Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 57.1928, [1. Halbjahr] (57.1928, [1. Halbjahr])

 
 
 
 
Verlag und Geſchäftsſtelle: 
 
(gemeine Deutſche Sehrerzeifung 
Herausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein 
Verlin W35, Potksdamer. Straße 13, Haus 2. 
EINE SEE Leo Raeppel, Berlin-Licl EEE Li IL IEIG 80; FSernruf: Lichterfelde 5951 
„“ 
FSernruf: Kurfürſt 8130/8131 
 
 
Berlin, 
 
 
 
087. 57. Jahrgang 
den IE Februar 1928 
 
unwnwnm enen, 
Nummer 8 
 
 
/ Hhäretiſche Säße ausgeſprodyen habe und zum Widerruf nicht 
„boreit ſei, ſo werde er der weltlichen Gewalt überantwortet. 
"Als Bruno dieſe Sentenz vernommen hatte, richtete er ſich ſtolz 
auf und ſprach zu ſeinen GEIE drohend. die“ Worte? „WSHl 
„mit größerer Furcht fällt ihr das Urteil gegen mich, als ich es 
„vornehme.“ Dieſe Worte hallen unvergänglich durch die Jahr- 
„hünderte. Heute erhebt ſich an der Stelle, wo Giordano Brund 
einſt den Flammentod erlitt, auf dem Campo di Fiore ſein ee 
mal. 
Der Reichsſchulgejezentwurf" iſt BUHRE, Geſcheitert in 
“dem urſprünglichen :und anjchauli ichen. Sine «des Wortes "an 
zanderer. Stelld unſerer 5 zitung wird der" loizte Weg, des Ent- 
/wuürfes gezeichnet, werden die SUSEINPTe um ſoin Schickjal 
MME beleat und im einzelnen dargelegt. Wir gehen 
bei unſever RERUEIN zlich en, Betra htung hier von 
der Tatſache, d jn ſchlichten und doch ſo bedeutungsvollen Tat- 
ſäche aus: e + 62: Ne 1 <h SUM RERE ENEN IDEN iſt 
„a i4t'G & in ABWOBDBEN, In. dieſer Stunde erleben wir 
das Schauſpiel, 
Jich' gegenſeitig die SHuld anm dem Nichtzuſtandekommen der 
„Reudellſchen Vorlage und an. dein. SEAR der Re- 
„gierungsFoalition zuſchieben ; man - ſücht den Schuldigen und 
keiner will es geweſen ſein. -Die Sentrumsfkundgebung 
erhebt den' Dorwurf: „Die Deutſche „Volkspartei -hat. ihre 
„hei der Negierungsbildung eingegangenen Verpflichtungen nicht 
gelfalten." «Die Ddltspartei ertlävt;.--daß 
„Beginn“an in der -Schulfrage. die erforderliche Freiheit vor- 
beljalten und dies wie Ee zum Ausdruck gebracht habe, 
* daß die Kündigung der Koalition durch die andern Regierungs- 
parteien erfolgt ſei: -Die u utſch nationale it. "ver- 
„Fünden, dah ja euſt nach der Erklärung des LUHETEER, das 
S Scheitern der Schulvorlage führe zur Auflöſung d 1 
dieſer Auffaſſung beigetreten ſeien. Das . alles DG ZEN 
der mit der Schulfrage jekt durch Zuſammenbruch der Koalitioi 
„und. wegen der kommenden Wahlen ve rbundenen politiſchen 
„Dinge willeait. Wir wollen ' verſuchen, den 'Sinn dieſe 
Lbänger als ſieben Mönate dauernden Ringens 
DA die Geoſtaltimag> deu 0.0 UT en vVolksſ<hule 
ET au 5 zu ur breit EITUN DOU DE 8,0 110.e fe CIE. LI» 
Fien zu erkennen. Wir ſchauen. in dieſet Tagen der 
Entſcheidung noch einmal zurück: Um DU Dinge aging 
DER HÄn dieſem Sqhulfampf? Und wir lenken dann den. Bli> 
„füchend und prüfend nach vorn: Was ſoll in Zukunft geſchehen ? 
. Es müſſen dieſe SEHN unjorer Zeit in einer weiten Ent- 
wicklung geſchaut werden; es genügt nicht, oeinfach mir Reichs- 
verfaſſung und Goſekzentwurf nebeneinander zu ſtellen, nur 
die Zeitſpanne von 1919 bis 1928 zu DELE igen. Das 
„öft zitierte Wort von der Schlüſjelſtellung dor Deutſc ben Volks- 
1 /TPartoi iſt ganz zweifellos richtig, insbeſondere wenn wir auf 
Nis" Auseinandorſetzungen um die letzte Schulvorlage :jehen. 
Aber ſehanen wir von dom richtigen Blickpunkt auf das ſchul- 
„Politiſche Bild, ſo ſteht die Jentrumsp'aptei.tu dem 
I itfelp, unkt. Sie hat, ſolange ſie beſteht, gegen die Schals 
EIE preußiſchen Staates gekämpft. Angriffen gegenüber 
oſe, betreffend die Beaufſichtigung. des Unterrichts- 
 
 
 
 
 
 
1 
daß die" Parteien und „Gruppen und Bünde , 
ſie „Jich.» von 
DEE ; 
ETO 
auf welcher die Entwicklung und nicht 
 
