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Allgemeine Deutſche Lehverzeitüng.
Peſtalozzi und = 'der Reichselternbund.
Es iſt das SchiXſal aller großen Nänner, daß gelegentlich
eines allgemeinen Rü kblicks auf. ihre Perſon und ihre Arbeit
jede politiſche Partei und jede- religiöſe Richtung aus den
Blüten ihres Leben5werkes möglichſt viel Honig herauszuholen
ſucht. Das iſt nicht immer leicht und bedarf veht oft künſtlicher
Nachhilfe; aber man verſucht es eben, weil. es verſucht werden
muß: Das mußten. ſich nicht mur Lutlyver, Schiller,
Goethe, Kant und Fichte gefallen läſſen, das iſt auch
Peſtalozzi . fo gegangen, als ſein 100. Geburtstag gefeiert
wurde, und jetzt bei der Feier jeines 100. Todestages wird' es
nicht anders werden. Einen VorgeſchmaX davon gibt uns
bereits der Reichselternbund, der Peſtalozzi in den
MMitterpunkt der. vom 30. Januar bis 6. Februar ſtattfinden-
den Reichserzielhhungswoche ſtellen will. +Es Heißt
in einer Zeitungsnötiz: „Der ZweX der. Reichserziehungswoche
iſt eine Vertiefung des Familiengedankens. Sie ſoll im Sinne
Deoſtäalozzis Verſtändnis weXen für die 'Gegen-
Wartsaufgäaben der Schule und:im Geiſte des
größen Dädagogen die Verantwortlichkeit für
Dolfund Stäatlebendig machen.“ Das hört ſich ſehr
ſchön an, nur darf man nicht drehen und deuteln, ſondern muß
Peſtalozzi als den Mann hinſtellen, der er wirklich war und
nicht. einen "andert aus ihm machen. wollen. Das geſchielt
3. B., wenn man, 'wie' es in Ur, 12 der „Schulfrage“. von
1926 verſucht wird, Poſtalozzi als Kronzeugen für die in
unſerer Zeit von den vechtsſtehenden Elternbünden erhobenen
Forderungen . einer weitgehenden Beeinfluſſung der - Schul-
geſetzgebung durch die Eltern hinzuſtellen. Nan darf nicht ein
Wort aus. dem Zuſanmenbainge beransnehmen und daraus




"Schlüſſe ziehen, die mit der ganzen Arbeit und der Gedanken-
welt des Mannes in Widerſpruch ſtelzen.
Es berührt doch
eigentümlich, daß ſich der ganze Sculkainpf in den Jahr-
zehnten nach Peſtalozzis Tode faſt ausſchließlich um die Perſon
dieſes Mannes gedreht hat. Das trat beſonders in die 'Er-
ſcheinung bei der Feier ſeines 109. Geburtstages im Jahre
1846, die im weſentlichen von Dieſterweg und jeinen
Anhängern betrieben wurde und einn ganzes Jahr hin-
durch, von 1845--1846, dauerte. „Um 12. Januar 1845“, ſ9
ſchrieb er damals, „feiern wir ſeinen 100. Geburtstag; der
nächſtfolgende 12. Januar iſt dann der pädagogiſche Feier-
tag, an welchem ſeit des großen Pädagogen Geburt ein Säfku-
lum herum iſt. Die moſaiſchen Juden pflegten. in menſch-
licher Abſicht alle 50 Jahre das große Halljahr zu feiern.
