Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 52.1923 (52.1923)

 
 
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Nysgabe B 
/ Allgemeine Deutſche Lehrerzeifung 
Serausgegeben vom Deutſchen Sehrerverein 
Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin € 25, Kurze Straße 3/53; 
Schriftleiter: G. Wolff, Berlin NO 18, Werneuchener Straße 4; Fernruf: Uönigſtadt 8501 
52. Jahrgang 
Inhatt: Der Deutſche Lehr | 
Aus dem Deutſchen LCehrerverein, == Verſchiedene 
Der Deutsche Lehrerverein und zeine Zeitung. 
„Darin lag der Jretum-der alten Freiheitskämpfer, 
daß ſie aw angeborene ewige Rechte "glaubten. Das 
dibt es nicht. Es gibt nur erworbene und erkämpfte 
Rechte," Kein Ulenſchenrecht iſt ohne Kampf entſtanden, 
und jedes wird wieder auseinanderfallen und in 
Verluſt. geraten,“ ſobald: kein Kaimpfeswille' mehr hinter 
ihm ſteht.“ Fr Naumann. 
In Not und Nacht der Gegenwart, in Engnis und. Be- 
drängnis des Tages hat der Deutſche -Cehrerverein einen 
ſtarken, frohen Entſchluß gewagt und einen kräftigen feſten 
Schritt voran getan: die Allgemeine Deutſche Lehrerzeitung 
iſt am 4. Januar. 49235 ſein Eigentuth geworden, - wird ſein 
Haupt-Vereinsblatt, ſein Organ .in einem tieferen Sime als 
bizher. Wir nehmen es als Sinnbild für unſeres Derems 
Kraft und Zuverſicht, als frohes Zeichen ſeines Geiſtes und 
Glaubens, als ſtarken Beweis ſeines Lebenswillens und Ar- 
beitsdranges, daß er die Schwere der Zeit nicht als drückende, 
ſchmerzliche Caſt empfindei, jondern gerade in ihr einen Untrieb 
zu neuer Arbeit und neuem Schaffen ſieht. Nun wandert dieſe 
Nummer als erſte des neuen Jahrgangs, aber darüber hinaus 
als erſte: einer hoffentlich endlos langen . Veihe hin zu 
unſern Verbänden und unſern Freunden, . und ich weiß "ihr 
kein“ beſſer Leitwort voranzuſeken als jenen Ausſpruch 
Fr. Naumanns, des feinen“ freien geiſtigen Denkers und 
Kämpfers, jenes Wort, -.das ich ſchon einmal bei Übernahme 
der Schriftleitung der Zeitung. vor Jahren als Loſung ge- 
wählt habe. Es liegt ein tiefer Sinn und eine ernſte Mahnung 
in dieſem . Leitſpruch, . 
Der Deutſche Lehrerverein hat nunmehr - ſeine. - eigene 
Zeitung. - Das bedeutet Abſchluß und Anfang, Rüc>kblick. und 
Voranſchau, Ergebnis und Ziel. Das Problem, das uns 
vor einem Jahre bei der goldenen Ehrenfeier unſeres D. 8.-D. 
befonders- lebhaft beſchäftigt hat, ſteht damit von neuem 
vor uns auf: Was iſt dieſer .Deutſche Cohrerverein? Gewiß, 
wir koimen ihn alle aus unſerer täglichen, für ihn geleiſteten 
Arbeit, wir wiſſen von ſeinem Aufbau und ſeinen Zweigen, 
ſeiner Geſchichte und ſeinen Beſchlüſſen == ein reiches, großes, 
buntes Bild, aber die Frage nach ſeinem Weſen und ſeiner 
Seele wird darum nur noch ſtärker und lebendiger. Zeiten 
und“ Jahre und Männer gingen dahin, ein unſichtbares Ich 
des Vereins iſt geblieben; was iſt es um dieſes I des Yexeins, 
was iſt das Bleibende in dem Fluß der Entwiklung? 
Da wohnen in deutſchen houte ſtark verkleinerten Landen 
die rund 62 Millionen Ülenſchen: Landwirte, Bergleute, In- 
duſtriearbeiter, Handwerker, Händler, Fuhrleute, Soldaten, Be- 
amte + es will nicht enden. Und dazwiſchen gibt es Menſchen, 
deren Beruf Erziehen und. Lehren des jüngeren Geſchlechtes 
iſt: Cehrer und Lehrerinnen an allen möglichen Schulen und 
Anttalten. Ein ganzes Heer: 250 000 Männer und Frauen, 
zuſammen die Bevölkerung einer Stadt wie Stettin oder 
Köniasberg, mit ihren Angehörigen ein Land füllend wie 
Mecklenburg-Schwerin oder Braunſchweig. Seht ihr den Zug 
heranfBumen: Junge und" Alte, Hoffende, und Müde, Stürmer 
und Dämpfer, Candmenſchen und Städter, Freigeiſter. . und 
Bibelgläubige, - Proteſtanten -und Katholiken, - alle. politiſchen 
Uniformen, - IZdealiſton - und Materialiſten, Lebenskluge und 
Berlin, den 
 
den 5. Januar 1923 
erverein und ſeine Zeitung. = Der Boden, auf dem wir. bauen. == Rundſchau, =“ Wirtſchaftliche Fragett. =« 
5. = Briefkaſten. 
 
