Nr. 14
Pſychologiſche Unterſchiede in . dieſem Alter. Mädchen und
Knaben paſſen gut zueinander, ſie ſind einander gute Spiel
gefährten.
Der eigentlichen Pubertät voraus geht bei beiden Ge-
ſchlechtern eine Phaſe des geſteigerten Kraftbewußtſeins und
des intellektuellen Intereſſes. Dieſe Seit iſt für beide Ge-
ſchlechter die beſte Lernzeit. Bei den Mädchen iſt dieſe- Phaje
t zwiſchen U-12 Jahren, während ſie ſich bei
bis zu 15 Jahren erſtreXt.. Die. ſtärkſte Ent-
Intollekts liegt beim Mädchen erſt. jenſeits des
Ürzer, etwa
den Knaben
wiklung dvs
16.. Jahres. EE
Die Zeit der geijtigen Reifung lehnt ſich eng an. die der
Förperlichen an, wenn ſich auch beide in ihren einzelnen
Phaſen nicht genau deXen. Man darf natürlich unter körper-
licher Pubertät nicht ong das Auftreten der erſten Menſtruation
verſtehen, ſondern. den geſamten Wachstumsprozeß, wie ich
ilm Ihnen: eingangs geſchildert habe. Auch bei der geiſtigen
Reifung können wir dvei Phaſen unterſcheiden: Yorpubertät
(11-15), Dubertät (13-16), Adolescenz oder endgültige Reifung
(16--18). Doch ſind die Nebergänge zwiſchen den. einzelnen
Phaſen ſehr - fließend. k |
Wie die körperlichen Vorgänge beim Mädchen == nachher
noch ſtärker bei der Frau einen tiefgelyenden Einfluß auf
die ganze Lebenz- und Geiſtesgeſtaltung haben, wie Mädchen
und Fran weit abl:ängiger von ihrer Körperlichkeit ſind als
der Mann, ſo verläuft auch der Prozeß der geiſtigen Reifung
beim. ) Mädchen früher, jtürmiſcher, in die ganze Cebens-
geſtaltung eingreifſender als beim Knaben. "Sie jind daher
auch empfindlicher und vriiXſichtsbedürftiger als dieſe.
Wie die Mädchen in der Vorpuübertät von den mannig-


fächſten körperlichen Boſchweordon geplagt worden, ſd iſt ſie auch
ſeeliſch "eine Zeit der Unculo, der Unproduktivität, der Jj0-
lierung und Eine. ſolche „Negative Phaſe“
Gene länger oder „Hrzer ausnahmslos bei allen Mädchen dem
Auftreten der erſten Menſtruation voran. Ueberhäaupt Über-
wiegen in der Frühpubortät bei beiden Geſchlechtern die un-
angenehmen Seiten. (
Als NusdruFX dos inneren Suchens „ſelon wir eine "Ab-
Fehr vom bisher gegebenen, von Eltern und Familie, ferner
des. Tro ZS.
