Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 56.1927, [1. Halbjahr] (56.1927, [1. Halbjahr])

  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Nr. 45 
der -Goſchichtslehrbücher, die Gefahr, in ſich berge, daß geſchicht-= | 
liche Wahrheiten nicht melx geſagt würden; ſo weit. dürfe | 
es nicht kommen. Schließlich wurde auch die allgemeine 
Aufgabe des Geſchichtsunterrichis Unterſucht. Ein „kurzes 
Schlußwort des Berichterſtatters ſekte ſich mit einigen Go- 
danken, die in der Ausſprache geäußert worden waren, aus- 
einander und faßte das Ergebnis zuſammen. 
In. dem nun folgenden Bericht über die Arbeit der 
Erxziehungswiſſenſchaftlichen Hauptſtelle zeigte 
der Yorſikende, welche Aufgaben in Angriff genommen ſind 
amd wie weit deren Löſung gediehen iſt. Es handelt ſich dabei 
aun die Herausgabe eines Handbuchs über Fragen 
des Geſhichtsunterrichts, das ſich als eine völlige 
Neubearbeitung des 5. Jahrbuchs dor Erzw. Hſt. darſtellen 
 
wird, um ein Erziehungswiſſenſchaftliches Jahrbuch, -um die 
ſation der Erziehungswiſſenſchaftlichen Nrbeit im Deutſchen 
Lohrerverein (Landes- und Provinzialjtellen). Noch nicht in 
Angriff genominen iſt die Anfgabe, die ſich auf de 
der DVolksſ«eule bezieht. In der Ausſprache dazu wurde 
angeregt, angeſichts der Angriffe auf die Yolksſchule zu unter- 
dem Leben diene; dabei ſoll“ beſonders auch die Landſchule 
Horüäſichtigt werden. 
Arbeit zur Terminologie dor Arbeitsſchule, um die Organi- 
Ni nAusbau 
ſuchen, ob dieſe noch in ausreichender und beſtmöglicher Weiſe 
Einen Sonderbericht, der vom Yorſi 
 
 
enden und von Prof. 
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Wieder eimmnal: Konkordat und Reichsſchulgejeß. 
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Das hätte einer ſagen ſollen, 'als der Reichzaußenminiſter 
ſeine“ aufſehenerregende Rede auf der Tagung des Reichs- 
kulturausſchuſſes der Deutſchen Volkspartei am 5. April ge- 
Halten hatte. Weshalb denn dieſe Tagung? Weil durch die 
Deutſche Volkspartei eine innere Unruhe darüber ging, wel 
Stellung die Partei nach der Bildung der neuen Reic 
regierung - in dem bovorſtohenden Schulfampfe einnehmen 
werde... Denn der Schulfampf kommt, mag es ſich dabei um 
ein Reichskonkordat oder um ein Reichsſchulgeſes oder um 
beides Handeln. Und mm will man für dieſen Kampf 
eine Einheitsfront in der Partei ſchaffen. Als am 17. Juni 
7925 anläßlich der ſozialdemokratiſchen Interpellation 'über 
das bayeriſche Konkordat der Abg. Kahl erklärt hatte, daß 
cs am "beſten ſei, ein Reichsmantelkonkordat zu- 
ſtande“ zu bringen, wurde dieſer Vorſchlag auch in den 
Kreiſen der eigenen Partei wielfach mit Ropfſchütteln auf- 
genommen. Kall führte damäls aus: „I< wünſche 
dringend, daß ein Reichskonkord.at Zu Ka ix.02 
kommen möge, nämlich ſo, daß die von den einzelnen 
Ländern oder Kirchenprovinzen, alſo eiwa den Staaten der 
oberrheiniſchen Kirchonprövinz, ſukzeſſive abzuſchließenden odor 
 
 
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abgeſchloſſenen Konkordate unter Dir einheitliches 
Reichsmantelgeſck zuſammengoſtollt werden. Der Ge- 
ZA „dabei iſt nicht, unitariſche Tondenzen zu verfolgen, die 
Sänder etwa in dor Froiheit ihror Konkordatzabſchlüſſe 3u 
beſchränten, die CandeskirHenhoheit dor einzelnen Staaten 
GEIE ELAINE Solche „Ziele liegen dieſem Go- 
ant es Reichskonkordats völlig feen. Hier ſind viel 
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'Er- fügte dama noh himzu, daß er',um dieſer Sache "einc 
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waſ enbh aft limes DTSCH ſondern auch ſeinen 
bayeriſchen Freunden gegenüber, und weibl er früher in 
Einen aewiaſen STAD INN DUT M SF ETULTNHLNNT 
der Reichsreogierung mitgewirkt habe. = Seit- 
dem, hat der Kampf um das Roeichskonkördat einen immer 
größeren: Umfang angenommen. Dor katholiſch? deutſch- 
nationale Aba... Dr. Spahn hat in ſeinem „Deutſchen Dolk“ 
dafür. lobhaft Propaganda gemacht ; und: dabei auch auf 
außenpolitiſche Gründe hingewieſen. Zi der h[inks- 
ſtelhendon.Projſie und in evangeliſchen kirchlichen Kreiſen würde 
abor dor Widerſtand immer ſchärfer, und. namentlich dor 
Evangeliſche Bund entfaltete. eine von Monat: zu" Nlönat 
kräftiger wordonde Naitation. Da gerade in „dieſen“ Rreiſen 
die, Deittſche Volkspartei zahlreiche Anhänger bat, 
.. 
 
