Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 56.1927, [1. Halbjahr] (56.1927, [1. Halbjahr])

-Ullgemeine Deutſche Lehrerzeitung. 
Daß der Geſundheitsunterricht in der Schule ganz anders 
ausſieht, als ihm die Geſolei zeigt, beweiſen folgende Filme: 
Die weiße Seuche (Tuberkuloſe). Hygiene des täglichen Coebens. 
Säuglingspflege. Hygiene der Feierſtunden. Gefahren der 
Straße. Kind und Welt. Schulfarm Scharfenberg. Erſte Hilfe 
bei UnglüXsfällen.. Ich fahr" in die Welt. Unſere Kinder 5 
Unſere Zukunft. Turnen am ReX. Zeitlupe und Zeitraffer. 
Schulſchiff. Tiſchlein deX dich. Hänſel und Gretel, Elfenzauber. 
Rattenfänger. Dornröshen. Rumpelſtilzhen. Der ; kleine 
MuX. Wege zu Kraft und Schönheit. Zur Chronik von 
Grieshuns. Urwolt im Urwald. Die aus erſter Ehe. Die 
Biene Naja, 
Gewiß eine reiche Ausloſe.“ Eine Unſumme Arbeit ſteXt 
darin, Viel Licht ſtrahlte in tauſende hungriger Kinderaugen 
und 6rleichterte und vertiefte die Schularbeit. Man kann 
begeiſtert ſein über die Stoffülle, die es ermöglichte, alle 
Stufen und faſt alle Fächer zu berüſichtigen; aber der Lehrer 
Hat weitergehende Wünſche. Ihnen immer mehr gerecht zu 
Werden, muß unſer Bemühen ſein, Einiges ſei hier furz 
Veſtreift. 
Da iſt zunächſt „Die Eingliederung in den Lehrplan“. Bei 
Aufſtellung des Spielplanes: wird „die RüFſichtnahme wver- 
ſucht, häufig aber machen äußere Gründe einen Strich durch 
die Rechnung. Selbſt wenn das Ziel, koſtenlos bereitliegende 
Lehrfilme der Gemeinde zur Verfügung zu haben, erreicht 
iſt, wird es nicht möglich ſein, jeden Wunſch zu beſtimmter 
Zeit zu erfüllen. Ferner möchte man die Stoffmenge eines 
Films auf Wochen verteilt ſehen; das iſt erſt dann möglich, 
wenn pädagogiſch bearbeitete Filmabſchnitte zu haben ſein 
werden. Es geht nicht an, für 2000 'Meter - Film die: hohe 
Miete zu bezahlen und nur 500 Meter zu ſpielen.“ „Der 
Lohrer müßte das Bildband vorher kennenlernen.“ - Das iſt 
ein ſehr. berechtigter Wunſch, der heute nur an der Geldfrage 
Icheitert, da die Filmmiete für Tag und Vorführung be- 
rechnet wird; ein Erſaß durch Ueberreichung einer Jnhalts- 
angabe wird von der Film- und Bild-Arbeitsgemeinſhaft aus 
verſucht. Dem einen genügt der Erfkärer nicht, der andere 
jähe ihn lieber gar nicht. Da gibts ein ſicheres Mittel. Wer 
in ſeiner Bruſt die Stimme hört: „Du. könnteſt es beſſer“, 
der zögere nicht und ſtelle ſich in den Dienſt der guten Sache. 
Es iſt durchaus lohnend, auch einmal andern Kindern das 
zu geben, was man nur ſeiner Klaſſe bieten will. Wie auf- 
 
