Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 55.1926, [1. Halbjahr] (55.1926, [1. Halbjahr])

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Serausgegeben vom Deutſchen Lehrer 
Verlag und Geſchäftsſtelle: Verlin € 25, Kurze Straße 3/53 Fernruſ: Alexander 498 
Verantwortlicher Schriftleiter: Geo Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3931 
- 55. Jahrgang "Berlin, den 27. Mai 1926 Nummer 21 
= Zwei Diktate. = Der Preußiſche Lehrerverein im Schwarzwald. = Oſterverſammlungen« 
-- Verſchiedenes. = Anzeigen, = Als Beilage : Blätter für Schulrecht 204.05 
Inhalt: Die ſchulpolitiſche Lage in Preußen. 
== Rundſchau, = Wirtſchaftliche Fragen. 
Die ſchulpolitiſhe Lage in Preußen: 
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die Staatsregierung vorläufig einen / ein neuer und recht ſcharfer Vorſtoß gegen das Grundſchul- 
ſeitdem auch die "Stellung des | geſeß iſt. Der Ha uptausſchuß des Landtags hatte fol- 
eine feſtere geworden iſt, läßt | genden, einem Beſchluß des Reichstags entſprechenden, - A n- 
| Vichtung die ſchulpolitiſche | tras empfohlen: „Das Staatsminiſterium wird erſucht, auf, 
ntwicklung gegenwärtig einſchlägt. Die beſte Grundlage dafür | die Reichsregierung dahin einzuwirken, daß die im 8 2 des Ge- 
& GEM CHAT anläßlich | jebes, betreffend die Grundſchulen und die Auflyebung der 
dor zweiten Beratung des Haushalts des Miniſteriums für Yorſchulen enthaltene Vorſchrift, nach welcher bei Auflö- 
Wiſſenſchaft, Kunſt und. Volksbildung für das Rechnungsjahr ſung oder Abbau der p rivaten Vorſdulen er- 
8926 geführt worden ſind. Die Parteien m Preußiſchen Bebliche wirtſchaftliche Härten für Cehrer und Unterhaltungs- 
Sandtag haben 3. D- folgende Stärke: Sozialdemokratiſche träger durch Entſchädigung aus öffentlichen Mitteln oder ſon- 
Partei 114 Mitglieder, Deutſchnationale Volkspartei 109, Zen- | ſtige öffentliche Maßnahmen auszugleichen ſind, vor der end- 
trum 81, Deutſche Volkspartei 45, Kommuniſtiſche Partei 43, gültigen Auflöſung der privaten Vorſchulen geſeßlich geregelt 
Deutſche Demokratiſche Partei: 27, Wirtſchaftliche Yereinigung wird.“ Das genügte aber dem Zentrum noch nicht; es brachte 
17 (darunter 6 Abgeordnete der Deutſ<>-Hanndverſchen Partei), vielmehr" noch fölgenden Antrag ein: ;Der Landtag wolle be- 
Deutſchvölkiſche greilzeitspartei 10, Polen 'Z, Nationalſozia- | ſchließen, das Staatsminiſterium zu erſuchen, von der A u f- 
liſtiſche Deutſche Ilrbeiterpartei 1, bei feiner Partei 1. Daraus löſung.und dem klaſſenweiſen A bbau der pri- 
ergeben ſich in der Hauptſache fünf Moelhrheitsmöglichkeiten: vaten Do vſmnlen ſolange abzuſelyen, bis die vom 
1. von. den Deutſchnationalen bis zum Zentrum (203 Nut | Reichstag in Ansſicht. genommene geſetzliche" Regelung der Ent- 
glieder), 2. von der Deutſchen Yolfspartei bis zu den Sozial“ ſchädigungsfrage erfolgt iſt.““ Der Unterſchied ſpringt in die 
vemokraten (269 Mitglieder), 3. von der Deutſchen Yölkspartei | Augen. Geht das Staatsminiſterium auf den Antrag ein, ſ9 
His zu den „Kommuniſten mit Ausſchluß des Hentrums (229 j.iiſt. die preußiſche Unterrichtsverwaltung gar nicht in der Cage, 
Mitglieder), 4. von den Deutſchnationalen bis zu den Kommu- | mit einzelnen Privat/chulen zwecks Abbaus der Grundſchulflaſſen 
niſten mit Ausnalme der Yolfspartei, des Sentrums und der. | zu verhandeln, ſo lange nicht das geforderte Reichsgeſeß er- 
Demokraten (226 Mitglieder), 9- Zentrum bis Kommuniſten | laſſen iſt. Dieſelbe Nnterrichtsverwaltung bat aber eben erſt 
((267 Mitglieder). Eine ſechſte, aber ſehr ſeltene Mehrheits- | durch den Miniſtorialdirektor Kaeſtner auf eine deutſch- 
möglichkeit iſt die von den Deutſchnationalen BIS ZWE nationale Anfrage bin erklären laſſen, daß ſie gar nicht daran 
[Domokraten (295 Mitglieder) und eine ſiebente, noch ſeltenere, „denke, die Auflöſungsfriſt für die privaten Yorſchulen bis 
