56 Uebellaunige =- Ueberbildung.
Vokal oder ſogenannter Diphthong (wie im Griech, Ar, Ot, «t, Ob,
im Lat. Ae, Oe, ae, ve) und wird theils gedehnt, wie Uebel,
ſüß, blühen, theils geſchärft, wie küſſen, rüſten, wütr-
zen, und Überhaupt wie ein tiefes , düſteres i ansgeſprochen und
im Tone vom einfachen i unterſchieden, wie z. B. Uebel, Gerücht,
Thür , verſch. von Bibel, Gericht, Thier. Wenn alſo hierin das
u und i zuſammen ſchmilzt, ſo iſt die gemeine Schreib - und Druck-
form Ue und 1 (mit kleinem e ſtatt i) offenbar unrichtig , und we-
nigſtens das große U muß neben ſich, ſtatt e, richtiger ein i bekom-
men, z- B. Uibel, Uippigkeit oder Uebel, Ueppigkeit. Cben ſo unrich-
tig und ſonderbar iſt es daher auch, wenn man deutſche Namen
latiniſirt und ue ſtatt ü ſekt, z- B. Mueller, Huebner !€. anſtatt
Müller. oder MÜLLER :c.
- Uebellaunige, das, iſt im Umgange mit Kindern zu ver:
meiden. (S. Art. Umgang mit Kindern.)
Ueberbildung. So nothwendig es iſt, daß die Kräfte
der Kinder auf eine zwemäßige Weiſe entfaltet, gehoben und
geſtärkt werden, damit ſie ihrer zeitlichen und ewigen Beſtim-
mung möglichſt theilhaftig werden; |o kann es doch auch geſchehen,
daß hierin falls mehr oder weniger gethan wird, als wirklich gethan
werden ſoll. Ziel und Maaß iſt in allen Dingenz Alles hat ſeine
Grenzen, was darüber hinausgeht, entweder rechts oder links , ver-
dient den Namen des Rechten nicht mehr. Verbildung und Ueber-
bildung ſind ſonach im Erzichungsgeſchäfte fehlerhafte Veranſtaltun:
gen, die in mehr als einer Hinſicht den Nebelſternen gleichen. Die
erſte beſteht darin, wenn die Erziehung dem Menſchen etwas an-
eignet, was er ſeiner Natur und Beſtimmung nach nicht ſeyn und
nicht haben ſoll, die zweite dagegen darin, wenn die Erziehung das
Höhere verkennend aus dem Auge läßt, und das Untergeordnete an
die Stelle deſſelben ſeßt. Dieß geſchieht namentlich, wenn ſie der
Einbildungskraft die Stelle der Vernunft, und der reinen, heili-
gen Liebe die Stelle der niedrigen und entweihenden Selbſtſucht
einräumt. Auf dieſe Weiſe artet die dem Kinde werden ſsſlende
Bildung in Mißbildung und Mißgeſtaltung aus. Da die Erziehung
nun aber nichts anderes iſt, als die Entwickelung der urſprünglichen,
ſowohl körperlichen als geittigen Anlagen des Menſchen, nach Maß-
gabe ſeiner Beſtimmung , ſo darf ſie auch den Kreis, der ihrer Thä-
tigkeit angewieſen iſt, nie verlaſſen, wenn ſie ſich auf der Bahn
behaupten ſoll, welche allein zum vorgeſte>ten Ziele führt. Wird
der Menſc< angeleitet, daß er die von Gott gegebene Wahrheit er-
kennt und freudig in ihrem Lichte wandelt; dann hat die Erziehung
ihre Aufgabe auf cine entſprechende Weiſe gelöſet. = Die Ueber-
bildung findet jedoch vornehmlich) in drei Fällen ſiatt, und zwar er-
ſtens da, wo eine Seelenkraft zum Nachtheile der übrigen ſo her-
vorgehoben wird, daß die übrigen vertrocknen und unbrauchbar wer-
den; zweitens da, wo eine Maſſe fremdartiger Kenntniſſe und Ante-
gungen den Menſchen auf eine Stufe ſtellen, auf der er mit ſeiner

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.