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Verantwortlicher Schriftleiter: Le0
96. 28009800

[gem





in "der Arbeitsſchüle. = Rundſchau. =- Wirtſchaftliche
Als Beilage: Blätter für Schulrecht Nr. k.
Jakob
TräueraloXken haben der Deutſchen Cehrerſchaft das-Peſta-
lozzijahr 1927 eingeläutet. Ganz unvorbereitet traf uns alle
die - Botſchaft “des -5» Januar aus Würzburg: Nur wenige
“wüßten um den Berg von Leid umd Bokümmernis, der ſeit
"Jahren auf den: Schultern des ſtillen Mannes laſtete. Abſeits
"wolhnite er, faſt oinſiedleriſch; ' ſchweigend trug er, ein Atlas
„menſchlicher 'Seelengröße, ein herbes Schitſal. „Zwanzig
Männer verbunden ertrügen nicht dieſe Beſchwerde . . .! -Aus
ſeiner Schreibſtube - erklangen durch all die Jahre Hhindurd)
'die hallenden Hammerſchläge ſeines emſigen Schaffens, und
alle Welt wähnte den Sechziger in ungebrochener Kraft.
So erſchien ſein Tod, als hätte ein Blikſtrahl die kerngeſunde
4Eiche gefällt. - Und ein anderes Sinnbild: Sein letzter Gang
var der - Weg zur Drückerei ſeiner Zeitung, ſein leßtes Wort
"eine mit gewohnter Liebe zuſammeitgeſtellte Peſtalozzinummer
ider „Freien Deutſchen Schüle.“
? Ein Lebenzäbend, ein-Erntetag, war ikm. nicht beſchieden.
Wie ein antiker-Held hat er „am ſkäiſchen Tor fallend,“ jein
:Sähiekſal erfüllt.“ Dieſer tragiſche Abſchluß eines Lebens voll
0: Kampf und Strebens, ſo hart es die vielgeprüften Seinigen
u tripfssFonſchmerzlich »er-vonſeinen «Freunden, Geſimnungsgenoſfen
„und! Mitkämpfern empfunden wird =- er wirkt wie eine herbe
Lotte - Vollendung + eines «Cebensganges von einzigartiger Ge-
| “chloſſenheit/ Die "Umwelt, die Beruüfsnot, die “ imiere "Er-
5 "abiffenheit über * die hilfsbedürftige Tage ſeines unfertigen,
Jchwer-ringenden Standes, nicht eigentliche unentrinnbare Na-
duranlage bat dieſen prächtigen, tiefinnerlichen, ſinneuden
*- Menſchen in- die untulwölle Arena des Tageskampfes getrieben.



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- ; Schon in diejer Verkettung ſeiner Lebensfäden wirkt von An-
"S ir Fana an ein Stü Tragik: er hat nie ganz ſein können, was
'S > cigentlich war. Er mußte eine Rüſtung anlegen," er mußte
Jil Rmpfend" durch die Welt“ ſchlagen, er mußte Freund und
"Feind alanben- laſſen, äls ſei ihm Kampfgetöſe und Feld-
Jgoſchrei ein natürliches Bedürfnis. "Und doch war dieſer grund-
"gütige, nach innen gerichtete Nlann alles andere elzer als ein
'geborener Berufsfechter, der den Turnierplaß aufſucht, weil
1. 5 ähn das Blut treibt und der Siegespreis lot. Beyhl war
1:0 "Soldat aus Pflichtgefüll/ nicht ':aus Meigung. Er liebte das
u Recht, nicht den Kampf um das Recht. - Gerade deswegen,
weil or nicht mit lachendem Munde focht, war er ein ſo un-
2 bhojtochlicher, unbeügſamer, hartnäFXiger Streiter. . Im Jahre
- 3 1912, als ſein Büch „Wir fordern unſer Recht“ erſchien, wagte
* der Schreiber dieſer Zeilen folgendes Urteil über ihn in der
=D | „„Eljaß-Cotlringiſchen Schulzeitung“: „Aus . Beyhls Schriften
und den Artikeln ſeiner „Freien Bayeriſchen Schulzeitung“,
'aus denen es wie der ungeſtüme Anſturm eines germaniſchen
"Schſachtkeils und wie der elzerne Hornruf des Helden Roland
'oervorbricht, glaubt man einen feuergehärteten RVeXen und
ämpfesfrolhen Streiter von Beruf in ihm vermuten zu ſollen.
'Siebt“ man aber den ſtillen, wortkargen Grübler, der, jedem
lauten Getue ablyold, mehr nach innen als nach außen lebt,
"erkomit man den weichen Grundzug ſeines Gomütes und
"ſeine, Schon vor allem Unechten, Thyvatraliſchen, Ströhfeuer-

















„-

- 'Schickjals, das dieſen prächtigen Menſchen aus
Fein ſAbſtvorſtändliches Bedürfnis. "Er möchte uns viel lieber
Serausgegeben vom Deufſthen Gehrerverein
Verlag und Geſäftsftelle: Lerlin: € 25, Kurze Straße 3/53
Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3951
Berlin, dei 27. Januar 1927
r ; En 8 YQÜ 3 4 .
Fragen, = Doutſcher Cohrerveroin. == Verſchiedenes. == Anzeigen. ==
"haften, fo wundert man ſich über die. "Fügung oines . harten!
der fruchtbaren
Nuo dos Gelehrtendaſeins ins rauhe Kampfgebraus des Tages |
„Linausſtieß. S9 ficht er nun mannhaft, mehr mit dem Herzen '

