212 Verkennen == Verkleinerungsſucht.
Bergbewohner, unerträglich werde, in den erſtikenden Ausdüuſtun-
gen der Niederungen auszudauern : er wird ohne euer Zuthun und
ohne Warnungen die reine Atmoſphäre aufſuchen , weil er ſich' nur
hier wohl befindet.“ „„Trachte,“' ſagt Demeter, „in dieſer Bezie
hung, mehr auf's Anpflanzen als aufs Ausreuten; mehr
auf's Aufbauen als auf's Niederreiſſenz; mehr auſ's Ange:
wöhnen als auf's Abgewöhnen. -- Und wir ſeßen bei: Man
muß der Jugend den Weg nicht anbahnen, der zur Entwürdigung
und zum Verderben führt. Nur zu gern wird der Gute durd) den
Böſen angezogen und verſchlimmert. Sollen Thorheiten und Laſter
der Menſchen getadelt, und deren Schändlichkeit und Schädlichkeit
eindringlich dargeſtellt werden, ſo geſchieht ſolches unſtreitig am be-
ſten namentlich durch die Fabel und Parabel, oder auch durc
eine entſprechende Schilderung, weil hiebei das in der thdrich-
ten und böſen Handlung für einen Menſchen Entehrende ſc<är-
fer hervortritt, und den Reiz der Nachahmung nicht leicht aufkoms»
men läßt, wenigſtens denſelben nicht nährt. -- (Röm. 7, 19.)
Verkennen =- Verkennung, (S, d, Art. Beurthei-
len und Gemüthlichkeit.)
Verkleinerungsſucht. Wenn es auc nicht Jemand wagt,
ſich ſelbſt vor Andern zu rühmen, weil Eigenlob immer für etwas
Unanſtändiges gehalten wird, ſo vernimmt man dod) nicht ſelten
Aeußerungen ſelbſt aus dem Munde der Jugend, die über den Ver-
ſtand, oder über das Betragen, Kleidung und andere Dinge gefällt
- Werden, daß ſie damit zu verſtehen giebt: ich weiß mehr als dieſer
und jener, ich betrage mich gefälliger , habe ſchönere Kleider, meine
Eltern ſind vermöglicher 1c, Dieß Beſtreben, Andere neben ſich
gering zu ſchäßen und zu verkleinern, iſt ein eigener Zug in der
Gemüthsart des Menſchen. Wir möüſſen daher billig fragen: Wel-
Tadeln und Ausſeßen, als zum Loben iſt ? Wenn gleich wohl Ab-
neigung und eine böswillige Stimmung Veranlaſſung giebt, Andere
zu verkleinern und herabzuſeßen, oder das Lob, welches man Andern
ertheilt, durch irgend eine hinzugefügte Bemerkung zu beſchränken;
ſo iſt dieſelbe doch nicht immer die Urſache allein davon; ſondern
es iſt meiſtens der Neid, der im Hintergrunde liegt, und zur Ver-
kileinerungsſucht antreibt, Kinder, die einander beneiden, werden
es nur ſehr ungerne ſehen, wenn der Lehrer mit dieſem oder jenem
zufrieden iſt, deſſen Fortſchritte im Lernen er rühmt oder über deſ-
ſen Betragen ſich beifällig ausſpricht, und werden dann auch nicht
ſäumen entweder unter ſich oder zu Hauſe bei ihren Eltern ihren
Tadel über ein ſolches Kind laut werden zu laſſen. Dieß kann je-
doch auch aus leerer Eitelkeit, aus Uebermuth und wunderlicher
Laune geſchehen, ohne daſ; damit eigentlich eine böſe Abſicht verbun:
den iſt, Einer unſerer ausgezeichneten Pädagogen, Beneke, glaubt,
daß die Quelle dieſes Fehlers, durch den an ſonſt edle jugendliche
Gemüther befleXt werden, in dem angebornen Triebe des Menſchen
nach Vollkommenheit liege, indem dieſer an ſich herrliche Trieb oft

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