„worte anknüpfte, ſind aus berufenem Munde noch weitere Ur-
- teike“ "Über: 'Sinn und. Bedeutung" eines Schulgeſetzes, Über
Iigemeine Deutſche Sehrerzeifung
BSerausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein
Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W35, Potsdamer Straße 13, Haus 2. FSernruf: Kurfürſt 8130/815x


Verantwortlicher Schriftleiter: Geo Raeppel, Berlin-Lichkerfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3931
57. Jahrgang Berlin, den


9. Februar 1928
Nummer 5


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Inhalt: Was mun? = Das Reichsſchulgeſe; im Bildungsaus ſchuß. = Eine Einheitsſchule. == Gegenwartsfragen der deutſchen
Schule. = Der gegenwärtige Stand der Cohrerbeſoldung in den einzelnen deutſchen Ländern. = Vundſchau. = Wirtſchaftliche
Fragen. = Deutſcher Lehrerverein. = Verſchiedenes, == Anzeigen.

Was
8 Ein in der Schulgeſchichte nicht ganz unbekannter Miniſter-
kollege des Herrn von Keudell hat auf der Schwelle unſeres
Jahrhunderts einige prophetiſche Worte über ein im Laufe der
nächſten hundert Jahre kommendes Volksſchulge ſe 3-ge-
ſprochen. Es iſt nicht ohne Reiz und Wert, heute im Getümmel
des Schulkampfes einen Uugenbli> dieſer Stimme zu lauſchen,
und es melden ſich dabei Vergleiche und Urteile recht ſelt-
Jammer Art." Auch dieſer Miniſter» = es iſt der preußiſche
Staatsminiſter D. Dr. Robert B-.0 [ſe wollte für ſein Land
ein Dolksſchulgeſetz; aber er wußte, daß es in der Schule noh
auf otwas anderes ankommt als auf Geſeke: „Alle gedeihliche
und fruchtbare Arbeit hat zur Yorausſekzung, " daß“ ſie WOL
SPEUbTDgkent und mit der HFFWÜNH 0:8 OLY
lingens-getan werde. Das gilt in beſonderem Maße. von
äller grundlegenden und oraaniſierenden Arbeit, namentlich aber
von der Arbeit auf dem Gebiete der Schule.“ "Es bedarf dazu
„der vollen Freiheit der ernſten geiſtigen Urbeit“. Und Mini-
ſter Boſſe wußte auch, daß ein Schulgeſetz für ſich allein den
S kann: "Was war der Schulfriede inmitten aller Kämpfe ver-
Zangener. Jahrzehnte? „Nichts anderes als die gut organiſierte,
gepflegte und geleitete, den Bedürfniſſen des Dolks und der
Seit entſprechende Schule ſelbſt.“ . :
In der Auseinänderſetzung, die ſich an dieſe Niniſter-

