Taubſtummen - und Blinden Inſtitute, 13
arbeiten zu verrichten, ſie leſen, ſchreiben, rechnen und andere Sa-
ben wir Beiſpiele genug, daß ſelbſt die größten Hinderniſſe auf eine
faſt unglaubliche Weiſe beſiegt worden ſind ; daß Taubgeborne und
deßhalb der Sprache auf immer Beraubte nicht nur im Schreiben,
Rechnen und Leſen, nicht nur in vielerlei Handwerken und nüblichen
Künſten, ſondern auch in höhern Wiſſenſchaften die auffallendſten
Fortſchritte gemacht haben, und in der Religionslehre zur deutlichen
Erkenntniß gelangt ſind. Auch haben die Taubſtummen und Blin-
den eine große Gelehrigkeit. Sie erſeßken den mangelnden Sinn
durch Schärfung der übrigen. Der Blindgeborne ſieht gleichjam
mit den Fingern und ſeinem feinen Gehör, und ebenſo hört auch der
Taubgeborne gleichſam mit ſeinen Augen. Ihr Geiſt, weniger zer-
ſtreut durch die Menge der Gegenſtände, welche durch die verſchiede-
nen Sinne herbeiſtrömen , heftet ſeine Aufmerkſamkeit auf. das,
was ihm vorliegt, und hält es feſt mit ungeſchwächter Kraft. Dieß
alles erleichtert den Unterricht der Blinden, wie der Taubſtummen
ſehr, Sie ſollen aber nicht bloß für's bürgerliche Leben nüßklich,
ſondern auch zur Quelle des Heiles geführt werden. Auch der Blinde
ſoll Gott ſcheuen, und der Taubgeborne den Ruf des ewigen Erbar?-
mers an ſein Herz vernehmen. Die Sehenden und Hörenden ſollen
ſie zu Jeſus Chriſtus und durch ihn zum ewigen Leben bringen,
Die gehdrige Unterweiſung der Blinden und Taubſtummen erfordert
aber ſolche Vorbereitungen und Kenntniſſe von Seiten der Lehrer,
däß ſich dergleichen nicht für jeden Einzelnen im Lande wohnenden
Unglücklichen beſonders auffinden laſſen, noch den Vermögensum-
ſtänden aller Eltern möglich wäre, für ihre Kinder die Koſten der
Vorbereitungen und der Lehrer abgeſondert zu beſtreiten. Daher
ſind öffentliche Anſtalten für taubſtumme und blinde Kinder allein
Wed; (Matth. 11, 5. Luc. 18, 55. 41. 42, Mark, 7,
332 --- 355.
Taubſtummen- und Blinden- Inſtitute, Dieſe In-
ſtitute ſind Lehranſtalten, in welchen taubſtumme und blinde Kinder
ihren Unterricht erhalten. Sie entſtanden durch die Bemühungen
einer kleinen Anzahl von Männern, welche aus eigenem Antriebe
ſich mit einzelnen Taubſtummen nnd Blinden beſchäftigten, was an«
fangs um ſo ſchwerer war, da es noch an allen Hülfsmitteln und
an den Erfahrungen fehlte, welche jebt dieſen Unterricht erleich-
tern. ==“ Das Alterthum wußte nichts von ſolchen Anſtalten. Ari-
ſtoteles nennt die Taubſtummen (in ſeiner Thiergeſch. IV. 9.)
ſchle rühmt gewordenen Namen , wie die eines Diototus, Don Pe-
dro de Velasco, Saunderſon, Kreferli 1c. ſind particu-
lare Erſcheinungen, die ſich in keiner Anſtalt , ſondern gewiſſerma-
ßen ſelbſtſtändig aus ſich herausbildeten , und alſo nicht in die Ka-
tegorie unſver modernen Zöglinge gezählt werden können. Bis in
die Hälfte des vorigen Jahrhunderts war nod von keiner einzigen
Anſtalt für Blinde und Taubſtumme die Rede, und troß der raſtlo-

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