konnte ſie von dieſer Agitation nicht unberührt bleiben, zu- 
Allgemeine, Deutſche Lehrorzeitung: 287 
Scheibner erſtattet wurde, machte ſchließlich das Schiä4 
jal des „Handwörterbuche5 der Erziehungswiſſenſchaft“, das 
die EH. ſeit langem herauszugeben beabſichtigte, notwendig. 
Arbeit: an dem. Werk, das eine hervorragende wiſſenſchaft- 
he Tat zu werden verſprach, iſt durch den Krieg und die 
gunſt dor exrſton Nachkriegsjahre unterbrochen worden, nach» 
m ſchon weſentliche Dorarbeiten geleiſtet worden waren. 
Vor zwei Jahren wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, 
aber es Waltete über ihnen ein Unſtern. Als : beſonders 
hemmend traten Mängel in der Organiſation der Arbeit, ſo- 
wie die Erkrankung der beiden Herausgeber, auf deren Arveit 
das Werk hauptſächlich geſtellt war, dazwiſchen; und "als 
deim Vorlage bekannt geworden war, daß ein wiſſenſchaftli) 
einſeitiges Konkurrenzunternehmen in ſchnellem Fortſchreiten 
war, trat er vom Verlaagsvertrage zurüFX. Da Verhandlungen 
mit anderen Verlegern im AngenbliX kaum tunlich ſind, fo 
muß das Work leider als, zunächſt geſcheitert angeſehen werden. 
Das Bedauern der anweſenden Mitglieder der Hauptſtelle über 
dieſen -Ausgang war allgemein. Ihr Bedauern wird die ganze 
deutſche Lehrerſchaft teilen. Aber auch - die geſamte Er- 
ziehungswiſſenſchaft hat einen Verluſt zu beklagen. Denn da 
das geplante Konfurrenzunternehmen dem Yernehmen nach 
einſeitig eine beſtimmte Richtung verfolgen wird, wird -ſie 
auf lange hinaus auf ein objektiv-wiſſenſchaftliches derartiges 
Werk vorzichten müſſen. Otto S hulz. 
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mal auch: die Lehrerſchaft ſowohl in dor Konfordats- 
Ffpaue "Wie iM ver damit zuſjammenhängenden Frage des 
Reichsſchulgeſekes wiſſen wollte, welche Stellung die 
Paxtei zurzeit in dieſen wichtigen Fragen einnimmt. Mit einer 
gewiſſen Spannung durfte man daher den diesjährigen' Ver- 
handlungen des Preußiſchen Landiags entgegenieben, bei denen 
die Konkordatsfrage zweifellos eine wichtige Volle ſpielen 
mußte. Machdom Rultusminiſter Dr. BeXer in der Sigzung 
des Hanshalt=ausſchuſſes vom 7: Februar 1927 die bekannte 
rtlärung abgegeben hätte, nahm der volksparteiliche Abge- 
.dnete Dr; Kriegein der Sitzung vom 8. Februar folgender- 
maßen Stellung: Daß die in der Bulla de galuts animarum 
geregelte Dotationen für die katholiſchen Kirchenleitungen 
zeitgemäß erhöht werden müßten, ſei auch: di? Meinung ſeiner 
Svounde. Er glaube. aber, daß die endgültige Regelung 
nicht auf dem Wege des Geſeckes, NODE 1.-DeX 
deuſchwebeaden Konkordatsverhandlungenzu 
SPF ONUR DUD ei Die Erklärung des Herrn Miniſters 
über die Konkordatsverhandlungen bewege fich inn 
allgemeinen Redewendungen, ſo daß ſie weder 
über den Stand der Verhandlungen noch über die Abſichten 
vor Staatsreaierung Auskunſt gebe; es ſei daher für ihn nicht 
wohl möglich, zu dieſer Erklärung Stellung zu nehmen. Be= 
merken möchte er nur, daß diz in dor Literatur vielfach ver= 
tretone Theori?, wonach ein Konkordat keine völkerrechtlichen, 
ſondern nur ſtaatsrechtliche Wirkungen babe, in der völker= 
vechtlichoit Praris keine Stüße fuade; vielmehr „werde der 
Päpſtliche Stuhl allgemein als völkerrechtliches Subjekt ans 
erkannt, dergeſtalt, daß die Konkordate völkerrechtliche Der- 
träge darſtellten, alſo nur im beiderſeitigen Einvernehmen 
abgeändert oder aufgehoben werden können. Die Staatz= 
regierung müſſe ſich ſomit darüber klar ſein, daß die jekt 
von ihr mit der Kurie zu vereinbarenden Materien auf ab= 
ſehbare. Zeit ein für allemal feſtgelegt ſeien.“ 
Etwas deutlicher ſprach. ſich der volksparteiliche Abge- 
ordnete“ Schwarzhaupt aus, indem er in der „Landiagsjigung 
vom 15. März 1927 ausführte: „Der Herr Miniſter Hat eine 
formuliorte „Erklärung zum Konko vdatsproblem ab= 
gegeben. Ohne vorlänfiz auf dieſe weitgreifende Srage, ohne 
boſonders zurzeit: auf irgendwelche Verhandlungen auf dem 
kirchlichen Gebiete einzugehen, möchte ich doch zu einem' Punkte 
der Ertlärung Stellung nehmen. Der Hery Miniſter hat ge- 
ſagt: „Daß ſich jede etwaige Yoroinbarung im Rahmen der 
Reichsverfaſſung und der proußiſchen Verfaſſung zu halten 
hätte, iſt ſelbſtverſtändlich; das mag anch diejenigen be- 
vuljigen, die beſondere Beſoranijſe für das Schulgeviet hegen“. 
IH vermag den Optimismus des DEP PN- Mis 
niſters nicht zu teilen, daß dieſe, doch rein formale 
Erklärung und dieſes Ansſprechen einer Solbſtwerſtändlichfeit 
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or 
 
 
 
 
 
 
 
 

	        

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