ec
0 Neigung zu Tagträumen und ein Wuchern der Phantaſie.
Beint Knaben äußert ſich dieſes mehr im Drang nach Aben-
ZDEN und - Erlebniſſen, bei den Mädchen macht. ſich nicht
EE NENE IEEE Lügen und Stehlen bemerkbar. Die
H SE SIEENE Eräume ſind ſo übermächtig, DOE ſie
RUIN INST SIM ENE BEEN und orzählt EEN
dee AEI ZUR a00 Wünſche der Mädchen
EE EED ENEN EO UMICHUVEE MENNE
KÜR ERTE SEEN ME SFSW MSE! ehr hübſch und
charaltorijtiſch in der „Kleinen Cügnerin“. Kleine -Eigentums-
dolikte kommen in dieſeni Alter nicht ganz ſelten vor Voide Ver»
gelion muß man pennen, man bpancht fie aber En vorüber-
REDE GRU nicht. allzu ſchwer zu werten
Die“ Crſten Anſäge - des Schäimngefühl& fände + are
aim «Kletikindezalter, doch wie EE DRE ata 2a bh
in dop darauf folgenden Kindheitsporiode DEE MRP AB eie
ſchwächen. Die eigentliche Entwiälung des Scha EN LBE
Mädchen fällt mit der EntwiäIlung der Bruj KREN 55 Es
SURE WES INGE ITELIUUGGS 3 der. Bruſt zuſammen. Es
boſtolt in Nädchenklaſſen ſchon bei den 101jährl SE TNEE
Scheu, ſich vor don Mitſchülerinnen anuszuziehen fobald "Bis
erſten lörperlichen Roijezeichen zu boobachten find EAS
noh Hindlich gebliebene I4jährige ſich völlig unbefangen ZRHEf:
Erotik und Sexualität beginnen ſich bemerkbar zu WUUHEE
Die Zerriſſenleit und Unſicherheit, die unbeſtimmte. Sucht
laſſen das Mädchen nach einem Jdoalbild“ ſuchen, das ibmen
Vorbild und Leitſtern ſein ſoll. Das Objekt dieſer SANBALNELEt
Fann Mann oder Frau ſein. Während e5> bei den Knaben mehr
auf das Können und die Fähigkeit des kameradſchaftlichen
Umgangstones- ankommt, wirkt auf das Mädchen die Ge-
famtporſönlichkeit, die innere Autorität, doren Sübrung ſie
fih willig unterordnot. In dieſer Schwärmerei liegt ein or-
zieblich gut verwendbarer Faktor. Man ſollte daher in die
Klaſſen der 12-13 jährigen Mädchen die beſten Lehverperſön-
lichkeiten einſeßen, denn das ſind die für den Aufbau der
Perſönlichkeit entſcheidenden Jahre. N
Was die Aeußeorungen der- Sexualität betrifft, ſo können
ſie ſel. verſchiedenartige ſein... Sie alle kenn2n "den Typ des
frübreifen Schuhnädchens, bei dem ſich in Benehmen und
Rloiduna das ſinnliche“ Moment ausdrüt, und das die Ge-



Allgemeine "Deutſche Cehrerzeitung.


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falwen der Großſtadt gleichſam ſucht. Dieſe wie die geiſtig
minderwertigen und debilen ſtellen das Hauptkoittingent der-
jenigen, die am bäufigſten im 15. Jahr der ſexuellen Der-
wahrloſung verfallen: Die meiſten Mädchen empfinden das
ſexuelle Moment während der Sdhulzeit noch als etwas
fremdes, unheimliches. 'Eine Beobachtung ſcheint mir hierher
zu geliören: Die Mädchen um das 14. Jahr herum laſſen ſich
in mancher. Hinſicht von einem Manie leichter führen als
von einer Frau. Es ſpielt dabei der Wunſch mit, zu gefallen,
vom Manne als voll genommen zu werden.
Die Onanie iſt eine in dieſem Alter ſehr verbreitete An*
gowohnheit, ſie iſt ſo verbreitet, daß man ſie bei geringem
Aut=maß faſt als ſiormal bezeichnen muß. Von exzeſſiven Fällen
abgeſehen, tuat man am - beſten, möglichſt wenig. darüber. zu
ſprechen, das 'Rind durchy Abhärtung und körperliche Uebung
abzulenken und zu ermüden. Die Gefahren der Onanie ſind
weitgehendſt überſchäßt worden, es iſt völlig verfehrt, den
Jugendlichen durch das SchreXgeſpenſt ſchwerer Erkranfung
zu ängſtigen.
Wie kann und wie ſoll die Schule ſich auf die Eigenart der
weiblichen Konſtitution einſtellen? Wie muß die Schule das
Nädchen vorbereiten, damit es einmal ſpäter fähig it, Trägerin
und Hüterin der VYolfsgeſundleit zu werden? Das +ſind die
beiden Frageſtellungen, die ich auf Grund der vorangegangenen
Ausführungen verſuchen will, Ihnen zu beantworten. &Sür
die Vorſchulzeit, den Schulkindergarten, iſt es wichtig, daß die
Ceiterin die gelegentlich ſtärkor hervortretenden Entwirklung=-
eigentümlichfeiten des Kleinkindes kennt und ſie berüFſichtigt.
