Full text: Deutsche Lehrerinnenzeitung : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. - 48.1931 (48.1931)

 
48, Jahrgang 
Nummer 31 
 
 
Organ des Allgeme 
Schriftleitung: Irma Stoß, Hamburg 37, Iſeſtr. 36. 
wegn 93preis; vierteljährl. 1,50 M.; für Mitglieder des A.D.L.V. bei Bezug durch 
die Vereine vierteljährl. 1,15 M.; einzelne Nummern 25 Pf.=- Poſtſchec>-Nr. des Verlages 
F. A. Herbig, G. m. b.H., Berlin 514 70. = Erſcheint am 1., 10. und 20. de3 Monats, 
 
  
 
<< LEDEREETEERTGEITTE TEK TTS EDU ZORG 
Inhalt: Beamtenſchaft und Wirtſchaft8ordnung. Von Dr. Olga 
v. Plotho. = Württembergiſche Sondernotverordnungen. Von Lydia 
Beutelſpacher. = Die Not unſerer Junglehrerinnen und die ſozialen 
rauenſchulen. Von Geh. Reg.=-Rat Bohnſtedt. == Zur Sperrung der 
| Von Dr. Edith Hinze. = Scließung eines 
Teils der pädagogiſchen Akademien. =- Erſparung von Lohnſteuer 
bei Belaſtung mit außergewöhnlihen Ausgaben. Von Regierungsrat 
. E, Becker. = Helft unſerem akademiſchen Nachwuchs. =- Das Scul= 
weſen im Deutſchen Reich. Sc<uljahr 1926/27. Von Käthe Ulrich. 
(Fortſezung von Nr. 29.) == Bücherſchau. =- Mitteilungen. 
Mittelſchullehrerlaufbahn. 
Beamtenſchaft und Wirtſ<aftisordnung. 
Wan Dp Olga vB lothHo. 
| „Die Welt iſt aus den Fugen“. Dies alte Hamleiwort 
| Harakteriſiert ſeit Monaten die Verwirrung in Europa. 
Nach dem 13. Juli d. J. laſſen Shlagwortzeilen in den 
franzöſiſchen Zeitungen =- 1a faillite est arrivee =- der 
Bankrott iſt da =- blitzartig die verzweifelte Situation in 
Deutſchland erkennen und wie eine Weltſenſation wirkt 
die Nachricht, die am Morgen des 21. September die deut- 
Ihen Zeitungen verbreiten: „der engliſ<e Goldſtandard 
niht mehr zu halten“. In wenigen Monaten, für viele 
faſt über Nacht, iſt die Kriſe an uns herangetreten, jeder 
Einzelne ſpürt ſie heute, es ſwingt eine Spannung im 
Volk, vie von Tag zu Tag zunimmt und die vernichtende 
Sprache der Zahlen und Bilanzen, der Ziffern und Sta- 
tiſtiken machen die Stimmung begreiflich, die den Ein- 
zelnen, wie die Gemeinſchaft ergriffen hat. 
Seit einem Jahr fühlt die deutſche Beamtenſ<haft den 
Boden unter ihren Füßen erzittern. Größer und größer 
wird die Einſchränkung ihres Lebensraumes, Abbaumaß- 
nahmen und Gehaltskürzungen folgen ſi< in geringen 
Intervallen.“ Mit der Verordnung des Reichspräſidenten 
„zur Behebung finanzieller und wirtſchaftlicher Nvotſtände“ 
vom 26. Juni 1930 begann die Beſchneidung der Gehälter. 
In Abſchnitt 1 enthielt ſie neben anderen die Beſtimmungen 
über „die Reichshilfe der Perſonen des öffentlichen Dienſtes“ 
(Notopfer). Bald folgten dieſer erſten Notverordnung 
ſchärfere Maßnahmen. Nach den Reichstagswahlen vom 
14. September erſchien das Finanzprogramm der Reichs- 
regierung, das neben anderen Sparmaßnahmen erneute 
Gehaltsfürzungen der Reichs-, Länder- und Gemeinde- 
beamten vorſah, die zunächſt erſt am 1. April 1931 durc- 
geführt werden ſollten, dann aber, ſhon am 1. Februar 
in Kraft traten. Seitdem nahmen einzelne Länder beſondere 
Kürzungen vor, es folgten ſolche für Ledige und kinderlos 
Verheiratete und hö<hſt wahrſc<heinlih werden wir nicht 
 
