Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 56.1927, [1. Halbjahr] (56.1927, [1. Halbjahr])

 
 
 
 
 
 
 
 
Allgemeine Dewſche Telſrerzeitung. 
 
288 t 
fonheen der "Neligionsunterricht "fei in der Verfäſſung 
(Ntt, 149) feſtgelegt." Die Wiſſenſchaft müſſe ſich äuch mit den 
i' 
Cäatifachen abfinden; und hier fei zu frägen, wie fie fich zu 
Lemem Religionsunterricht ſtelle, der nach den Grundſätzen der 
ntnisgemeinſchaſten erteilt werde und ob dieſer Reli- 
erricht Sache der Uirche oder des Staates ſei. 
 
In der weiteren Üusſprache bekam der Standpunkt des 
Berichterſtatters, daß die zur Erörterung ſtehende Frage nicht 
von der Wiſſenſchaft entſchieden werden könne, ſtarke Unter- 
fükung; ſie brachte aber noch fehr beachtenswerte Beleuch- 
tungen des Problems. So durch. die Feſtſtellung, daß die Er- 
Jiehungswiſſenſchaft ſich auch mit den allgemeinen Kultur- 
bedingungen zu beſchäftigen habe, unter denen fich Bildung 
vollzieht... Unter. dieſem Geſichtswinkel betrachtet, könne man 
die Frage nicht aus der Geſchichte, ſondern müſſe ſie aus der 
Lage der Gegenwart beurteilen, man müſſe-den Bli> auf die 
geiſtigen: Kräfte richten, die jetzt. auf dem Plan ſtänden. Da 
fei erſt die katholiſche Kir<e mit ihrer Ublehnung des 
Staatsſchulmonopols und dem unbedingten Grundſatz der 
Unterrichtsfreiheit, da. ſei ferner der Proteſtantismus, 
bei dem die Dinge ſchwieriger lägen, ſei die Unſchauung 
Weiter“ Dolkskreiſe, daß 'die Religion keine Gegen- 
wartsnmadt: mehr fei, und fei endlich die ſich aus ihrer 
Geiſtesgeſchicte ergebende Haltung der Lehrer- 
vereine. Dieſe vier Mächte ſtänden im Ringen miteinander 
und das Ningen fei nicht nur ein geiſtiges, fondern ein parla- 
Wer dabei ſiege, das fei keine wiſſenſchaftliche 
ber „müſſe man ernſtlich fragen, ob der Staats- 
Ausſchaltung der Religion nicht weſentliche 
) gingen, und ob damit nicht einmal die Staats- 
| t. verloren gehen könne, ob nicht darum der Weg 
dex- Einigung verſucht werden ſoll. . Weitere. Redner knüpften 
an dieje Gedankengänge an, und unterſuchten die Bedenken 
in mehrfacher Nichtung: Exziehung5einheit, Weltanſchauunas= 
wirkung der Schule, die angebliche Störung der Erziehungs- 
einheit durc; den außerſchuliſchen Retigionzunterricht der 
Kirehzen, die Störung der - Erziehungzeinheit und -wirkung 
durch den Bruch der Cehrerperſönlichkeit, Religion als heutige 
Lebensmacht. Dadurch, daß in der Ausſprache ſchließlich auch 
ichulpolitiſche Gedankengänge ſtark anklangen, beſtätigte ſie nur 
die Feſtſtellung des Berichterſtatters, daſ die geſtellte Frage 
Heute eine-ſchulpolitiſche ſei, der dann auch in feinent Schluß- 
wort noch einmal . feſtſtellen konnte, daß ſeine Auffaſſung, 
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die Erziehungswiſſenſchaft könne nicht zwingend verlangen, daß . 
in der Staatsſchule Religionsunterricht erteilt werde, nicht 
beſtritten worden ſei. Es ſei zu befürchten, daß die Jugend 
des Volkes auf ein Menſchenalter hinaus in drei Lager zer- 
Tiſſen werde; dann werde es darauf ankommen, ob ſich das 
Volk« zur Einigung zurückfinden werde. Mit einem kurzen 
Schlußwort des Vorfizenden, der den. Zwe der Erörterung - 
nochmals hervorhob, 
fanden. die Verhandlungen des erſten 
Tages ihr Ende. ; s 
Üm zweiten Sitzungstage berichtete zunächſt O.. Ganter 
) zungseiage 7 I ad 
über die Frage der Prüfung der “Geſhichtslehr- 
bü Her. "Er ging aus voin Urk: 1438 der Reichsverfaſſung, 
den Richtlinien für die-Lelxpläne der höheren Schulen Preu- 
ſens, den Richtlinie zur -Aufitellung von Lehrplänen für 
Die oberen Jahrgänge der Dolksſchule in Proußen, dem auf 
der 6. Tagung des Yölferbundes gegebenen Bericht der Inter- 
nationalen Kommiſſion für geiſtige Zuſammenarbeit in Paris, 
den Yorichlägen der Kommiſſion des Woltbundes zum Studiunr 
der Geſichichtskehrbücher vom 25. Auguſt 1926 in Bern und 
der Beurteilung dieſer Vorſchläge durch“: die Verbände der 
Lehrer an Yolksſchulen und höheren Schülen, und ſtellte feſt, 
Daß die damit bezaichnete . Aufgabe, die politiſcher- Natur' 
- fei, pädagogijch geſehen werden müſſe. Und e5 gelang inm 
„Mm feinem Bericht durchaus, das Pädagogiſche in der Aufgabe 
Herauszuſtellen und die pädagogiſche Löſung zu bezeichnen 
BS. zu begründen. Er hatte dazu der Hauptſtelloe folgende 
Säge vorgelegt: 
„& Die E. H, des Deutſchen Lehrervereins bekennt ſich zu dem 
vom 
 
