Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 52.1923 (52.1923)

 
 
 
Allgemeine Deutſche Lehrorzeifun 
Berausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein 
Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin € 25, Kurze Straße 3/53; Fernruf: Alexander 498 
Schriftleiter: G, Wolff, Berlin NO 18, Werneuchener Straße 4; Fernruf: Königſtadt 8301 
59. Jahrgang 
Berlin, den 9. Februar 1923 
Nummer 6 
EEG NN GENIUS RET GREINER 
Inhalt; Die dringlichſten Nufgaben der preußiſchen Schulgeſeßgebung u“d der Preußiſche Lehrerverein. =- Philoſophie der Erziehung. =» 
Rundſchau. = Wirtſchaftliche Fragen. =- Deutſcher Lehrerverein. =- Derſchiedenes. =- Briefkaſten. == Anzeigen. 
Die dringlichsten Aufgaben der preußischen 
Schulgesetzgebüng und der Preußische Lehrerverein, 
H. Diekmann, 
Der Preußiſche Lehrerverein hat ſeine auf die AUus- 
geſtaltung der Schule und die Dienſt» und YVRechtsverhältniſſe 
der Lehrer bezüglichen Förderungen unmittelbar nach der 
Staatsumwälzung in ſeinem Schulprogramm niedergelegt. 50- 
weit dieſe Forderungen über den Rahmen der beſonderen 
preußiſchen Schulverhältniſſe Hhinausgehen und allgemeine 
Grundſäte für das geſamte deutſche Schulweſen aufzuſtellen 
verſuchen, ſind an ihre Stelle die wenige Tage ſpäter von 
der 27. Vertreterverſammlung des Deutſchen Lehververeins 
aufgeſtellten Schulforderungen des Deutſchen Lohrervereins ge- 
treten, Dieſe Forderungen hat die Leitung des Preußiſchen 
Cehrervereins ſeither zur Richtſchnur ihres Handelns auf ſchul- 
politiſchem Gebiete gemacht, und ſie iſt dauernd beſtrebt ge- 
weſen, die preußiſche Schulgeſezgebung mid die Ulaßnahmen 
der preußiſchen Schulverwaltung in der durch dieſe Forde- 
rungen gewieſenen Richtung zu beeinfluſſen. Die Ergebniſſe 
der preußiſchen Sculgeſeßgebung ſeit der Staatsumvälzung 
müſten freilich, gemeſſen an den Forderungen des Preußiſchen 
und Deutſchen LCehrervereins, als überaus dürftig bezeichnet 
werden. Abgeſehen von den Beſoldungsgeſeten für die ver- 
ſchiedenen Gruppen der preußiſchen Lehrerſchaft und den zahl- 
veichen Abänderungen dieſer Geſetze, die allerdings durch die 
mit ihrer Uuzarbeitung und -Durchführung verbundenen um- 
fangreichen Arbeiten ſtarke Kräfte der preußiſchen Unterrichts- 
verwaltung dauornd gebunden Halten, ſind ſeit jener Zeit 
eigentlich nur zwei Geſeze von größerer Bedeutung für das 
preußiſche Schulweſen erlaſſen, nämlich das Geſeß über 
die Aufhebung der Ortsſchulinſpektion: vom 
18. Juli 1919 und das Geſetz über die Abänderung 
der ZuſammenjJeßung der Schuldepnlationen, 
Schulvorſtände und Schulkommiſſionen vom 
7. Oktober 1920. Nun ſoll zwar nicht geleugnet werden, daß 
während dieſer Zeit eine Reihe von wichtigen Schul- und 
Cehrerfragen auf dem Verordnungswege geregelt worden iſt, 
und daß eine Anzahl dieſer Verordnungen und Erlaſſe den 
Sorderungen des Preußiſchen Cohrervereins ein gut Stüxr 
entgegenkommt. Es ſei nur erinnert an die Verordnung über 
die Sulaſſung der Lehrer zum Studium an den preußiſchen 
Univerſitäten vom 19. September 1919 und die als Ergänzung 
dazu eyſt vor kurzem erſchienene Ordnung der Prüfung der 
. Dolksſchullehrer in der Philoſophie und Pädagogik, an die 
Erlaſſe über die Bezirkslehrerräte und die Elternbeiräte, an 
die Erweiterung des Konferenzrechts und die Schaffung neuer 
Dienſtanweiſungen für die Schulleiter, an die Schaffung von 
Fortbildungsmöglichfeiten für die jungen Cehrer und die erſt 
neuerdings erſchienenen Richtlinien für den Abſchluß in den 
Arbeitsgemeinſchaften, >an die Richtlinien für die Aufſtellung 
von Lehrplänen für die Grundſchule und 'die am 50. „Jahres- 
* tage der „Allgemeinen Beſtimmungen“ erlaſſenen Richtlinien 
zur Aufſtellung von Lehrplänen für die vier oberen Jahr- 