Ruch die gelegentlich auftretenden Aeußerungen ſexueller Neu-
gierde muß man kennen und lonfon können, okne fie allzu
ſchwer zu bewerten.
Der - Eintritt in die Schüle ſoll micht. frühzeitiger als
nötig und nicht mit Gewalt erzwungen werden, wenn kör»
perliche und geiſtige gSähbigfeiten noch nicht ausveichen.
Stephan, Mannheim, hat kürzlich nachgewieſen, daß die ZurüT-
ſtellungen vow 4-6 v. H. auf: 2 v. H. zurüFgegangen jind,
ſeitdem dort nur ſolche Kinder zur Aufnahme gelangen, die
bis zum 50. April ſechs Jahre werden. Die Pſy4opathen
ſind oft mit 6 Jahren in ihrer geiſtigen Struftur noch nicht
ſchulreif, die vorzeitige Einſchulung bewirkt bei ihnen von
vornherein eine /negative Einſtellung gegen die Schule, die
häufiger während 'dor ganzeit Schulzeit beibehalten wird.
Neber die „Frage, ob Knaben. und Niädchen. gemeinſam zu
orziel:en ſind, iſt ſchon ſehr viel diskutiert worden. IH mödhte
bier alle pädagogiſchen Stroit- und Geſichtspunkte außer acht
laſſen und die Frage kurz aus den vorher erörterten biologiſchen
Erfahrungen heraus beantworten. Während der Grund-
ſchule beſtelzen gegen eine gemeinſame Erziehung von Knaben
und Mädchen nicht die geringſten Bedenken, ich könnte mir
ſogar denken, daß ſie manche Vorteile bietet. Die 10--MWiährigen
wähwend der. Phaſe des geſteigerten Cebensgefühls, pajjen
ſchließlich auch noch zuſammen. Mit 12 Jahren muß ſpäteſtens
eine Trennung eintreten, wenigſtens dann, wonn man das
Beſtmögliche. in der Erziehung erreichen will. Während die
Knaben bis etwa 15 Jahren am aufnahmefähigſten und lern-
freudiaſten ſind, muß bei den Hlädchen die“ Zeit von 12“ bis
14 Jahren eine Schonzeit ſein.
“ Obkne hier etwa einer VYorzärtelung das Wort veden zu
wollen = ſie iſt um ſo weniger am Plaße als die Mädchen
faſt ausnalhmslos in das Berufsleben eintreten == möchte. ich
mit Nachdruk. dafür eintreten, daß die Schule mehr als
bielzer, auf die Schonungsbedürftigkeit und die körperlichen
Boſchwerdon der Mädchen in dieſen Jahren Rü Xſicht nimmt.
Für don periodiſch wachſenden Oyrganiemus des, Mädchens
bedeutet oime ſchematiſche, unabänderlich ſtrenge Betätigung
cine ſtarke Bolaſtung. Ein ſtärkeres Indiidualiſieren yt in
dieſein Jahren am Platze: Ih mache in meinen ſchul-
ärztlichen“ Sprechſtunden immer wieder die Erfahrung, daß
der Wunſch nach völliger Befreiung von einzelnen Unter-
richtszweigen deshalb bei Schülerinnen und Eltern jo ſtark
ijt, woil. eine gelegentliche Schonung des Mädchens von der
Schulo ſchroff- zurü gewieſen wird. Und zwar ſind es nicht
nur die männlichen Lehrkräfte, die in dieſer Hinſicht Unein=
ſichtig ſind. .
Sür die Nlädchenorziehung iſt weiblicher Einfluß,
beſondere mütterlich eingeſtellte Lehrkräfte unentbehrlich. €
wird ja niemand auf den Gedanken kommen, in den Fehle
der“ Rnabenſchulen zur verfallen und ein vein weibliche

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