«€ GErnndſaß in den Vorſchlägen der Berner Tagung 
«F *: 25. Augnit 1926 zur Reinigung der Geſchichts=lohrdücher. Sie 
A. begrüßt die internationale Zafammenarbeit un? iſt. Horoik,-<ſie 
“zr zu fördern. EBENE is 
42. Die -E, 15. exfennt in der notwendigen Reinigung der Ge- 
<A. "etichtsfehrbücher nar: eine dex Vorausſehnngen-fär den Unter» 
 
 
 
"bloßen Unterricht der Yolksſchule fellt eben die geijüge Grund 
'Tage, weil m der kindlichen Emwicklung die Möglichkeit, die, 
 
«immerhin in der Gofchichte der Völker an Unrecht und Gewalt? 
"tat 
"dieſen Diagen ſachlich 
'Siel nicht erreicht werden kann. 
 
 
eicht 'im Geiſt der Völkorverſöhmung wd ſteh in des, Pflege? 
und Vollendung 
Menichentum den We 
3. Die €. H,/ fordert, daß der Geſchichts 
dieſes Ziel nicht die Grenzen überſchreite, die durch die Ens 
dor Verwirklichung. 
ntervicht im 
 
wiklung des kindlichen Seelenlebens gogeben ſind. 
In ſeinen Ausführungen entwickelte er folgenden Ge? 
dankengang: 
miſſion: des 
vom 25. 
der Völkerverföhmung zu geſtalten, wird anerkannt, „ohne dody 
alle Einzeklwiten dieſer Vorſchläge, etwa die beſondere 
auffichtigung des Unterrichts mix unter dieſem Geſichtspunkt 
zu bikligen. 5 k 
menſchliche und wirtſchaftliche Gründe, die für das dentſchs 
Volk um ſo zwingender ſind, als es durch di? im Vertrag voi 
Verſailles auferlegten Bedingungen und. als das Volk dev 
Mitte zwiſchen ſtarken Gegenſäten der öſtlichen und woſtlichett 
Völker nur den. dringenden Wunſy nach Frieden »und Ver? 
jölmung der europäiſchen. Völkox haben kann. -Mit dem Wunſch 
verbindet ſich aber die Erkenntnis, daß gewaltſame Entjchei- 
dungen loßten Endes nur vormieden werden könnten, MEN 
ein völliger UAnsgleich der Anſprüche und LeHERSROWWenvi 
keiten dex Völker möglich wäre und beſer Ansgleich ment 
wieder durch Abſinken und Aufſteigen der" Lebensträfte ge“ 
ſtört würde, = ein Zuſtand, der erſt einträte, wenn die Mög? 
lichkeiten der Menſcheit überhaupt erſchöpft wären. Sollte 
der Anzgleich auch zwiſchen dew europäiſchen Völkern aul 
möglich fein, was jedoch nach einem BliX auf. das Verkältms 
Rußland-England“ verneint werden. muß, ſo b.eiben doc dw 
Gegenjäte zwiſchen den Kontinonten, und als nag "imögliche= 
Ziel ergäbe fich eben nur die, Verſöhnung zwiſchen. Dem. 
- | durch emen 
 