SN halt: Geſchoitert. »-= Der lekte Akt: = Der. Ausbau der Volksſchule: = Brief aus Luxemburg. ==, Nundſhan, = Wirtſäl (Ue: 
Frägen. = Deutſcher Cehrerverein. == Verſchiedenes. = ' Anzeigen. = «Als Beilage: Bücherſchau NUr.[. ; 
, »„ , 
; Geojcheitert. 
Z 
M: Im Jahre 1690 wurde über Giordano Bruno, Fön erſten | und Exziehungsweſens vom Jahre 1872 gab Nümijier von 
w- Philoſophen modernen Geiſtes und-den- DENDEN dor natur- | Puttfammer das folgende Urteil über die Eigenart der preu- 
3 -wiſſenſchaftlichen Weltanſchauung, das Urteil gefällt: da "er | "ſiſchen "Sch ulpolitik ab: „Das Geſetz vom 11. März- 1872, 
'welches in ſeinem 8 1 ausſpricht: 
daß die Aufſicht über alle öffentlichen und Tt 18 
und Erziehungsanſtalten dem Staate. zuſteht, und daß dem- 
gemäß alle mit dieſer Aufſicht betrauten Behörden und Be- 
amten im Auftrage des Staates handeln, I 
at neues Recht nicht" geſchaffen, ſondern weſentlich 1 nur 
Saßung von neuem AusdruF IJegeben, 
minder 
die "Erfolge unſeres gejamten Unterrichts- 
weſens ſeit länger als einem Jahrhundert be- 
rüben.“ Dieſes Urteil des hier ficher nicht zu beanſtanden- 
den Miniſters von Puttkamer iſt durchaus richtig: das beweiſt 
die Linie, die vom General-Candſchul-Reglement über das 
Allgemeine Landrecht und viele andere Geſetze hinweg zum 
Scdülauffichtsgeſeß führt. Gegen dieſe troß aller Schwankungen 
im einzelnen doch arundſäßlich einheitliche Schulpolitik ging 
"und geht der Kampf des Zentrums; wir nennen nur Droſte- 
"Viſchering, Ketteler, Windthorſt und die ſchulpolitiſchen Nus<eiz- 
'„anderſeßungen bis zum Umſchwung 1918. Und dabei legte der 
„Staat ein «Stüc> nach dem . andern" ſeiner : ſtaatspolitiſchen 
„Rüſtung ab; bei jedem nouen Angriff des Klerikalizmus wich 
er ein Stück zurück. Das Zentrum hat .in jenen vornovember- 
lichen Jahren ſchon das Jnſtrument der gemiſchten -Mehr- 
beiten, der wechſelnden Majoritäten meiſterhaft ſpielen golernt, 
und immer“ mußten ſich ihm andere Parteien einfügen und 
unterordnen. Es iſt. das Seltſame 1 fig Geſchichte, daß 
dieſer Kampf. des Klevikaliemus um die Schule, wm Freiheit 
und Selbſtändigkeit der Kirche und gegen die Geiſtesfreil weit =- 
ein Kampf, groß angelegt, zan 2 mt Sicht' auf weite Zu- 
kunft geführt -- ſ<hmeller zu Erfolgen in unſerm Vaterlande 
geführt hat als. in. andern, katholiſchen Ländern Wir ſehen 
ein hartes . Ringen. des altpreußiſchen - Staatsgedankens mit 
jener mo I rnen Form des katholiſchen Staatsgedankeis, Na- 
tionalgeiſt mit Konfeſſidns8geiſt, ein Ringen zugleich von Frei- 
heit und Schuß, von Fortſchtittsglauben m kultureller Aenaſt- 
lichkeit, von Wagemut und: Willen zur Bindung. 
Und SI Seitſpaine 1918 bis 1928 iſt nur ein. kleiner 
Ausſchnitt aus dem aroßen Raum. Jm allgemeinen Uimſjch WwUung 
und Umſturz gelan es dem. Zentrum, ſeine Schlüſſelſteilung in 
der Frontlinie der deutſchen Parteien zu bewahren, eine An- 
zahl ſeiner kirchlichen und kulturpolitiſchen Forderungen an- 
deutend nur, aber bei kluger Politik ausbaufähig in die Der- 
faſſung hineuizuſchreiben und" die Grundgedanken der Demo- 
kratie für ſeine Ziele nußbar zu. machen. In Waffenbrüder- 
ſchaft mit der politiſchen Linken wurde das Schulprogramm 
der Verfaſſung erarbeitet und aufgeſtellt. Die folgenden Jahre 
ſind erfüllt von den. Bemühungen des Ze trums, dieſes. Pro- 
gramm durchzuſeßen, aber nicht d durchzuſeßzen in der' Form und 
der “Richtung des einſt geſchloſſenen Kompromiſſes, micht im 
Geiſt und Sinn der DAAUURGEEE RENT [Men in ſtrengſter 
Konſequenz der eigenen: Meinung ohne NUE auf den 
Partner, in oinſeitiaſter Ausführung andeutond ax x Boſtimmungen, 
in offener Abkehr von den Erklärungen von 1919. Und -es äſt 
ZER che Tragödie, daß. bei dieſer»Arbeit des Durchſekens. 
des klerikalen Schulprogrammes andere Parteien 
 
 
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