Peſtalozzi verdient ein ganzes Jahr gefeiert zu
werden; für den wahren Lehrer iſt das nicht genug, er feiert
ilm täglich, wirkt in Peſtalozzis Geiſt. So ſei denn das
ganze kommende Jahr einpädagogiſches Hall-
Jahr.“ = Und nun bat Dieſterweg das ganze Jahr khindurch
ift- Peſtalozzis Geiſt, „den Geiſt der
walwen Pädagogik“, dem Volke und der Lehrerſchaft lebendig
zu machen. verſucht, und ſich beſonders dabei gegen diejenigen
wenden müſſen, die Peſtalozzis Geiſt nicht verſtanden oder
nicht verſtelzen wollten. Er. leitete ſeine Arbeit ein mit der
Weinen Schrift: „Beinrich Peſtalozzi. Ein Wort über
ilm und ſeine unſterblichen Verdienſte für die Kinder und




„deren Eltern zu dem erſten Säkularfeſte ſeiner Geburt, auf
deren. Titel er ſich ſelbſt „einer ſeiner dankbaren Verehrer“
nomit. - Drei Fragen beantwortet er it dieſer Abhandlung:
1. Wie waren die Schulen vor Peſtalozzi beſchaffen? 2. Wie
ſind ſie durch ihm und nach ihm geworden, d. H. wie ſind ſie
ießt? 5. Wie lebte umd wirkte Peſtalozzi? Ein paar Säte
daraus. Nachdem er von dem mechaniſchen Leſeunterricht jener
Zeit geſprochen hat, fährt er fort: „Womöglich noch un-
natürlicher und mechaniſcher wurde das Nuswendiglernen
betrieben. Die Kinder loierten Sprüche, Geſangbuchlieder und
den Inhalt: des Katechiomus von Anfang bis zu Ende, die
kurzen-FSragen und die langen Antworten, in eintöniger Weiſe
Ier. Wer dieſes jemals mit eigenen Ohren gehört hat, wird
ſein Leben lang daran denken. . +. Wemn man -ſjagt, daß die
Rinder von dem Inhalt deſſen, was ſie dem Wortklange nach
ud Taum nach dieſem auswendig lernten, gar nichts begriffen,
daß-darauf .in;der Zegel- gar nicht. 'geſelyen wurde, ſo ſagt man
die Wahrheit. Sie lernten auswendig und beſaßen das Gelerite
auswendig. In den inneren Menſchen drang es nicht,
wenigſtens nicht während der Schuljahre.“ Und dieſen Re-
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ligions unterricht hat nun Peſtalozzi beſeitigt. Er. bejaß
ein ſehr tiefes Gemüt, das durch die lebendige innere 'RVe-
ligiofität in dem Hauſe ſeines Großvaters, eines Landpredigers,
angeregt und befruchtet wurde. Bekanntlich ſollte. er. auch
Prediger werden, er entſchied ſich aber für das Rechtsſtudium,
und ſchließlich wurde .er Lehrer. .Als Unterſchulmeiſter in
Burgdorf. ==. ohne Beſoldung! „= begann .er bereits mit
ſeiner Cehrweiſe, die aber den Bauern nicht gefiel, weil
erdenHeidelbergerKatehismusnichtauswen-
diglernenli eg, und weil ihnen die. Anleitung zum Denken
und Sprechen überflüſſig erſchien. = 'In ſeinem 1801 ge-
gründeten Erziehungsinſtitut in Burgdorf ſetzte er ſeine Lehr-
weiſe fort und verbeſſerte ſie "mit ſeinen Freunden. - Gewiß
hat er immer wieder auf die Wichtigkeit des "Elternhauſes und
der Samilie als Erziehungsſtätte hingewiefen, aber er hat aud
hervorgehoben, daß die Eltern wirklich erziehen, ſich wirk-
lich ernſtlich mit ihrem Kinde beſchäftigen müſſen. - Peſta-
lozzi hat,“ ſagt Dieſterweg, „wenn er Vater und Mutter, die
Wohnſtube, das elterliche Haus und die damit verknüpften
Verbältniſſe und Einflüſſe als die erſten, höchſten und wich-
tigſten Erziehungsmittel anſieht und darſtellt, Eltern im Auge,
die in ſich ſelbſt als wahr fühlen das- hole Wort: Könnte
ich die ganze Welt gewinnen, litte aber Schaden an meinem
Kinde, was würde ich mit allem dem zum Gegenwerte für .
dasſelbe beſiken>“ Darum hat er ſeine Schriften vorzugsweiſe
an die Mütter gerichtet, damit ſie nach ſeinen 'Erziehungs-
grundſäßen "handeln; darum Hat er aber auch vor aller
Oeffentlichkeit: die Grundſätze klargelegt, nach denen er den
Unterricht in der Schule erteilt wiſſen wollte. "Und da -
intoreſſiert bier beſonders' der Religionsuntervicht.