10 ſehrerzeiſung
Fernruf:! Alerander 498


ERTE
Nummer 4



-- Sprohchor und Sprechgemeinſchaft und die Gedichtbehandlung
Boyhl.
im Garten der Geſchichte und an den Waſſern
Quellen ſpazieren führen; mun muß er fich mit Schild un
Sqivert wappnen und für ſeines Standes: Notdurft ſtreiten.
So baut er in ehrlichem Zorn grimmig drein mit immer aloich
unbeweglich ornſtem Geſichte.“ :
Aus Boybls" Munde erfolgte die Beſtätigung von der un
gefähren Richtigkeit der Charakterzeichnung; wenngleich, wie
er hinzufügte, es nicht die Regel ſei, daß man ihm jo ſähe.
Man muß aber, um: ihm gerecht zu werden, ſeine Grund-
anlagen und ſein Wirken vergleichend meſſen. Gerade dam
ergibt ſich, was dieſer Mann ſich abgerungen, wolche Opfer
er ſeinem Weſen abgezwungen. hat, welches Maß von Dank
pädagogiſcher
d
barkeit die freiheitliche deutſche Lehrerſchaft ihm ſchuldet. 2Wo
fein Leben Tat war, war es zugleich Verzicht, war es Opfer.
.
Er lenkte ſeine reichen Gaben nicht in den Dienſt ſeine> Natür-
bedürfniſſes, ſondern in den Dienſt ſeines Standes. In dieſem
Sinne, nicht für ſeine kämpferiſchen Gebärden, darf man iln
den ſeltenen und immer leidbringenden Ehbrennamen eines
Helden beilegen.
Jakob Beykl ſtammte aus einem Lehrerhäuſe. Als Lehrer-
ſohn «brachte er das -StüF- Neberlieferung, -das Grundkapital
von “Stande=geiyt init, das andere ſich erſt durch Gewöhnung,
Erfahrung und Schulung erwerben müſſen. Entſcheidend wurde
für ifm die Seßhaftigkeit in Würzburg, - der "Stadt voll »Ex-
innerungen, dem Muſeum geſchichtlicher Denkmäler; ' bier fand
der beſchauliche: und beſinnliche “Teil ſeines Zchs cineIt uner
ſchöpflichen. Anſchauungsunterricht „und geiſtige Menſen zum
förderlichen Umgang. - Die Stadt war nicht aroß genug, mm
ilm in ein Getriebe einzuſpannen, in dem or. ſich verloren und
verbraucht. lätte, " aber rauch nicht ſo klem, daß er jeine
wachſenden Flügel nicht hätte ausbreiten können. „Mit tiefer
Ciebe hing er an. dieſer Stadt Würzburg, in der ſo viel totes
und lebendes Mittelalter mit. andersartiger Gegenwart zu-
ſammenbauſt, lebensfrolhes BaroX neben ſtrengen Bauweiſen
aufleuchtet, und wo all das wunderliche Gewirr dor Gaſſen
und das Turmaewimmel: der Kirchen von. oinom Himmel
Überwölbt iſt, 'der auf die Dauer nicht anders als beiter
-zu ſein. vermag. "Entzog Beyhl ſich aud; ſo „bald "or konnte,
“ſeinem Zug zur Einſamkeit Folgend, dem näheren tem der
Stadt, ſo ſuchte. er.-ſich doch die höchſtgelegene Stelle aus, um
ſeim Haus binzubauen; von wo aus er, an den Wald gelchnt,
bei jedeni. Augenaufſchlag von ſeinem Schreibtiſch. das ganze
zauberhafte :Stadtbild mit Fluß und Trußburg- vor ſich hinge-
breitet ſal. Beſuchte man ihn da oben in ſeinem alle Schö1-
beiten beherrſchenden Hochſik, ſo hätte man glauben jollon:
„Bier wohknt- ein GlüFlicher!“ '
- Aber zum glüFXlichen Genießer iſt er keinen Tag ſeinos
Cebens - geworden. Seine. Natur war nicht dahin. gerichtet,
die Gaben und Anlagen im Dienſt des perſönlichen Fortkommens
auszüwerten. :'Es trieb ihn zur „Arbeit :am „Ganzen, an foinem
Stande, am Volke. Naumanns national-foziale, Gedankengänge
„batteir zim. beeinflußt, - im--Kreije „der „Hilfeſveunde „hatte .er
Anſchluß . gefunden, erſte ſchriftſtelleriſch2 -Derſuche gediehen
iſßm zu freundlicher “Ernimnterung. Durch „und durcb, YVolt=-
lohrer, könnte er nicht anders, .als das ſuchende Bemühen um
Heilung..der . Schäden ſeiner Zeit auf! ſein „eigenes. Gebiet zu
übertragen. : Auſſtieg . und. Freilzeit .der -Nlenge ; ſchienen ihm
3

als mit dem Kopf, denn dieſes Tun' iſt ihm kein Handwerk, !
unzertrennlich vorbedinät zu , ſein" durch "geſteigerte Bildung;
| & "näherte" ſich dadurch ganz wie von ſelbſt der Kritik der

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