 
Fernruf: - Alexander 498 
 
Nummer 1 
  
  
Wiſſenſchaftsmönche, Erziehungskünſtler und Cehrhandwerker 
-- wer zählt die Fülle der Verſchiedenheiten auf, wer gruppiert 
die Vielheit der Nieimungen und Temperamente! Menſchen, 
nicht zwei einander völlig gleich wie die Blätter des Baumes. 
Zuerſt liefen dieſe Menſchen auf. geſonderten Wegen, einer 
kümmerte ſich nicht um den andern, Loſung dieſer geiſtigen 
Bewegung - war die völli“4 Unabhängigkeit des Einzelmen- 
ſchen. Es war etwas Großes -um dieſe Gedankenflutung 
und dieſen Eigenklang des vollen idealen Individualismus, 
Aber von zwei- Seiten kamen. neue. ſtärkere Wellen, die 
dieſen Felſen unterhöhlten. - Hier: brauſt die eine heran: das - 
engere - Zuſammenwohnen. der Menſchen führt zu wachſender 
Arbeitsteilung, zu inuner- verwickelterer äußerer Abhängigkeit, 
zu feſterer Verbindung. Der "Glaube an den abſoluten Wext 
eines - freien perſönlichen. Arbeitsvertrages,. daß jeder ein-. 
zelne freier Herr ſeiner Arbeitskraft. ſei, erhält einen ſtarken 
Stoß. Die ſeeliſchen Zuſtände der Menſ>en wandeln ſich 
mählich mit: es bommt nach ſchmerzlichem Erfahren die 
Erkenntnis des gemeinſamen SchiFfals der Menſchen gleicher 
oder ähnlicher Berufsgxuppen. Herauf, man. wandert vom. 
hellen, leuchtend ſchönen, aber immer fernbleibenden Stern 
der perſönlichen Regelung aller Wirtſchafts- und Arbeits- 
verhältniſſe durch jeden einzelnen in das Maſſenzeitalter hineir? 
Lohnbildung, Gehaltsbildung, Feſtſezung der Arbeitsbedin» 
gungen ſind allgemeine Vorgänge und können darum 
nur von Schichten, Gruppen, . Organiſationen abgeſchloſſen 
werden, der Arbeitsverkauf trägt Gemeinſchafts>arakter. Was 
hier in kurzen Säßzen umſchrieben iſt, iſt das Werden. der 
gewerkſchaftlichen Praxis, das Entſtehen der Meganiſationen, 
Vir ſind noH durchaus auf dieſem Wege, aber es iſt dieſe 
Amwandlung. menſchlichen Denkens und Wollens ein -Kenn- 
zeichen : gerade unſerer Zeit. - Eine - Fülle von Problemen gilt 
es noch in der Zukunft zu löſen; eintge ſeien: angedeutet? .. 
Die kann in dieſem MaſſenſchiXſal doh auch der einzelne 
zu feinem Recht domnmen?. Wieweit hat die Rritik am freien 
Urbeitsvertras recht? Kommen wir- zum kollektiven Arbeits- 
vertrag ? Wie fömnen wir es einrichten, daß die-Organiſier- 
barkeit unſerer Berufsſchiclt auf den höchſten Stand gebracht 
wird ? Unorganiſierte und ihr Anteil an den Erfolgen der 
Organiſation ? Neue Organiſation der Arbeit oder Yerbands- 
arbeit innerhalb der jetzigen Organiſation der Arbeit ? Auf- 
ſtieg und Recht der Tüchtigen bei gemeinſamem Arbeits5ver- 
kauf ? Mittel der Durchſezung der Derbandsforverungen uſw; 
uſw. Wir haben abſichtlich die Probleme" mit den Fachaus- 
drüFXen des Arbeiters im engeren Sinne bezeichnet, weil 
das Werden der oben gezeichneten Umwandlung bei ſeiner 
Größe am ſtärkſten hervortritt. Es iſt ein Leichtes, die aufge» 
worfenen Fragen in die ums als Beamten näher liegende 
FSorxm umzugießen; aber es erſcheint uns notwendig," auch 
das Werden der Beamtengewerkſchaften als in die große 
Kette des ganzen Geſchehens eingefügt darzuſtellen, wenn? 
gleich wir die Unterſchiede des Beamten- und des Arbeits- 
verhältniſſes äuch in dieſem Gedankengang ja nickt ver? 
wiſchen laſſen wollen. Auch das iſt noch eine in der Zu- 
künft zu erarbeitende und zu löſende Aufgabe: Wieweit veicht 
die "Gemeinſamkeit der. Jittereſſen aller. "Arbeitsverkäufer, wo 
gibt es auch-hier Unterſchiede und Gegenſätze, gilt das Geſeß" 
Arbeit. 
der Gemeinſamkeit, der. Arbeitsbedingungen für. alle 
nehmer ?. Ne ! 
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Seite ia, 
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