In „Lienhard und Gertrud“ ſagt er im 69. Rapitel des
dritten Teil unter der Ueberſchrift „Gottes Wort iſt
Wahrheit“ über den neuen Religionzunterricht u. a.:
„Der Erfolg, mit welchem er .(der Lehrer) arbeitete,
überzeugte den Dfarrer von Bonnal ſchnell von der Wichtigkeit.
dieſes Unterſchieds 'und machte auch ihn einſehen, daß aller
wörtliche Unterricht, inſofern er wahre menſchliche Weisheit
und das oberſte Ziel dieſer Weisheit, wahre menſchliche Re-
ligion, erzweXen foll, den feſten Uebungen zu guten häuslichen
Fertigkeiten ohne andres untergeordnet ' ſein und nachgehen
müſſe, . und Maulreligion, an welches ſie alles
Güte was ſie ſind und werden ſollen, wie au-
gebunden haben, aus dem.Sinn fallen laſſen
dürfe, =- nämlich erſt dann, wenn durch feſte Uebungen

in guten LCebensfertigkeiten in ihnen ein beſſeres Fundament
zu guten und edlen Meigungen, das iſt zur wahren Weisheit
und zur wahren- Religion gelegt worden.“ ;
Peſtalozzi will alſo die Bildung zur Sittlichkeit dem wört-
lichen Unterricht in der Religion vorangelyen laſſen, und er
will, wie wir+ das aus „andern“ Stellen »erkennen, hier. alle
„Kinder gemeinſam unterrichten, ganz gleich, welcher Konfeſſion
ſie angehören. j ;
Weiterhin Heißt es in dem Kapitel: „Er ließ von nun an
ſeine. Kinder gar keine Meinungen mehr auswen-
dig lernen, mit Namen nicht die Zankapfelfragen,
die ſeit 200 Jahren das gute Volk der Chriſten
in viele Teile geteilt und gewiß dem. Landvolk den
Weg- zum ewigen Leben nicht erleichtert, und beſonders die
elr- und notfeſte Frage, die noch vor zwei Jahren in ſeiner
Gemeinde einen Totſchlag veranlaſſet, - verklebte er in allen
Cobrbüchern ſeinen Kindern mit. Pappe, : und er achtete es
gar nicht, daß unten und oben in dieſem verklebten Blatt noch
allerhand Sachen ſtanden,“die ganz gut waren. Denn er war
„jeßt alle Stund mehr überzeugt, daß der Nirenſch wenig oder
nichts verliere,“ wenn er Worte verliere.
Aber. äudem.ex «mit .Gott, wie Luther ſeinem -Volk,»durh-
ſtrich den abenteuerlichen 7'Worikram-: ſeiner Maulreligion,
tiſchte ex ihm nicht anſtatt des alten einen neuen, ſtatt des
feurigen einen wäſſerigen, anſtatt des "fremden mit Gunſt Jeinen
.eigenen auf; ſondern vereinigte ſeine Bemühungen mit.dem Leut-
nant.und der Nlargret, ſeine Rinder ohne viele Worte zu einem
ſtillen; arbeitsſamen “Berufsleben zu führen: und durch “feſte
„Angewöhnung an eine weiſe Lebensordnung den Quellen un-
edler, ſchandbarer. und unordentlicher -Sitten vorzubiegen, und
auf dieſe Weiſe den Grund der ſtillen, wort-




























































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