Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 3 (1842) (3)

26 Thätigkeitstrieb. 
wie überhaupt eine Tugend die Mutter anderer iſt. Nur vergeſſe 
es der Lehrer nicht , diejenigen Kinder, die ſich durch Thätigkeit bes 
fonders hervorthun, aufzumuntern , dadurch, daß er ihnen die ge- 
wonnene Zeit zu ſelbſtgewählter nußreichen Anwendung überläßt, zu- 
mal ſie eine ſolche Freilaſſung als einen erfreulichen Beweis betrach- 
ten, welcher der wohlgeordneten Thätigkeit als Belohnung zu Theil 
wird, (S. Art. Beſchäftigung.) (Spr. 12, 11.) 
Thätigkeitstrieb. (Weckung und Leitung deſſelben.) In 
jedem Geſchöpfe, dem Gott Leben giebt, iſt ein Trieb zur Thätigkeit 
vorhanden, Dieß gewahren wir an den vernunftloſen Creaturen ſo 
gut, wie an den vernünftigen. So ſchwärmt die Biene raſtlos von 
Blume zu Blume, ihren Honig aufzuſuchen z die Ameiſe verfolgt be- 
hend und ſogleich) ihren Lanf, ihre Stadt zu bauen oder Weihrauch 
zu ſammeln 3 die Vögel des Himmels ſchweben in unaufhödrlicher 
freudiger Eile umher, Nahrung für ſich oder ihre Jungen zu ſu- 
dien 2. Bei dem Menſchenkinde zeigt der Thätigkeitstrieb ſchon 
frühe ſeine Spuren. Schon der Säugling offenbart denſelben da- 
durch, daß er gern ſeine Gliedmaßen frei bewegt, ſich gegen Hinder- 
niſſe mißmuthig ſträubt, und ſeinen Blick von einem Gegenjtande 
auf den andern umherwirft. Es fehlt ſeinem Thätigkeitstriebe vor- 
erſt nur an Werkzeugen, um ſich vollſtändig zu enthüllen. Doh) 
dieſe bilden ſich ſchnell mit der Feſtigung des Körpers. Die kleinen 
Hände langen und greifen nach allem. Das Kind verſucht ſeine 
Kraft, ſich aufzurichten, zu ſtehen , zu gehen; es hat keine Ruhe 
mehr, verfällt von einem auf das andere, und will immer etwas zu 
thun haben. Dieſe Thätigkeit iſt jedoch) bei den Kindern in den er- 
ſten Lebensjahren bloßes Spiel , ſelbſt die Verſuche des Schreckens 
und die Einübung der Mutterſprache geſchehen ſpielend. In der 
Regel fängt erſt die Schule an, den ungebundenen Thärigkeitstrieb 
zu binden und zu lenken, und ſo das Spiel in Ernſt zu verwanz- 
deln. Bei den meijten Kindern kommt nun auch das Leben, das 
häusliche Bedürfniß, Armuth, Habſucht der Eltern mit andern Ver- 
hältniſſen hinzu , um ihre Thätigkeit in Anſpruch zu nehmen , und 
ihr zuleßt für die kommende Lebenszeit eine dauernde Richtung zu 
geben. -- Der Thätigkeitstrieb ſpielt ſich ebenfalls ſchon frühzeitig 
hinüber auf das Gebiet des Geiſtes. Es iſt dem Kinde nicht genug, 
daß Andere für es denken, finden, vollenden 2c., es will ſelbſt etwas 
zu Stande bringen, was es machen ſieht, will es nachmachen und 
zwar ſelbſt und ohne fremde Hülfe, wenn anders ſeine Kräfte hin- 
reichen. Bei ihm geitellt ſich auch zum Nachahmungstriebe ſchon 
frühe die Denkthätigkeit hinzu und giebt der Nachahmung das Ge- 
präge des Menſchlichen. Je thätiger ſein Geiſt , je lebhafter ſeine 
Einbildungskraft iſt, deſto mehr fühlt es ſich zur Nachahmung an- 
getrieben. Eben daher kommt die auſſerordentliche Macht des Bei- 
ſpiels; das Vorſtellungsvermögen faßt es auf, und der immer ru- 
hende Thätigkeitstrieb zieht es in ſein Gebiet. Daß dem lebhaften 
Kindesgeiſte eine bloß leibliche Thätigkeit nicht genüge, bemerkt man 
auffallend an denjenigen Kindern, die bei Arbeiten, wozu nur Werk-
	        

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