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znertſam. werden dann alle die „andern“ Kinder ſein, die bei 
ſolchen Maſſenvorführungen ihre Gedanken, vielleicht gar 
Hände und Füße ſpazieren führen! 
Damit glanbe ich den wenigen Einwänden, die erhoben 
werden konnten, begegnet zu ſein, ihnen reſtlos den Boden 
zu entziehen, iſt: Sache der Gemeinden. Sie haben die Mittel 
aufzubringen für Ausgeſtaltung des Unterrichts nach dieſer 
Seite hin.“ Das Notwendigſte iſt Elektriſierung wenigſtens eines 
Lichtbildzimmers. Dann ſind Verdunklung, Apparate = zwar 
nebeneinander, am beſten "aber getrennt für Film, Licht- 
bild, Episkop und Mikroprojektion == zu beſchaffen. Filme 
und Lichtbilder werden in einer Zentrale für alle Schulen des 
Bezirks zur Verfügung geſtellt. Erſt wenn das erreicht iſt 
= exfrouliche Anfänge find vielerorts im Gange -- kann von 
Lichtbild= und Filmunterricht im engeren Sinne“ die Rede ſein. 
Dann werden wir zu einer befriedigenden Methode kommen, 
wenn auch zu» keiner alleinſeligmachenden; denn es führen 
viele Wege nach Rom. ! 
Bis zur Erreichung des Zieles werden leider infolge unſerer 
Finanznot noch "Jahre vergehen. Das darf die von der Güte 
der Sache Neberzeugten nicht zurüFhalten, das "Vorhandene 
auszubauen und es mit ſoviel Nußen, wie möglich, dem wer- 
denden Geſchlecht dienſtbar zu machen. 
Wie hoh die Welt den Film als Aufklärungsmittel be- 
wertet, darüber brauche ich nichts zu ſagen. Wir wollen da 
nicht nachhinkfen und unſern Kindern das beſte Anſchauungs- 
mittel vorentlyalten, Wie ſehr begrüßt es 3. B.- die Yerkehr5- 
polizei, daß ſie mit unſerer Einrichtung in einer Woche 5500 
Schulfindern in Bild und Film „Die Gefahren der Straße“ 
vor Augen führen konnte und das koſtenlos. Oder ich er- 
innere an die Reichsgeſundheitzwoche, die eine Nuelle der 
Belehrung für weite Kreiſe erſchloß mit Hilfe der durch 
die Tatkraft einzelner geſchaffenen Scullichtſpieleinrichtungen 
im Groß-Berlin, 
Die Zeit zur Einrichtung von Lichtbildzimmern. iſt günſtig, 
da an großen Syſtemen Klaſſenräume frei werden. Wer alſo 
heute beginnt, Hat es leichter als wir ſeinerzeit. Die Freude 
wird mit dem Werk wachſen. Wir fingen alle mit dem gelie- 
henen oder ausgegrabenen Lichtbildapparat an. Nittel und 
Wege für den Ausbau finden ſich. Rat und Hilfe gewährt 
gern der Lichtſpielbund Deutſcher Städte, Berlin UW. 21, 
Bo«+umer Straße 8. Alſo ans Werk! 
Rundſchau. 
Die Ubänderung des Grundſchulgeſezes angenommen. 
e 
| „Mitten in der großen politiſchen Ausſprache "hat der 
Heichstag am Schluß der Sißung .am 4. Februar den vom 
Vildungsausſchuß vorgeſchlagenen Geſetzentwurf betr. Ab- 
Anderung des 8 2 des Grundſchulgejetes gegen die Stimmen 
er Domofraten, Sozialdemokraten und Kommuniſten in 
IWeitor Ceoſuig angenommen. 
Zialdomokraten und Kommuniſten wurden abgelehnt. 
Der Preußiſche Unterrichtsminiſter über die Förderung 
ſc<hwachbefäyigter Volksſchüler,. 
Den zuſtändigen Regierungen war kürzlich aus dem Land- 
ag eine kleine Anfrage zum Bericht zugegangen, die unter- 
tellte, daß in einzelnen Fächern ſchwachbegabte Volksſchul- 
Under dadurch, daß ſie* in mehrklaſſigen Schulen ein oder 
Mehrere Male nicht verſeßt wurden, in allen Fächern eine 
Unzulängliche Bildung erhalten. Der preußiſche Kultus- 
miniſter Bo >er hat darauf an ſämtliche Regierungen einen 
rlaß nachſtehenden Inhalts gerichtet: 
Wenngleich beſondere Mittel für die Förderung ſchwach- 
bofähigter Yolksſchüler bei der Finanzlage des Staates nicht 
zur Verfügung geſtellt werden können, ſo ſind doch die nach» 
Itebhenden Maßnahmen, die ſich in der Erfahrung bewährt 
aben, als beachtenswert zu bezeichnen: 
. Für die Verſezung muß die Geſamtr eife des. Rindes 
Maßgebend ſein; mangelnde Leiſtungen in einzelnen Fächern 
vie die Verſezung nicht ausſjchließen. 
flegende Gemeinſchaftsgei . 
„machen, daß ſich beſſere Schüler der ſchwächeren unter Ceitung 
eS Lehrers annehmen, indem ſie mit ihnen zuſammen ar- 
Die Unträge. der 'So-, 
 
Der. in Schule: zu. 
iſt iſt dahin fruchtbar zu 
 
beiten und üben. Im Unterricht ſind die ſchwächer Begabten 
planmäßig zu berüFſichtigen und ſo in die Arbeit der Klaſſe 
einzubeziehen, daß auch ſie ihren Fähigkeiten entſprechende 
Aufgaben im Dienſte der Geſamtheit zu löſen haben." Dabei 
wird zu beachten ſein, daß ein gleichmäßiger Fort- 
ſchritt aller Kinder einer Klaſſe nicht möglich iſt. 
Wo.das nicht ausreicht, iſt für Kinder, denen die Nichtver- 
jekung droht oder bei denen nach erfolgter Verſezung Lücken 
auszufüllen ſind, Nachhilfeunterricht im Sinne des Erlaſſes 
vom 2. März 1912 einzurichten. Iſt die Einrichtung von 
Abſchlußklaſſen nicht möglich, fo können Kinder, die mehrfad 
nicht verſeßt ſind, vor ihrer Entlaſſung zu Ubſchlußab- 
teilungen vereinigt werden, die beſonders lebens- 
wichtige Stoffe in einer den Kräften der zurüFgebliebenen 
Kinder entſprehenden Weiſe durchzuarbeiten Hätten. 
Im übrigen iſt. die Förderung ſchwachbegabter Kinder 
weſentlich eine Frage des Veorantwortungsbewüßt- 
ſeins und der Hingabefähigkeit der Lehrenden. Sie 
kann nur gelöſt werden, wenn das Elternhaus zu ver- 
ſtändnisvoller Mitarbeit herangezogen wird. Die Exr- 
ziehungsberechtigten ſind in perſönlicher Fühlungnahme über 
die Schwächen ihrer Rinder rechtzeitig aufzuklären, damit ſie 
au ihrerſeits die Kinder durch geeignete Mittel: körperliche 
Pflege, Beaufſichtigung, Dorminderung hauswirtſchaftlicher Ar- 
beiten fördern können. | 
Die Biſchöfe ſperren den Zugang zur Franfkſurter 
ſimultanen Akademie, 
Miniſter BeFXer iſt dem Geiſt des Kirchentums wahrhaftig 
weit entgegengekommen, als er die drei erſten preußiſchen 

	        

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