 
 
 
 
 
CN ad] 
 
" Manuſkripte ohne auzreichendes Rüc>porto werden nicht zurüFgeſandt, 
 
 
Berlin 
1. November 1981 
rinnenzel 
inen Veufſchen Lehrerinnenvereins 
Verlag: F. A. Herbig, G. m. b. H., Berlin W 35. 
Anzeigen koſten: Die [ARTHEIBEUEN Mitlimeter-Zeile 25 Pf. Alleinige 
Anz.» Ann.: Anz.-Verw. Berthold Gieſel SINE Berlin W 57, Potsdamer Str. 76 b. 
Fſpr. Pallas 4588. Poſtſch. Berlin 6018. Sc<luß der Annahme 8 Tage vor Erſcheinen. 
 
um weitere empfindliche Kürzungen herumkommen. Re- 
ſigniert und ohne Hoffnung fragen wir: Wie lange ſoll das 
noh dauern, wohin ſoll es führen? 
Gleichzeitig mit den Gehaltskürzungen ſeßten die Be- 
ſtrebungen der Reichsregierung ein, die Preiſe, insbeſondere 
bei den Grundſtoffen der Induſtrie, den Lebensmitteln 
und anderen Artikeln des Maſſenbedarfs zu ſenken. Die 
erwähnte Verordnung vom Juni 1930 enthielt daher in 
Abſchnitt 5 Beſtimmungen „zur Verhütung unwirtſchaft= 
liher Preisbindung“. Auf dieſe Weiſe ſollten durc< eine 
Erhöhung der Kaufkraft des Geldes die gekürzten Bezüge 
der Beamten =- und aller Feſtbeſoldeten = einigermaßen 
wettgemacht werden, man erhoffte ſi< davon ferner eine 
„Sanierung der öffentlichen Hand“ (Dr. Brüning) und dur<h 
Angleichung der Inlandpreiſe an die Weltbörſen eine Be- 
lebung der Wirtſ<haft. Die Preiſe auf dem Weltmarkt 
waren ſeit Mitte des Jahres 1929 langſam zurüägegangen. 
Der eigentliche Sturz ſetzte im Sommer vorigen Jahres ein, 
er wurde angetrieben dur<h den amerikaniſchen Banktrach 
im Herbſt, und um die Jahreswende geht es ſcheinbar un- 
aufhaliſam in die Tiefe. Der Preis für Roggen und Weizen 
iſt jezt der niedrigſte ſeit 25 Jahren, Kartoffeln, Zuder, 
Kakao koſten weniger als 1914, der ſinkende Kaffeepreis 
"ſtürzt Braſilien in den Abgrund, verheerend ſind die Breis- 
verwüſtungen in Ölen und Fetten, größer noh in Textil- 
waren, Flachs und Jute, gewaltig iſt der Einbruch in die 
Metallmärkte, Gummi koſtet */7,, Rohſeide 2/5 des Bor- 
kriegspreiſes. In Deutſchland hoffte man nun, die Inland- 
preiſe denen des Weltmarktes angleihen zu können und 
ſhon im Oktober 1930 kann der Reichsfinanzminiſter bei 
der 8. fa<hwiſſenſ<aftlichen Woche für Reichsſteuerbeamte 
ſagen: „I< habe feſtgeſtellt, daß es Gebiete gibt, auf denen 
die Preisentwi>lung ſ<on erheblich na< unten gegangen 
iſt“. Er mußte aber zugeben, daß dieſe Senkung unbe- 
friedigend ſei und ſpricht von „cadikalen Gewaltmitteln 
auf einzelnen Gebieten“, aber vorſichtig fügt er hinzu, man 
müſſe ſich darüber klar ſein, „daß man nicht auf der ganzen 
Linie die 500 Preiskartelle und ſonſtigen Verbände, die 
wir heute in Deutſc<land haben, auseinanderſc<hlagen kann . 
(Zitiert naß: Hans Nittersbacher, Beamtenſchaft und 
Preisbewegung, Pfälziſche Lehrerzeitung Nr. 30.) 
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Haben nun die Beſtrebungen der Regierung Erfolg 
gehabt ? Iſt auf der einen Seite als Ausgleich 31 den 
Gehaltskürzungen die Lebenshaltung billiger geworden 
 
 

	        

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