe gegen Gott und Menſchen dadurc< befördert und erhöht, oder
doch wenigſtens nicht gehindert und niedergedrückt werde. Doch muß.
dieſes Lebensprinzip beſonders hier hervortreten, wo cs ſich zunächſt
um die Bildung des Begehrungsvermögens handelt. Am Ende kommt
doch Alles auf die Veredlung des Willens an, zumal es immer nur
die heilige Liebe iſt, welche uns mit Gott vereint. Daraus ergiebt
ſich aber auch die Wichtigkeit dieſes Theils der Erziehung. Alle Auf-
klärung des Kopfes , alle Kultur der Gefühle, alle Feinheit der äußern
Bildung hat ſo wenig Werth, als ein dürrer Grashalm, wenn die
ſittliche Bildung des Herzens nicht damit verbunden wird. Dex erzie-
hende Lehrer kann durch die Bildung des Kopfes in Hinſicht ſeiner
Schüler glänzen, er kann durch ſogenannte humane Gefühle, durch
Feinheit der äußern Sitte den Unverſtändigen täuſchen ; aber nur durch
Bildung des Willens kann er ſeiner Pflicht Genüge thun und dew
Zwecke der Erziehung entſprechen.
Begriffsentwikelung. Was durch die äußern Sinne
ſowohl, als durch den innern Sinn der Seele zugeführt wird, und
ſich in uns zur Vorſtellung geſtaltet, das nennen wir, in ſofern es
durch den Verſtand zu einer gedachten Einheit verbunden wird, einen
Begriff. Der Verſtand, den der Menſc< als Himmelsgabe beſikt,
vermag nicht nur das Mannigfaltige der einzelnen Vorſtellungen, ſon:-
dern auch mannigfaltige Vorſtellungen ſelbſt unter Einen Begriff
zuſammen zu faſſen, oder zur Einheit im Bewußtſein zu verbinden,
3, B.: Aus einem Mannigfaltigen von Blättern, Zweigen , Aeſten
und Stamm bildet der Verſtand im erſten Falle den Begriff ---
Baum, im andern faßt er alle die mannigfaltigen Gegenſtände voti
dieſer Beſchaffenheit unter den Begriff =- Baum, Eben ſo kann er
das Ganze eines Begriffes in ſeine einzelnen Merkmale zergliedern ,
jedes Merkmal ſich einzeln vorſtelſken und zur Einheit des Begriffs
erheben, z. B. von dem Begriff -- Baum die Begriffe --- Zweig,
Aſt , Wurzel 26. == Der Lehrer, welcher ſeinen Schülern Begriffe ,

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