Full text: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichtslehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer - 3 (1842) (3)

 
Unfreundlichkeit, = 88 
brechung wird jedoch nicht dadurch erreicht, daß man ohne Weiters 
auf den Schüler einſchlägt, jondern es iſt ihm eine gewiſſe Zeit 
einzuräumen , damit er zur Beſonnenheit komme, und nur dann iſt 
eine Strafe anzuwenden, wenn derlei Maaßnahmen und Verfü- 
gungen fruchtlos ſind. =- Manche ſchlagen ein anderes Mittel vor 
und ſagen: man ſolle ſtdrrige und halsſtarrige Kinder von der 
Schule ausſchließen 3 allein dieſe Maaßregel iſt bei einer Volksſchule 
auf dauernde Zeit eben ſo wenig anwendbar , als ſie bei der Kirche 
anzuwenden iſt, Nar auf gewiſſe Zeiten kann ein ſolches Ausſchlie- 
ßen ſtattfinden, und ſelbſt da dürfte es von geringem Nußen ſeyn. 
Manchem Ausgeſchloſſenen würde eine ſo ſchöne Mußezeit ſogar ans 
genehm und erfreulich ſeyn. Es wird ſchwerlic<) einen Fall geben, 
wo die Schule den äußern Gehorjam nicht zu erreichen im Stande 
wäre, und nur ſelten dürfte ſie ſich in die Nothwendigkeit verſecht 
ſehen , ihre Zuflucht zur bürgerlichen Strafgewalt zu nehmen, wenn 
ihr anders die Eltern hierinfalls die Hände bieten. Aber in ganz 
außerordentlichen Fällen kann ſie es auch, und mag dann den Sch 
ler jo lange der bürgerlichen Correction überlaſſen, bis er ſich in 
die Ordnung der Schule fügt. Die Schule darf ſich aber nie mit 
der Erreichung des dußern Gehorſams begnügen , ſondern ſie muß, 
als <riſtliche Anſtalt, den innern Gehorſam erſtreben, und deßhalb 
nicht bloß die Störrigen zu den Ungehorſamen rechnen ; auch diejt: 
nigen, welche auf klügliche Art die Schulgeſeke umgehen, und ihrs 
Liſtigkeit vor den Augen des Lehrers zu verbergen ſuchen, müßen zu 
dieſer Claſſe gezählt werden. Am beſten wird der Lehrer den Unge: 
horſam aus ſeiner Schule verbannen, wenn er durch Liebe das Vers 
trauen der Kinder zu gewinnen weiß; wenn er überall im Namen 
Gottes gebietet und verbietet; wenn er den Ungehorſamen mehr bea 
mitleidet, als haßt; wenn es den Schülern bemerkbar wird, daß 
er den tiefen Ernſt und die unnachſichtliche Strenge, die er gegen 
die Schuldigen beweist, um des Gewiſſens wegen anwendet ,. daß 
er mitleidet mit dem, den er beſtraft, und daß er Seelen Äauv -vet*? 
wundet, um zu heilen. (Zer. 2, 19. 5, 32, Hebt. 2, 2+- Iſai, 
65, 3. 1. Tim. 1, 9.) S. auc<h Art, Gehorjam - - 
Unfreundlichkeit. Der <riſtliche Lehrer iſt gegen ſeite 
Kinder nie unfreundlich und verdroſſen , liebevoll nimmt er ſich ei: 
nes jeden ann; beſonders aber ſind es die Geiſtesſhwachen, denen 
er liebend entgegenkommt und ihnen Nachhälfe gewährt, deren Ae 
bedürfen. Solche Kinder können unmöglich mit andern gleichen 
Schritt halten, und ſollen doch nicht zurückbleiben. Durch ein une 
freundliches Benehmen würden ſolhe Kinder nur abgeſchre>t und 
zurügeſchloſſen werden. Deßhalb tritt der Lehrer nie mit einer 
unfreundlichen und verzogenen Miene zu ihnen hin, und behandelt 
keines derſelben auf eine ihren Muth niederſchlagende Weiſe. Er 
macht ſich ihnen ſo faßlich, wie möglich und leitet ſie an ſeitter 
Hand unverdroſſen fort auf dem Wege des Fleißes. Er ſchenkt ihr 
nen lieber nach der Schule noch eine beſondere Viertelſtunde, um ſie 
weiter zu fördern , und ſich um ſie verdient zu machen. Freundlich
	        

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