gänge der Volksſchule. In allen dieſen Veyordnungen und 
Erlaſſen kommt gewiß ein unverkennbarer Neformwille zum 
Ausdru>, und es darf hier mit beſonderer Genugtuung feſt- 
geſtellt werden, daß die Yorarbeiten dazu faſt ausmahmslos von 
denjenigen Männern geleiſtet worden ſind, die =- wenn auch 
nicht formell, ſo doch der Sache nach -- als die Vertrauens 
männer des Preußiſchen Lehrervereins im Müniſterium für 
Wiſjenſchaft, Kunſt und Yolksbildung betrachtet werden müſſen. 
So erfreulich dieſe Tatſache iſt, und ſo gern ſie bei jedem 
noh ſo kurzen Rückblik auf die ſeit der Staatsumwälzung 
vom preußiſchen Unterrichtsminiſterium geleiſtete 'Reformarbeit 
auch anerkannt werden wird, ſo bedauerlich bleibt doch auf 
der andern Seite die ebenſo offenkundige Tatſache, daß zu 
derſelben Zeit die preußiſche Schule und die preußiſche Lehrer- 
ſHaft auc) mit Erlaſſen beglükt worden ſind, di? nitt5 w:niger 
als veformfreudig waren und die in der geſamten preußiſchen 
Cehrerſchaft leider den EindruX erwecken mußten und auch 
erweckt haben, daß es ihren Verfaſſern zum mindeſten an dem 
nötigen Yerſtändnis für die eigenartigen Bedürfniſſe der Dolks- 
ſchule und die auf dieſe Bedürfniſſe gegründeten Wünſche und 
Forderungen der preußiſchen Lehrerſchaft fehle. Ich erinnere 
hier nur an die mit dem Sinn des Yolksſchullehrer-Dienſteinpom- 
mens-Geſezes und den Abſichten des Candtages in ſcharfem 
Widerſpruch ſtehenden Beſtimmungen der Ausführungs5an- 
weiſung zu dem genannten Geſet, die, obgleich ſie inzwiſchen 
auf Beſchluß des Landtages in einigen Punkten den Forde- 
rungen des Preußiſchen Lehrervereins «angepaßt worden find, 
do faſt überall in ihrem urſprünglichen Sinne die Richtſchnur 
für die Durchführung des Geſetzes bilden. Ih erinnere vor 
allen Dingen auch an den erſten Erlaß über die Ausführung 
des Grundſchulgeſeßzes, durch den die wichtigen und von der 
geſamten deutſchen Lehrerſchaft ' freudig begrüßten Beſtim- 
mungen dieſes Geſees über den Abbau der Yor- und Privat- 
ſchnlen in einer Weiſe ausgelegt wurden, die einer völligen 
Aufhebung des Geſees auf Jahre hinaus gleich kam. Es 
iſt bekannt, wie infolge des ſchuellen und tatkräftigen Ein- 
greifens der Leitung des Preußiſchen Lehrervereins und der 
Preußiſchen Cehrerzeitung dieſer Erlaß ſofort aufgehoben und 
durch einen neuen erſetzt wurde, der nun in Wirklichkeit erſt 
als ein Erlaß zur Ausführung des Grundſchulgeſeßzes 
angeſchen werden konnte, Es kann yier leider nicht des 
näheren dargelegt werden, inwieweit in all dieſen und ähn» 
lichen unerfreulichen Fällen Einflüſſe mitgewirkt haben und 
noch mitwirken, die außerhalb des Bereichs der preußiſchen 
Unterrichts verwaltung liegen. Es ſoll auch nicht den 
imamigfachen Urſachen nachgegangen werden, auf die der 
bereits erwähnte Mangel an geſeßgeberiſchen Arbeiten auf dem 
Gebiete des Schulweſens zurückzuführen iſt. Es ſollen vielmehr 
im folgenden die Aufgaben kurz umriſſen werden, die in der 
nächſten Zukunft die preußiſche Schulgeſezgebung auf Grund 
der Forderungen und Yorarbeiten des Preußiſchen : Lehrer- 
vereins und unter deſſen Mitwirkung zu löſen haben wird. 
Eine der dringlichſten Aufgaben, wenn nicht überhaupt 
die dringlichſte, iſt, nachdem ſich das Reich endgültig der ihm 
auf Grund des Artikels 145 obliegenden Pflicht" entzogen Hat, 
die landesgeſeßzlihe Weuregelung der Lehverbil- 
dung. Die Vertreter des Preußiſchen LCehrervereins haben 
ſowohl dem gegenwärtigen Leiter der preußiſchen Unterrichts- 
verwaltung, Herrn Miniſter Dr. Boeliß, wie auch ſeinem Amts- 
voriger, der als jetziger Staatsſekretär und Vertreter des 
Miniſters gerade dieſer Aufgabe beſonders nahe ſteht, die 
auf die künftige Geſtaltung der Lehrerbildung gerichteten For- 

	        

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