Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 55.1926, [1. Halbjahr] (55.1926, [1. Halbjahr])

Allgemeine Deutfche Cehrergeifung 
Serausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein 
"jeſielle: Lerlin € 25, Kürz St 5/5; 2 + Alexander 
the EEN ve CS Ee ES fnfiraße 60; EE LSis 
80; Fernruf: Lichterfelde 3951 
Berlin, - Nummer 24 
alt: Staat, Rirche und Schule. = Kollegiale Schulleitung. -- -Die 34. Vertreterverſammlung des Deutſchen Lehrervereins in Danzig. = 
5 Deutſcher und des Candesvereins Preußiſcher Yoltksſchullehrerinnen. = Rundſchau. = Wirk- 
Pfingſitagung des Reichsverbande | : 3 0 
ſchaftliche Fragen: < Verſchiedenes, == Anzeigen, Als Beilage: „Blätter für Schulzählungen We. 2% 
Staat, Kirche und Scule.* 
Vortrag, gehalten auf der vos Deutſchen Lehrervereins zu Danzig am. 25. Mai 1926 von C. L. 4. Preßel 
be: Ich darf vielleicht zwei perſönliche Bemerkungen voraus in einen Vortrag zuſammenfaſſen ſoll, für den ich. Ihre Zeit 
Ächi>ken. - Die eine iſt die: was ich Ihnen zu bieten habe, | -doh nicht übermäßig in Anſpruch - nehmen darf. ; 
iſt nicht das, was man einen zündenden Vortrag zu nennen Ich möchte mir aus Zellers Vorleſungen ein paar Ceit- 
Pſleat. Meine Abſicht geht nur dahin, ein paar tatſächliche | worte herausheben. Zeller ſagt an einer Stelle: „Es iſt ein 
eſtſtellungen zu treffen und 'an dieſe Feſiſtellungen einige | falſcher Jdealismus, wenn man annimmt, es ließen ſich ohne 
Nüchterne Ueberlegungen 3u knüpfen. Ih wende mich. alſo Rückſicht. auf tatſächliche Gegebenheiten Einrichtungen aus- 
Uh bei Ihnen nicht an jenes Gebiet des Seelenlebens, das denken, welche als die abſolut „beſten vom Beatiff der Sache 
vom Gefühl beſtimmt wird, ſondern an jenes andere Gebiet, eforderten überall hinpaſſen und denen gegenüber alles andere 
“ Zeller zieht etwas weiterhin 
Wo der Verſtand die unbedingte Herrſchaft hat. Und das „unberechtigt und verſehlt ſei. 
Zweite: J< habe das Bowußtſein, daß von dem, was ich | dann daraus den Schlüß:- „Es kann ſich bei einer Beſtim» : 
Jago, dies und jenes bei dem oder jenem von Ihnen ein d muna des Verhältniſſes zwiſchen Staat und Kirche nicht bloß 
Liebes, bis dahin gehegtes Gefühl verlegen mag: Nehmen darum handeln, welche Ordnung dieſes Verhältniſſes uns ait 
'Sie nicht an, daß. das aus böſem Willen geſchähe. Wenn | und für. ſich „als die beſte „und wünſchenswerte erſcheinen 
es. geſchehen ſollte, -ſ9 iſt es eine Folge, die ſich „aus .. den würde, ſondern: es muß- auch gefragt werden,- unter. welcheit 
Tatfachen und den daran zu knüpfenden Veberlegungen be- Vorausſezungen gerade derartige: Ordnungen angemeſſen und 
griffsnotwendig ergibt. x zweämäßig ſind.“ Ich möchte für mich dieſen lezten Saß um- 
| Und- nun zur Sache. Die Aufgabe, die mir geſtellt iſt, kehren und ſagen: ; Es muß gefragt werden, welche Ordnung 
Heißt. „Staat, Kirche und Schule“. : Natürlich iſt ſie: nicht unter beſtimmt gegebenen Vorausſetzungen, unter billiger Be- 
Ko-uemeint, als :ob dieſe drei Be ſichtigung der Anſprüche beider Teile erſtrebenswert-und 
v zeicnungen eine Gliederung | rücſ 
[Des Ganzen. bedeuten ſollten, ſondern: der Sinn der«Aufgabe zugleich möglich iſt. : ) 
der, die Beziehungen zwiſchen. den drei Begriffen zu unter? 7 Wenn wir dieſen. Geſichtspunkt in's-Auge Faſſen, ſo Folgt 
ſuchen, einmal nach. der Seite hin, wie ſie geworden ſind und | daraus, daß wir:uns hier nicht mit dem Verhälinis von Staat: -. 
ute nöch ſind, und dann 'auch nach der anderen, wie. ſie |. und Kkrche in allen. möglichen Gegenden der Welt und zu 
Jein ſollten. Es wird nicht zwe>mäßig Jein, dabei zugleich .den verſchiedenſten Zeiten befaſſen werden, ſondern wir werden 
Ue drei zu berüſichtigen. Einmal ſind nicht alle drei zu? | uns an die Verhältniſſe zwiſchen. Staat und Kirche auf dem ' 
gleich da geweſen. Staat und Kirche waren viel früher da, Boden halten, auf dem wir erwachſen ſind, auf dem Boden 
