Full text: Deutsche Lehrerinnenzeitung : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. - 48.1931 (48.1931)

 
 
 
 
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48, Jahrgang 
Nummer 4 
Berlin 
1, Febrnar 1981 
 
 
 
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Organ des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
 
 
Schriftleitung: Irma Stoß, Hamburg 37, Iſeſtr. 36. 
Bezugspreis: vierteljährl, 1,50 M. ; für Mitglieder des A.D.L.V. bei Bezug durch 
die Mertin vierteljährl. 1,15M.; einzelne Nummern 25 Pf.-- Poſtſche>-Nr. des Verlages 
F-.A. Herbig, G.m.b.H., Berlin 514 70. ==, Erſcheint am 1., 10. und 20. des Monats, 
 
 
Manuſkripte ohne ausreichendes Rü&porto werden nicht zu 
Verlag: F. A. Herbig, G.m.b.H., Berlin W 35. 
Anzeigen koſten: Die fünfgeſpaltene Millimeter-Zeile 25 Pf. Alleinige 
Anz.» Änn,: Anz.»Verw. Berthold Gieſel G.m.b.H., Berlin W57, Potsdamer Str. 75. 
Fſpr. Pallas 4588. 2000) . ME 6018. Schluß der Annahme 8 Tage vor Erſcheinen. 
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Inhalt: Lehrerin und Organiſation. Von Gertrud Simroth. -- 
Zu den Aufſätßen über die preußiſche Frauenoberſchule. Von Giſela Schulß. 
--- Zur Lage der verheirateten Beamtin. (Drei Briefe.) = AKus dem 
Reich und den Ländern. = Beamtenfragen. Von V. Panten. = Nach 
Oſtland wollen wir fahren. Von Charlotte Euler. == Deutſches Grenzland 
im Oſten. Von M. Gren, == Der einjährige Fortbildungskurſus für 
Junglehrerinnen in Hailer, == Freizeit der Dozenten der Pädagogiſchen 
Arbeit8gemeinſchaften. Von Dr, Maria Sc<auer. =“ Aus den Vereinen. 
=- Zeitſchriftenſchau. =- Mitteilungen. 
 
 
Lehrerin und Organiſation. 
Von“ Gertrud Simrvoth. 
Unter dieſer Überſchrift veröffentliht Frau Adelheid 
Schäfer in der Allgemeinen Deutſchen Lehrerzeitung 
einen Aufſaß, in dem ſie Stellung nimmt zu Frau Moſolfs 
Ausführungen zur gleihen Frage in der A. D.L. V.- 
Zeitung. Dieſen Aufſaz möchte ich niht unerwidert laſſen. 
Frau Schäfer weiſt darauf hin, daß im Deutſchen 
Lehrerverein 12 000 Volksſ<hullehrerinnen organiſiert ſind, 
denen im A. D. L. V. 18 000 Volksſchullehrerinnen gegen- 
überſtehen. Sie zieht daraus die Folgerung, daß dieſe 
12 000 Lehrerinnen glauben, daß das Mittel der geſonderten 
Organiſation in heutiger Zeit niht mehr das Zwedent- 
ſprechende ſei, um das Ziel der Frauenbewegung herbei- 
zuführen, das auch ſie bejahen, „das Leben der Nation 
dur< mütterliche Kraft mitzugeſtalten.“ Dieſe Lehrerinnen 
meinen nach Frau Scäfers Anſicht, „daß ſie den Plat 
der Gleihberehtigung betreten wollen und müſſen, um 
werbend durc verantwortliches Mitſ<haffen den Zielen 
der Frauenbewegung nahezukommen.“ Meiner Meinung 
nach hat die Frage der Gleihberechtigung an ſich garnichts 
mit der Organiſationsform zu tun. Höchſtens kann man 
annehmen, daß es in einer gemeinſamen Organiſation, 
in der die Frauen nach Lage der Dinge noch auf lange Zeit 
zahlenmäßig ſtark zurücſtehen, ziemlich ſchwer halten 
dürfte, die Gleichberehtigung auch äußerlich in die Er- 
ſcheinung treten zu laſſen. Und das iſt doch notwendig, 
wenn man für den Gedanken der gemeinſamen Organiſation 
werben will. Wo war denn 3. B. beim lezten Bundestag 
des D. B. B. die weibliche Vertretung der im D.L. V. 
organiſierten Frauen? 
Daß die Gleihbere<htigung der Frau heute noh meiſtens 
nur auf dem Papier ſteht, gibt Frau Schäfer ſelbſt zu. 
Sie führt das darauf zurü>, daß die politiſ<e Gleich- 
berechtigung der Frau zugefallen iſt, ohne daß die große 
 
