250 Vertrauen beweiſen und erwerben.
ſie um ſo mehr zur Verträglichkeit zu gewöhnen. Zum negativen
Momente derſelben muß aber auch das poſitive der Freundlichkeit
und der Dienſtfertigkeit hinzukommen, und ein Kind ſoll däher nicht
nur nicht unfreundlich, hart oder gebieteriſch ſeinen Geſchwiſtern,
den Hausgenoſſen oder irgend Jemandem begegnen dürfen, ſondern
ſich vielmehr freundlich, liebevoll und dienſifertig gegen einen jeden
Menſchen erweiſen. Dieß verlangt ohnehin ſchon das Gebot der
Nächſtenliebe, wornach jede kränkende und feindſelige Geſinnung
unterſaget und in Gottes Augen ſtrafbar iſt, Von unſern Lippen
ſoll kein zänkiſches und der Liebe widerſtreitendes Wort kommen.
Aus reicher , überfließender Güte ſoll ein Jeder bereit ſcyn, Zank
und Streit möglichſt zu verhüten und ſeinem Mitmenſchen gefällig
zu ſeyn, ſo gut er kann, ſoll Zorn und Wortwechſel ſorgſam meiden
und ſich der Friedfertigkeit befleißigen. Mild, erfreuend und gern
mittheilend gleich der Sonne , ſegensreich und erquickend gleich ei-
nem Frühlingsregen ſoll ſchon der Kinder Thun und ihr ganzes We-
ſen ſeyn. Wohnt nur die dann wird es auch ein Tempel des Friedens, und fern von jeder
Enatzweiung ſeyn. Dieſe Liebe pflanze der Erzieher mehr und mehr
in die kindlichen Gemüther, damit aus derſelben die liebliche Frucht
der Vertragſamkeit mit andern Menſchen zum Vorſchein komme und
bleibend ſey. Vor Allem laſſe er die Kinder die Verträglichkeit in
ihrer ganzen Schönheit ſehen. Dieß kann aber wohl nicht beſſer
geſchehen, als an Beiſpielen ſowohl verträglicher als unverträglicher
Menſchen, indem er jene in ihrer Liebenswürdigkeit , dieſe dagegen
in ihrer Häßlichkeit vorführt, und gegen einander vergleicht. Die
Kinder müſſen dahin kommen, daß ſie ihr Wohlgefallen an den Ver-
träglichen und Mißfallen an den Unverträglichen ſelbſt ausſprechen.=-
Es muß jedoch auch dafür geſorgt werden , . daß die engen nnd utt-
gemächlichen Schulzimmer, deren wir noch ſo viele haben, nach und
nach beſeitiget werden, weil ſie vielfach Veranlaſſung zu Zwietracht
uhd Unfrieden unter den Kindern geben. Denn faſt mit jedem Au-
genblike entſtehen Zank und Streit deßhalb unter ihnen. Eines
ſchimpft und ſpottet des andern. Und daher kommt es, daß nur
zu oft wegen Kleinigkeiten Zwietracht und Feindſeligkeit , Streit und
Hader in ihren Herzen genährt werden. Es iſt daher in dieſer lek-
ten Beziehung große Wachſamkeit von Seiten des Lehrers nothwen-
dig- Auch darf er es an geeigneten Vorſtellungen und nöthigen-
falls an Strafen nicht fehlen laſſen. (1. Cor, 15, 7. 2« Cor.
11, 19. Epheſ. 4, 2, 1. Petr, 2, 19. Apoſtelgeſ, 2, 3.)
Vertrauen beweiſen und erwerben. Vertrauen iſt die
Zuverſicht , mit der man ſich auf einen Andern verläßt, Der Erzie-
her ſoll ſeinen Zdöglingen Vertrauen beweiſen, wo ſie es irgend ver-
dienen, oft ſogar , um ſie deſſen würdig zu machen, ſagt Nie-
meyer, (B. 1. S. 186.) Sie werden ſich um ſo früher ſelbſt
vertrauen lernen, da im Gegentheil Mißtrauen nicht nur verſtimmt,
ſondern auch muthlos macht. Was man von jungen Leuten fordert,
betrachtet man oft als etwas, „,das ſich von ſelbſt verſteht, das

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