270 Volksaufklärung == Volksbeluſtigung.
Dienſte und Familie aufnahmen. Und ſo erwarb ſich Vierthaler die all:
gemeine Achtung und Liebe. An ihm fand man ganz jenen ge-
ſprächigen, leutſeligen, zuvorkommenden, dienſtwilligen und liebens-
würdigen Mann, der ſo oft als deutſcher Sokrates geſchildert wurde.
Er ſchenkte den Beſuchenden ſeine koſtbare Muße mit einer Gutmü-
thigkeit, als ob ſeine vielen Geſchäfte keiner Ruhe bedürften. Man
belehrte ſich in ſeinem Umgange und heiterte ſich zugleich auf, Je-
dem flößte ſein edles Betragen Achtung ein. Eine beſonders unver-
geßlich-dankbare Anhänglichkeit in Liebe und Achtung hat er ſich in
den Herzen aller ſeiner Zöglinge begründet. = Als das Land Salz-
burg 1806 an Oeſterreich überging, wurde Vierthaler zur Uebernahme
der Leitung des Waiſenhauſes in Wien von Sr. Majeſtät, dem
Kaiſer Franz beſtimmt. In dieſem eben ſo wohl thätigen als
wichtigen Wirkungskreiſe erſchien auf's Neue, was er als Men-
ſchenfreund und Pädagog war, in ſeinem vollen Lichte. Mehrere
tauſend Waiſen fanden an ihm einen verſorgenden, liebreichen, wei-
ſen Vater, Seine Klugheit, ſeine Erfahrung und Liebe zu dem
Inſtitute, ſo wie ſein Eifer für alles Gute brachten das Waliſen-
haus unter ſeiner Direktion zu einem Grade von Gedeihen und Be-
deutſamkeit, den es ſeit ſeiner Entſtehung nie gehabt. Dadurch
erwarb er ſich die ungetheilte Zufriedenheit, und zum Beweiſe der-
ſelben wurde ihm vom Kaiſer der Charakter eines k. niederdſterrei-
ſchen Regierungsraths verliehen. Nach mehr als einer zwanzigjähri-
gen Wirkſamkeit entriß ihn ein Schlagfluß (5. Okt. 1827) dieſem
ehrenvollen Poſten. Er ſchied mit der Heiterkeit des Weiſen und
der Ruhe des Chrijten im 69, Lebensjahre, tief betranert von Allen,
die ihn kannten. Seine ausgezeichneten Verdienſte haben ihm ein
bleibendes Denkmal in den dankbaren Herzen ſeiner Zeitgenoſſen
und für die Nachwelt geſeßt.
Volksaufklärung. (S. Art Volksbildung.)
Volksbeluſtigung. Wir haben ſchon an einem anderen
Orte gezeigt, wie die Erholungen der Jugend beſchaffen ſeyn, und
daß ihr die unſchuldigen Freudengenüſſe nicht entzogen werden ſollen,
Wer in jugendlicher Kraft und Fülle ſich ein reines Herz bewahrt,
der freue ſich im Herrn, Es wäre wahrlich eine pedantiſche Strenge,
welche dem Menſchen die heiterſten Jahre verkümmern und nichts
geſtatten wollte, als was etwa nur dem ſchwerfälligen Alten noch
Bedürfniß iſt. So lange die Jugend no< einfache, kindliche Freu-
den liebt, und noch eines heitern, ſchuld: und leidenſchaftsioſen
Spiels froh wird, iſt ſie ungleich weniger gefährdet, als wenn ſie
ſich damit nicht mehr zufrieden geben will, Doch ſoll und darf der
Austritt aus der Schule nicht der Eintritt in eine unbeſchränkte
Genußfreiheit, und nicht gleich alles erlaubt ſeyn, was etwa dem
reifern Menſchen vergönnt iſt. Denn nur zu leicht und zu ſchnell
wird , was die Schule begründet hat, wieder niedergeriſſen , wenn
die verführeriſche Luſt der Welt plötzlich das junge Herz beſtürmt,
was man nicht wohl verhüten kann, ſobald man der Jugend das Er-
ſcheinen an dffentlichen Vergnügungsorten, die Theilnahme an Tanz

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