Maſſe der Männer und Frauen für dieſes Geſchenk reif 
geweſen ſei. Daraus erklärt ſi< „auf der einen Seite 
ein zu langſames Begreifen und Einleben in das Neue, 
auf der andern oft kein rechtes Zugreifen und nicht genügend 
Vertrauen zu ſich ſelbſt.“ Man kann dieſer Erklärung 
dur<Haus zuſtimmen. Aber iſt der Eintritt in die gemein- 
ſame Organiſation wirklich) das Mittel, um die Frauen 
zum rechten Vertrauen zu ſich ſelbſt zu erziehen? In der 
gemiſ<ten Organiſation bilden ſie immer die Minderheit, 
ſie können ſich, wenn ſie nicht ganz ſtarke Perſönlichkeiten 
ſind, niht dur<ſeken. Vor allem aber ſcheint es mir grade 
bei der kurzen Zeit, die die Frau erſt im öffentlihen Leben 
ſteht, unbedingt notwendig, daß ſie zunächſt im Frauens- 
kreiſe lernt, ihre Kulturaufgabe zu erkennen und in der 
Ausſprachße mit Frauen, die dieſelben Probleme zu löſen 
haben, ſich über Mittel und Wege klar zu werden, die zur 
Bewältigung ihrer Aufgabe führen. Von allen Seiten wird 
heute an die Frau, und nicht zum wenigſten an die Er- 
zieherin, die Anforderung geſtellt, unſer Volk und die 
Menſc<heit aus der gegenwärtigen Kulturkriſe zu erlöſen. 
Solchen Anforderungen kann die Frau, wenn überhaupt 
nur gere<t werden, wenn Frauen gemeinſam die Kultur- 
not empfinden und zu überwinden trachten. 
Aber auch in den viel einfaheren Fragen unſres Berufs- 
lebens ſc<eint mir eine Ausſprac<he von Frauen mit Frauen, 
eine gemeinſame Klärung der dauernd neu ſich ſtellenden 
Aufgaben im Intereſſe des Erziehungsweſens unumgänglic< 
nötig. Es iſt doc; wohl kein bloßer Zufall, daß man in 
den Zeitſchriften der Lehrerorganiſationen, die auch 
Frauen umfaſſen, ſei es in denen der Volksſ<hullehrer oder 
der Philologen, eigentlich nie Veröffentlihungen von Frauen 
trifft. In der mir bekannten Volksſchullehrerpreſſe bin 
ich eigentlic bisher nur auf den Namen Adelheid Schäfer 
geſtoßen. Das iſt im Verhältnis zu den 12 009 Lehrerinnen 
im D. L. V. etwas wenig. 
Wir Mitglieder des A. D. L. V. ſtehen durc<aus nicht 
auf dem Standpunkt, daß wir in unſerer Organiſation 
ein Kampfmittel gegen die männlichen Berufsvereinigungen 
ſehen. Wir ſind genau wie Frau Schäfer davon überzeugt, 
daß das Intereſſe der Schule und der Jugend ein gegen- 
ſeitiges Verſtehen und Hand-in-Handarbeiten erfordert. 
Aber wir ſtehen doh überall in der Arbeit Seite an Seite 
mit den männlihen Kollegen. Und wohl die meiſten von 
uns werden erfahren haben, daß man ſich in der gemein- 
ſamen Arbeit beſſer kennen lernt als im Vereinsleben, 
daß gerade hinter der gemeinſamen Aufgabe die Frage 
 
 

	        

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