Lehrerſchaft ünd Schulgeſetz, über Schulfortſchritt und Schul-
geſeiz gefällt worden. Nur eine Aeußerung des bekannten Ge-
heimrat Dr. Schneider ſei aus dem Reigen genannt, weil
jie wie auf unſere-Zeit gemünzt erſeheint: „Ein -Schulgefeß
Fänn ſehr leicht ein Danaergeſchenk'“für: die Schule-und-dädurh
Für unſer. ganzes Volk werden.“ Wodurch? „Dürch die Auf-
nahme recht vieler Einzelbeſtimmungen in das Geſetz.“ Daäaß'es
„die Zerſplitterung unſerer Aufgaben, den Mangel an Ein-
Heit, Faſt kann =man-ſagen:- die Zerriſſenheit unſeres «ganzen!
Unterrichtsweſens“ verewigt. Und Schneider erinnert die Ge-
ſetzgeber an die Worte aus dem Fauſt:
"5 iſt ein Geſetz der Teufel und Geſpenſter:
Wo ſie herein geſchlüpft, da müſſen ſie hinaus.
Das erſte ſteht uns frei, beim zweiten ſind wir Knechte.
Das Wort ' „Schulgeſetz“ wedt mancherlei Erinnerungen.
Eins ſei nur noch hinzugefügt: Miniſter Boſſe hat im Jahre
1900 dieſe ſeine ſchulpolitiſchen Gedanken ausgeſprochen in =-
dem Organ des Deutſchen Lelſrerverein5-. +.
. V -
*
Zun ift die erſte Ceſunnagoes Reichsſhul-
Feſetzentwurfes im -Bildunsgsausſhuß" des
Noeithstages beende t. Der Weg war lang, die Straße
dornia, das Wetter ſtürmiſch. Ein ſeltſames Arbei-
ten an dem Entwurf; eine ſeltſame Arbeit dieſer -be-
„xätene und. umgewandelte Entwurf. Wir ſtellen ſchlicht: zu-
Fammen: '„Ausgehend von den Richtli1
bildung“, ſo hieß die Ouvertüre. Daß die Regierungsparteien
ſelbſt über dieſe „Richtlinien zur Regierungsbildung“ herzlich
uneins waren, hatte das Vodeoduell "Scholz von Gucrard. gezeigt,
ium dem.ſich der Yolksparteiler zur Sqhulhoheit des Staates be-
, kannte und der Zentrumsführer mit hörbarem Ruck von. dieſer
en zur Regierungs* ;
nun?
parteien an der Ausarbeitung der Vorlage laufen noch heute
die ſeltſamſten Gerüchte um: Deutſchnationale und Zentrum
hätten den Entwurf gemacht, der Volkspartei die einzelnen
Teile gezeigt und ihre Meinung zur Renntnis genommen,
hätten ſich aber über volksparteiliche Einwendungen und Gegen-
vorſchläge mit erhabener Sicherheit hinweggeſetzt. Kommt
Zeit, kommt Rat, war ihr Wahlſpruch. Bei der erſten Leſung
im Plenum prallten die Urteile der Koalitionsparteien hart
aufeinander: ., Im Intereſſe eines wahren, inneren Sdculfrie-
dens begrüßen . wir den Keudellſchen Reichsſchulgeſetzent-
wurf“ . . + z-Innerhalb der Grenzen unſerer Grundſäße wer-
den wir zu jeder Mitarbeit bereit ſein, die das Ziel hat, in
unſerem Dolke den Schulfrieden herbeizuführen." „Wir müſſen
uns mit einem, gewiſſen kulturellen Eriſtenzminimum zuſam-
menfinden . ..“" „Wir ſind bereit zur Mitarbeit und zur Wei-
terarbeit unter der Vorausfezung, daß man hüben und drüben
etwas mehr Verſtändnis für die Sonderlage einzelner politiſcher
und weltanſchaulicher Einſtellungen HAUS HIIUS: Reichsſchul-
geſetz kann werden zu einem Ceichenſtein der deutſchen Kultur,
vas Reichsſchulgeſetz kann werden zu einem Motor für das '
deutſche Kulturleben.“ Das waren die Urteile der Deutſch-
nationalen, des Zentrums,“ der Volkspärtei vom 16.20: 'Ok-
tober über die Vorlage: ein geordneter Schulbetrieb war alſo
die Köalition nicht. Aber wieder hieß es: Kommt Zeit, kommt
Rat =- im Ausſchuß. : GREEN
"Im Uusſ- Abänderungen, Abſtimmungen und Ablehnungen, " Formulie-.
rungen und Umſchreibungen. Und immer wieder rollt das Rad
von. vorn: Seltſamkeiten. und , Selſamkeiten? wir ſcheiden die
umſtrittenen Paraaraphen vorerſt einmal aus; wir. erledigen
die "einfacheren Beſtimmungen. "Wir ſtimmen unter Pörbehalt
zuz. wir behalten uns Abänderungsanträge für die zweite Aus-
ſchußleſung vor.“ Wir laſſen uns hier "ruhig einmal überſtim-
men und kommen ſpäter auf unſeren Antrag zurüe>; wir er-
heben Einſpruch "gegen dieſe Form. und dieſen Wortlaut. Wir
nehmen. dieſen Antrag zurück und ziehen hier unſere Unter-
ſchrift zurü&. Nur weiter, nur weiter. Der interfraktionelle
Ausſchuß-arbeitet mit Hochdrud. Steine des Unſtoßes wegzu-
räumen, das kulturpolitiſche Eriſtenzminimum zweier Par-
teien auch der dritten genehm zu maden, gemeinſame Anträge
vorzubereiten. Freilich, kein Bild des erwachenden Fauſt: des
Cebens Pulſe ſchlagen nicht friſch lebendig; wenn auch Dent
trum und Deutſchnationale die Welt ſchon im Dämmerſchein
erſchloſſen ſehen und Erfüllungspforten flügeloffen Zu finden
hoffen. Der Wagen holpert und ſtolpert nur mühſam ſeine
Straße. Kurz vor dem Ziele gibts neue Schwierigkeiten, nach-
dem doch alle volksparteilichen Atta&>en gegen die gefährdete
Veberwachung des Religionsunterichts ſiegreich abgeſchlagen
ſind: Roſtenſrage 1 Simultanſchule! der Herr Miniſter
ſtellt den Ländern und Gemeinden höchſtens 59 Millionen zur
Verfügung, als, Beihilfe für die einmaligen Koſten, zur Um-
ſtellung; die CTänder und Gemeinden. zahlen das Vebrige. Mie-
mand weiß die tatſächlichen! Roſtenz Gemeinden 'und Länder
wehren ſich gegen die neue Belaſtung: nur weiter, vielleicht
kommt doch noh Rat.- Die Oppoſition erhebt Vorwürfe da-
gegen, daß bei der Ausarbeitung des Geſeßes Gemeinden und
Sander. nicht nach. den Koſten, gefragt worden ſind; ſie weiſt

Niaiſchauung abrückte, Neber die Anteilnahme der Regierungs-
darauf hin, daß 15 gänder == ohne Preußen, Sachſen, Würt«



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