von den Deutſchnationalen bis“ zu. dEit Sozialdemokraten (407 | zum Jahre 1935/36 zu verlängern; die Privatſchulen hätten ja 
beiden Ülehrheiten bei ſieben Jahre Heit gehabt, ſich darauf einzurichten. Der Yor- 
don letten Abſtimmungen Ü d Entſchließungen gang, iſt bezeichnend. Das Zentrum, das mit in der preußiſchen 
zum RKultusetat vorgefommen, wenn es jich um ſozialdemokra- Regierung ſikt, bringt mit Bilfe der rechtsſtehenden Parteien, 
Üſch& oder Fommuniſtiſche Anträge gehandelt hat. Im übrigen die nicht an. der Regierung beteiligt ſind, einen Antrag durch, 
üjt aber aus der "Zuſammenſtellung klar zu erſehen, daß das der ganz offenkundig gegen ſeine Koalitionsgenoſſen, die Demo- 
Sentrum bei den meiſten Abſtimmungen den Ausſchlag gibt, | kraten und die Sozialdemokraten gerichtet iſt. Es hätte ſich 
und daraus folgt ganz von ſelbſt, daß eine Schulpolitik gege n "| ja damit* begnügen können, das für nötig befundene Reichsgeſeßz 
dasſelbe von vornherein unmöglich wäre, ganz abgeſehen da- | zu fordern, inzwiſchen aber dem Staate die. Möglichkeit zu 
von, daß es zu der gegenwärtigen YVegierungskoalition (Zen- | geben, mit den in Betracht kommenden Privatſchulen zu ver- 
trum, Demokraten, Sozialdemokraten) gelört.. * Nur wenn es | handeln, wie es beiſpielsweiſe H amburg getan Hat. . Zis 
einmal ganz ſtarr 26. April 1926 heißt 
“an ſeinen Grundſäken foſtlhält, dann findet | dem Hamburgiſchen Geſetz vom 
ſichs wohl. die unter 5- bezeichnete 
Mehrheit zuſammen und | es in 83: „Ergeben ſich durch den Abbau erhebliche wirt- 
Lohnt dahingehende Anträge ab oder ſetzt ihren Villen gegen ſchaftliche Härten für die Celrkräfte oder Sculunterhaltungs- 
das Zentrum durch. Das geſchaly beiſpielsweiſe im Vorjahre träger, jo iſt dieſen, ſ9 weit nicht.etwa dur <4 andere 
bor dem Antrage auf Errichtung einer ſimultanen Akademie in 6FF ent liche NTT ßRUaHn en Ein A usgleich ge- 
Frankfurt dT 472002 geſchal diesmal bei dem Antrage, | ſchaffen w ixd/, aus ſtaatlichen Mittelu nach billi- 
an dor Entſchließung des Haushaltzausſchuſſes, „das Staats- gem Ermeſſen eine Entſchädigung zu gewähren. Das Nähere 
miniſterium wird erſucht, die unbedingt notwendige Einrich- beſtimmt .der Senat.“ 
tung von Schüler etmen ver Aufba uſchwlen,in - Ich fann mir nicht denken, : 
eder Weiſe, auch finanziell, zu fördern“, hinter dem Worte Sozialdemokraten iu Preußen j9 
»Aufbauſchulen" ' einzuſtellen: „9 uf ponfeſſioneller Sache: abfi 7 
Grundlage“... Dieſer Antrag zeigt auch wieder einmal ganz, dritten Leſung / den vom 
klax und deutlich, mit welcher Zähigkeit das SENN NFN veparieren. p ' l 
Plan, auch die w8ßeren Cehranſtalten zu konfeſſionaliſieren, Katholiſchen Lehropverein organiſierten 
verfolgt und jede ſich darbietende Gelegenlyeit benußt, um an „der Grundſchule gegen dieſe. „Abbau | 
ioſer und jener Stolle einen Nagel dazu einzuſchlagen. Kreiſe in der ZSentrumspartei energiſch zur Wehr ſetzen. An- 
Angenommen wurde dagegen von der unter 1. ver- ſcheinend laſſen ſich die Zentrumsabgeordneten aus dem Lely: ' 
zeichneten Moehrheit ein Antrag des Zentrums, der ſich zwar rerſtande willenlos mitſchleifen, oder jie überſelyen nicht, um“ 
Kußerlich mit der Privatſchule befaßt, der aber in Wirklichkeit: 1 ws es fich hier grundjäklich handelt. Selbſt wenu ſie glauben. 
M iidem in Preußen 
4 eren Halt bekommen bat, 
iKultusminiſters Dr. Beer 
ſich ungefähr überſehen, welche 
» + - : 
ieten die Verhandlungen, die vom c 
Mitglieder). Immerhin ſind auch dieſe 
ber die Anträc un 
daß ſich die Demokraten und 
olme weiteres mit dieſer 
bfinden, und daß ſie nicht verſuchen ſollten, in der 
Zentrum. angerichteten Schaden zu 
'Es wird. aber auch Seit; daß ſich endlich die im 
i Anhänger. 
Abbaumaßnahmen!“ gewiſſer. 
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