232 Verſöhnung.
lichen Vebſittlichung und Veredlung des Herzens. Was kann äder
'deßfalls zu erwarten ſeyn, ſv lange die Erwachſenen nicht vor allem
bei ſich ſelbſt den Anfang machen , und ſs lange ſie unter dem Scutte
des Materiellen wie begraben liegen, ſofort die Hauptaufgabe des
Lebens aus dem Auge verloren haben? --- Wahrlich, der verkehrte
Geiſt der Zeit wird allein nur“ dadurch beſchwoten, daß Eltern und
Erzieher neben der wachſenden Aufklärung des Verſtandes auch das
"Licht eines gottſeligen und heiligen Wandels ihren Kindern leuchten
"löſſen, damit ſie ihre Werke ſehen, und ſich an ihren Reden und
'Handlungen ſpiegeln und heben mögen. So lange dieß nicht g-
ſchieht ; und hält die ſittliche Erziehung mit der Verſtandesbildung
der Kinder nicht gleichen Schritt, ſo werden ſowohl Eltern als Er-
'zieher an ihnen nur ihre eigenen Sünden ſtrafen, und die Wogen des
Zeitgeiſtes werden ſie nach wie vor mit ſich fortreiſſen. Die Kinder
werden alle ihre Verſtandedeultur nur dazu gebrauchen, um die nach:
theiligen Folgen der Sünde deſto klüglicher zu umgehen, und, wo
ſolche “nicht zu beſorgen ſind , ungeſtörter zu ſündigen. Und das
ſind eben die beklagenswerheſten Erſcheinungen unſerer Zeit, und die
Quellen ſo maticher Thränen, die den Augen der Redlichgeſinnten
entfallen! Soll's mit der jungen Menſchenwelt anders und beſſer
werden, ſo muß die eiskalte Erzjiehungsmaxime einer andern und beſ-
ſern Plaß machen. Sn SEE
- "Verſdhnung. Die Verſöhnung mit Gott iſt die Quelle, aus
welcher uns Heil und Leben fließet --- Der Hauptgrund und alle
Wohlthaten Gottes. Zwar wäre es unſtreitlg tröſtlicher und erfteus-
licher, - das heranblühende Geſchlecht rein und unentweiht zu bewah-
ven, als wenn man dasſelbe von ſeinem Falle aufrichten und Wun-
den heilen ſoll, die villeicht ſchon in Superation oder Eiterung über-
'gegangen ſind. Allein wo wäre die Erziehung, die im Stände
wäre der unter dem Geſtrüppe lauernden Schlange jeden Zugang in
den Garten Gottes zu verſchließen ? -- Und wie oft tritt der Fall
ein, daß der junge Menſc< zur Zeit, wo er dem Erzieher übergeben
wird, von dem giftigen Biſſe derſelben ſchon verwundet iſt? Es iſt
"deßhalb keine unwichtige Frage, wie er davon wieder geheilt werden
könne? -- Doch, um uns bei der Beantwortung dieſer Frage nicht
auf Abwege zu verirren, bemerken wir von vorn herein, daß hier
nur von ſolchen Fehlern und Gebrechen geredet werde, bei welchen
von Seiten des Zöglings ein wirkliches Verſchulden ſtattfindet ;
denn vor der Heilung der in ihm ' vorhandenen ungeordneten Nei-
gungen und Begierden, die als ſolche no< nicht ſündhaft find, iſt
hier nicht die Rede, == Vörerſt iſt ndthig, daß der 'Erzieher' ſowohl
"die Fehler! ſelbſt, als auch die Quellen derſelben an dem Zöglinge
wahrnehme und damit vertraut werde. Dieſe Entde>kung iſt hier
aber um ſo ſchwieriger, je mehr der Fehlende ſeine ſittlichen Gebre-
bei Menſchen in der Blühte des Lebens der Fall ſey, kann nur
demjenigen fremd ſeyn, der keine nähere Kenntniß der Kinder hat
oder mit ihnen wenig Umgang gepflogen hat, Und je ernjedrigen»

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