ehe es eine Schule gab. Zum- anderen: Das Verhältnis der des Deutſchen Reiches, und wir werden über die Grenzen. 
Schüle zu den heiden Vorangehenden iſt nur dann einiger- des“ Deutſchen Reiches nur hinausgehen, wenn ein Vergleich 
Mäßen richtig feſtzuſtellen, wenn das Verhältnis zwiſchen den das „notwendig macht, oder aber. aucM,. wenn wir in der 
beiden etſten“ zunächſt klar erfaßt wird. ZT 28 Entwidelung auf. deutſchem Boden Beſtrebungen begegnen, 
- Ich betrachte.es.alſo. als „den, erſten Teil meiner. Aufgabe, | die. ihren Urſprung ander5wo gehabt haben. Nicht ganz. ab- 
ber das Verhältnis von Staat und "Kirche zu reden. 'Staat | ſehen können wir von der „Berückſichtigung der. verſchiedenen 
Wid -Kirche,- die Worte ſind wie Kleingeld, ' das im Verkehr Zeitalter; denn älles, was iſt, iſt nur zu verſtehen, wenn wir 
ſt und. von Sänd zu Hand. geht.“ Jeder weiß ungefähr, was uns auch fragen, wie es geworden. iſt. Darum iſt ein Furzer 
er damit ausdrücen.. will, Es wird aber doch nicht über- geſchichtlicher Rüebli nicht! zu vermeiden, "Ich will aber 
Älüffig fein, hier ein wenig genaue 3 umſchreiben, was | hoſen daß er. möglichſt kurz ausfällt. | 13 (05 
Rn in. dieſc Zuſammenhange Staat, .: was für - „Zeller meint, es ſei ein falſcher Jdealismus, eine Ordnung 
Uns - Kirchs iſt. Ih mö <hts „Staat“ kurz kennzeichnen als der menſchlichen Dinge ausdenken zu wollen, die ſchlechthin 
die Form der ntenſchlichen Gemeinſchaft, der die ihr Zugehört- S0EM ZVR: Denno hat die, Menſchheit gerade AY ZDEnt 
Hen“ die Wahrjng des Rechtes, der Ordnung, der geiſtigen Gebiet, das wir behandeln, lange, ſehr. lange unter. dem Ge-. 
ildung 19V Des Wirtſchaft=lebens anvertraut haben. Und | danken geſtanden, es gäbe eine ideale Form des Verhältniſſes 
verſtehe USED CHEP Kirche nicht nur. das, was geſchichtlich von Staat und Kirche und es müjje alles daran geſetzt werden, 
! GEHT IE DIE hriſtlichen Kirchen; | alles dafür geopfert werden, daß. dieſe ſchlechthin ideale Form 
dieſen <<riſtlichen Kirchen, | erhalten bliebe. Dieſe ideale Form, der, man nicht ohne 
: 4 weiteres beſtreiten kann, daß ſie, wenn ſie verwirklicht würde, 
[|] 
x 34: vorireterverſammlung 
a dieſen Namen Anſprucl) 
gap. nur: eite. von 
Fondern 5 uE . „Kirche jede Gemeinſchaftsform, PURES ' Berl | ' 
Mn werfe unter Kir HE tverbundenheit ihrer | auch tatſächlich ideal Wäre: „vieſs. [dFWle, Sorb war die völlige. 
Angehörigen zur Aufgabe: ſtellt. | ] EIE Einheit von; Staat 1 R ae hegegnen. dieſer. vökigen 
Veber 'das Verhältnis von Staa? und Rirc<he hat im Einheit, die, darin beſten, daß. alle Angehörigen. einer. Staats: 
Winter von 1872 „auf 75 56x berühmte Philoſoph der Ber- | gemeinſchaft „JURE auch Angehörige derſelben Kirchenge: 
liner Univerſität Eduard“ Zellsr eine Vorleſung gehalten, die ) ZUM: DU u DUS II Altertum . und. „Da5. JE 
Hi ganzes Studient biahr gedaueit Nat, Wenn man dieſe Mittelalter DUE Wir finden im. Altertum, daß oft. das 
- Dörlefungen, die 3 T Dried erſchienen. ſind, lieſt, ſo «hat: man; „Streben, nam Diele: Einhoit.. das> ſiegreiche: J2011 BUB; 
Feineswegs Suh Befühl 15 wenn.die Sache übermäßig lang das unterworfene völlig „auch, in, ſeinem Geiſtesteben zu- unters 
Und allzu EE EEE Ives WEBER WAT. Un ſchwieriger drücden oder „vielleicht gar zu vernichten. Im Altertum wav, . 
für in ue id | er EIE 38: Die Eduard Zeller die Einheit. zumeiſt, ſo, daß das Staatliche das, Uebergewicht- 
in ML Dein Y ufgabe, NUE Balbjahres - geboten bat; |; hat.. Nur, ſelten tritt hervor, daß es. umgekehrt war. So war 
INE 2,0 eſungen eines ganzen 7 es vor allem im alten YVömerreich, ſolange die römiſche Staats- 
“7 religion noch das Heidentum war. Es blieb ſo, als das bis 
*) Nach der ſtenographiſchen VNiederſchrift- 
 

	        

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