Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 3 (1842) (3)

266 Vierthaler, 
einmal im jungen Menſchen feſtgeſeßt hat, nicht leicht wieder durch 
Gediegenheit und Tiefe verdrängt wird. Wenn demnac Überhaupt 
die Ueberhäufung und die hieraus hervorgehende Seichtigkeit des 
Wiſſens vermieden werden ſoll; ſo wird dieß um ſo mehr geſchehen 
müſſen in Hinſicht auf die religids-ſittliche Bildung. Dieſe darf um 
ſo weniger gehemmt und beeinträchtiget werden, weil ohne Entwik: 
kelung des religidſen Sinnes die ſittliche eben ſo wenig gedeihen 
kann, als der Samen, der auf Felſen geſtreut wird. (S. auc Art, 
Verſtandesbildung.) 
Vierthaler (Franz Michael) wurde zu Mauerkirchen, einem 
MarktfleXen im Innviertel am 25. Sept, 1758 geboren. Seine El- 
tern , bürgerlichen Standes, leiteten in ſorgſamer Aufſicht ſeine erſte 
Erziehung. Er wuchs mit ſeinen Geſchwiſtern autgeartet heran, 
beſuchte mit dem 7. Jahre die Ortsſchule und berechtigte dur ſei- 
nen Fortgang zu freudigen Erwartungen. In ſeinem eilften Lebens 
jahre wurde er als Singknabe in das Benediktiner - Stift Michael: 
beuern aufgenommen und in der lateiniſchen Sprache unterrichtet. 
Im I. 1770 kam er nach Salzburg und ſtudirte daſelbſt am Gym- 
naſium mit glücklichem Erfolge die Grammatikal s Claſſen. Die nie? 
dern Claſſen-Studien ſeßte er zu Burghauſen in Bayern fort. Nach 
Vollendung derſelben kehrte er wieder nach Salzburg zurück, um ſich 
den philoſophiſchen und Rechtswiſſenſchaften zu widmen, Während 
ſeiner wiſſenſchaftlichen Laufbahn gab er zugleich auch andern Studirens- 
den Unterricht, und verwendete beſonders großen Fleiß auf das Stu- 
dium der griechiſcher Claſſiker , die er mit Leidenſchaft liebte, und 
dadurc) ſeine Kenntniſſe ausbildete und erweiterte. 1783 wurde er 
ſeiner ausgezeichneten Geſchicklichkeit wegen, in dem damaligen Vir- 
gilianiſchen Collegztum und in dem damit verbundenen adeligen In? 
ſtitute als Lehrer angeſtellt, Als ſolcher ſchrieb er zum Behuſe ſei- 
nes Unterrichtes ſeine philoſphiſche Geſchichte der Menſchen 
und Völker, In dieſer berühmten Schrift zeigte er , daß er das 
Studium der Claſſiker mit dem beſten Erfolge trieb, und ſchon als 
Jüngling durch ſorgfältiges Quellen-Studium ſeine Kenntniſſe ſehr 
ausgebreitet und ticf begründet habe. Hier bot ſich ihm, da der 
Färſt- Erzbiſchof Hieronymus dieſem Erziehungs- Inſtitute eine zweck» 
mäßige Einrichtung gegeben hatte, Gelegenheit, ſich als Inſtituts- 
Lehrer immer mehr auszeichnen zu können, und er zeichnete fich 
auch wirklich ſo aus, daß man bald auf ihn, als einen bewährten 
Pädagogen, ein ganz beſonderes Augenmerk richtete. Um dem 
Schulweſen aufzuhelfen, wurde 1789 vom Fürſten die Errichtung 
eines Schullehrer-Seminars und die Auſtellung eines Mannes be- 
ſchloſſen, der dem Schulfache ganz gewachſen und ſonach im Stande 
ſey, den Schulamtskandidaten einen zweckmäßigen Unterricht im 
Seminar zu ertheilen, Die Wahl fiel einſtimmig in der Berathung 
auf V., , welcher als Direktor demſelben und den deutſchen Sculen 
vorſtehen ſollte. Schon am 9. Nov. 1790 trat er ſein neues Amt 
an, und hielt in Gegenwart der abgeordneten Commiſſarien eine 
eben ſo ſalbungsvolle als angemeſſene Rede, von der alle Anweſens
	        

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