Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 3 (1842) (3)

290 Volksſchuſlehrerſtand, 
Volksſchullehrer ſind Volkskleinodien , und zwar ſebendige , keine 
todte. Ihr Beruf iſt es, daß ſie zunächſt für Kirche, Staat und 
Haus aus den Kindern Menſchen, Chriſten und Bürger bilden, 
und dadurch zugleich die Zukunft mitgeſtalten helfen. Alle Glieder 
der Gemeinde gehen gleichſam durch ihre Hand, und erhalten von 
ihnen ihre erſte Gemeindebildung , die, wie allgemein anerkannt 
wird, die wichtigſte iſt. Bemitleidenswerth, ſagt Harniſch, iſt 
die Jugend , deren erſte Lehrer, ungebildet, unordentlich, oder wohl 
gar gottlos ſind. Bemitleidenswerth iſt gleicher Weiſe ein Volk, 
das ſeine Schullehrer nicht achtet. Nimmer wird es wohl in Ab- 
rede geſtellt werden können , daß gute Schulen die Brunnqueſllen al- 
les <riſtlichen Lebens ſind. Einem fleißigen und frommen Lehrer, 
der die Kinder mit Treue zieht und lehrt, kann man nicht genug 
lohnen und mit keinem Golde bezahlen. Wahrlich, er hat ein köſt: 
liches Amt, und iſt das edelſte Kleinod für Kirche und Staat. =- 
Aber nicht weniger beklagenswerth iſt eine Gemeinde, welche in ei- 
nem Lehrer nur einen Weltmenſchen ſucht, der glaubenslos und ohne 
kirchlich frommen Sinn ihre Jugend nur reich an Weltkenntniſſen 
und Weltfertigkeiten machen ſoll, Freilich konnte der Schullehrer- 
ſtand, ſo lange er ſich innerlich nicht erhob, auch auf äußerliche 
Achtung nur wenig Anſpruch machen. So lange er ſelbſt roh und 
unwiſſend war, und viele unwürdige Mitglieder zählte , durfte er 
auf keine ſonderliche Achtung rechnen, Det Schullehrer , der nur 
ein Anhängſel von einem Orgelſpieler, Sänger, Küſter 1c., oder gar 
von einem Schuhmacher, Schneider und Weber war, trat immer 
nur in einer unwördigen Geſtalt auf, weil der Lehrer als ſolcher 
nie wohl ein ſolches Handwerksangebinde haben und mit jeinem 
Amte vereinigen kann. Namentlich hat ſich der geiſtliche Stand zu 
freuen, daß der Volksſchullehrer an Anſehen und Würde gewonnen 
hat, und hiezu haben wohl die Geiſtlichen ſelbſt das Meiſte beige- 
tragen, wodurch ſie ſich ein bleibendes Denkmal geſeßt haben. Wohl 
haben auch Einige derſelben, wie z. B, der bekannte Stephani, 
Straſſer 2c- auch aus weltlichem Sinn , wie ſo manche Schullehrer, 
die Erhebung des Schulſtandes eingeleitet, was mitunter den Herrn 
Puſtkuchen - Glanzow bewogen haben mag, auf eine empfindliche 
Weiſe ſolche Geiſtlichen zu verdächtigen , welche die Verbeſſerung 
des Volksſchulweſens zu befördern ſuchen. Wo die Liebe die gute 
Sache umfaßt, wird ſie ſich auch den Perſonen nie entziehen, welche 
dieſelbe zu betreiben haben, Und der Schullehrer, der ſich wegen 
ſeiner Wichtigkeit und Würdigkeit blähet, erniedriget ſeinen Stand 
weit mehr und ſchändet ihn in viel höherm Grade , als der ehema 
lige Korporal , der beim Schuhfli>en zugleich den Kindern das ABC 
und Einmaleins einprügelte. Kein Stand hat ſich mehr vor Stolz 
und Uebermuth zu hüten, als der Lehrſtand, weil keiner ohne wahre 
Demuth und innige Liebe nichtiger iſt, als ex, Ein eitler, aufge- 
blaſener , ränkevoller , gemüthloſer , rechthaberiſc<her und harter Leh- 
rer iſt der allerverächtlichſte Menſc<. Ueberhaupt frevelt der Lehrer, 
dem die Liebe mangelt , meiſt immer eben ſo viel am Herzen der
	        

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