 
digkeiten erwachſenden Leidenſchaften zu fchwach us M 
die praktiſchen Vorſchläge der „Internationalen Könnmitfion 
für geiſtige Zuſammenarbeit treiben meh: okne weiteres zur 
Verwirflichung, weit ſie zum Teil auf falſchow pſychologiſchen 
Voransſehmigen berulen. Der Jdee der Völkerverjöhmig im 
ze Grund» 
 
 
Nrt des andern Volkes, aus ſeinen Lebens5bedingungen zu 
begreifen, micht gegeben yt, wd auch das fritiſche Jugend- 
alter in der Entwieklung nach dom Verlaſfien der Volksſchule 
urteilt ja mw ablehnend oder zuſtimmend ans einem uns 
kritiſch anfgenommenen Grundſaß ber. Die Reinigung der 
Geſchichtsbücher iſt darum nur eine der Voransjekungen 
für den Unterricht im Geiſt. der Völkeroverfshnung und darf 
auch nicht dazu führen, alles ausfcheiden zu wollen, was 
Zwangslagen. und Notwendigkeiten im 
wägend zu erkennen, geht. aber wieder 
über die. , Möglichkeiten. des Unterrichts in der Volksſchule 
binans, und jo ergibt fiel,“ daß lehrend und bolehrend das 
Es bleibt nur die Mög? 
lichkeit, "im natürlicher Umkreis des Rindes das - Lebens? 
gefühl für Goemeinfamkeit und geitig? Zuſammenarbeit ſo 
zur ſtärkon, daß es in allen Beziehungen zur. Verwirktickung 
drängt. Es iſt darunt die Aufgabe dos ErZichers, die 
tätige, ansgleichende Gemeinſchaft zu verwirklichen; weil. er 
alloin feiner Arbeit die Momente vereinigt, die dazu nötig 
ſind: die Einſicht cin das Eigeſtleben jedes Rindes, , den 
Einblick in ſeine natürlichen Lebensbedingungen und der wiſſew- 
jchaftlich erworbene und künſtleriſc> dargeſteilte Kulturbeſitz 
des Volkes. Der Weg der Verwirklichung gelit-von der natüry 
lichen Lebensgemeinſchaft dos Uindes und der Pflege aind 
Vollendung dos Volkstums zu öffenem und ſelbſtbewußtem 
Menſchontum 'zur Völkerverſöhmung. | 
In der AusſpräaFHe wurde von einer Seite die Frage 
aufgeworfen, ob der Berichterftätter die Möglichkeiten der 
Erziehung nicht zu ſehr eingeſchränkt kabe, von andorox Seite 
wurden Zweifel geäntgert, ob eine Erziehung im Göiſte des 
Volkstums nnd. der Yölferveriöhnung überhaupt möglich fe, 
Im Gegenfaß zu der erſt äufgeworfonen Frage wurde mit 
allem Nachdruck auf die vielfach übliche und pädagogiſch nicht 
geichel?en it; 
Zu rechtfertigende Verfrühung im Geſchichtsunterricht der Volks- 
jehnle-Lingewiejen. Anch wurde betont; daß eine „Reinigung“ 
Der Grundſatz in den Vorſchkägen dex Röm | 
Weltbundes zum Studium .der Geſchichtsbücher Gb 
Nuguſt 1926, den Geichichtsunterricht im Geiſte 
dock dw. 
 
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des "Volfstums zu offenem, fclbſtbedußlein'n 
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Für die Anerkonnung ſprechm religiöſe, rem 
Blick anf | 
 
„IN 
' europäiſchen Völkern. Das Ziel. kann aber nich: d! ENES 
"nur, belebyenden. Unterricht erreicht werden, wil „SPRMLUET 6 
nnd Gefühlsbeſtimmungen gegenüber den aus SEE 
| Nucl? 
 
 

	        

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