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NL; Wu Ullgemoine. Deutſche Lehrerzeitung. - 9233
„übergroße Liebe“ an ſich zu ziehen! “Ich konnte allerdings Dieſe Haltung des Bayeriſchen Bauernbundes ſcheint zu einer
6 ſi Regierungskriſe zu führen; denn der Nüniſterpräſident Held
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feſtſtellen, daß ſie gerade das Gegenteil damit erreichten.
Wenn man nun in ſolcher Situation die Konſequenzen zieht,
ſo müſſe man dieſe Stelle aufgeben. = Glücklicherweiſe ſieht
es nicht in allen Häuſern ſo aus. Aber gerade dieſe muß man
meiden! Denn das kann ſich doch ſchon jeder Kollege an
fünf Fingern abzählen, daß 3. VB. bei einem kleinen Bauern,
Gutsförſter uſw. im allgemeinen nicht der vechte Wirkungs-
ort für ihn ſein kann. Und do) ſtehen dieſe Fälle durchaus
nicht vereinzelt da. Wann hätten ſich wohl früher Vertreter
dieſer Kreiſe einen Hauslehrer gehalten? Jett aber wird
die Vot der Junglehrer ausgennßt; ſtellen ſie doch billiges
Lehrperſonal dar. Und damit komme ichy zu einer andern
Tatſache, die mir eigentlich in dieſem Zuſammenhang am
wichtigſten erſcheint: Das iſt die Gehaltsfrage. Welches Gehalt
wird denn in den oben erwähnten Kreiſen dem Hauslehrer
gezahlt? Selten bekommt er im Monat 40 -50 Mark, in den
meiſten Fällen weniger! Ja, bei einem Gutsförſter bekam
ein Kollege 20 Mark. Ein ſtaatlicher Förſter zahlt ſeinem
Hauslehrer z. B: 35 Mark. Knecht und Dienſtmädchen bekamen
bei dieſen Förſtern monatlich 40 Nark. Die Folge einer ſo
kärglichen Bezahlung iſt, daß“ ſich der junge Cohrer nicht
ſo kleiden kann, wie es ſich gehört. Auch kann er ſich mit
völlig leerer Taſche nicht vecht aus dem Hauſe wagen. So
wird er zum menſchenſcheuen Einſiedler, der mit der Zeit
„verbauert“. Junglekrer ſollten deshalb für eine fo lächerliche
Summe ein ſo verantwortungsvolles und ſchweres Amt nicht
übernehmen! Wenn man nänilich der Sache einmal auf den
Grund gebt, ſo liegt die Schuld in den meiſten Fällen nicht
beim Arbeitgeber, ſondern bei den Arbeitnehmern, die ſich
in ihren Bewerbungen leider häufig zu unterbieten ſuchen.
Dabei laſſen ſich leider noch viele Junglehrer von der ganz
irrigen Meinung leiten, der billigſte bekomme die Stelle. Das
dürfte aber in der Regel nicht zutreffen. In einem gräflichen
Bauſe befam ein Junglehrer die Stelle, der 109 Mark ge-
fordert hatte; nun muß der Kollege zu ſeinem größten Leid-
weſen vom Grafen hören, daß ſich von rund 50 Bewerbern
etwa 10 für 30 bis 40 Mark angeboten hatten! Darum
möchte ich mich jekt an alle in Frage kommenden Juanglehrer
wenden, mit dem dringenden Nppell: Zeigt Standesgeiſt und
bietet euch nicht umſonſt an!
Und nun bin ich bei einem neuen Punkt angelangt: Der
Volksſchullelrer kommt auf dieſe Weiſe mit ſozialen Schichten
in ganz enge Berührung, die ihm ſonſt völlig fremd gegenüber-
ſtanden. Auch das iſt nicht unwichtig; denn hier iſt dem Jung-
le rer ein Mit'el geboten, ſen? geſel'ſhaftliche Bildung zu
erweitern. Darum entſprechen anſtänvig entlolnte Hauslehrer-
poſten auch mehr dem eigenen Beruf, als etwa die Schreiber-
ſtellen an den Gerichten, Finanzämtern, Banken, und werden
darum auch meiſtens eher befriedigen. Nicht zu vergeſſen ſeien
daim noch die Ferien und die freien Stunden, die Zeit und
Gelegenheit zur eigenen Fortbildung bieten.
Zum Schluß möchte ich dann noch kurz bemerken, daß
ſich meiner Beobachtung nach allerdings nicht jeder junge
Kollege für eine Hanslehrerſtelle eignet: Vorausſezung iſt
nämlich ein glänzendes UAnpaſſungsvermögen! Bevorzugt wer
den in den meiſten Fällen Junglelhrer, die ſchon in Familien
ähnlicher Art als Hauslehrer tätig waren. Dieſe: Tatſache
wiegt ganz offenſichtlich viel ſchwerer als 3., B. ein gutes
Abgangszeugnis. ; De
Bayern.
NYoch immer liegt der bayeriſche Regierungsontwurf der
neuen Beſoldungsordnung für die Beamten nicht vor, troß-
dem der Referentenentwurf mit den Vertretern der bayeriſchen
Beamtenſchaft bereits im Januar beſprochen wurde. Es wird
bekannt, daß die bayeriſche Regierung beabſichtigte, ihren Ent-
wurf einer neuen Beſoldungsordnung vor der endgültigen
Derabſchiedung im Uliniſterrat den Koalitionsparteien, (Baye-
riſche Volkspartei, Deutſchnationale Partei und Bayeriſcher
Bauernbund zu unkorbreiten, um die Mel;rheit für den Entwurf
zu ſichern. Dieſer Verſuch iſt- geſcheitert.. Der Bauernbund,
der ſeit einiger Zeit ſich ganz beamtengegneriſch benimmt, =-
unter ſoiner Führung iſt dex „Verband zur Bekämpfung der
Beamtenboſoldungs- und. Penſionsgeſetze“ entſtanden == lehnt
jede Beſoldungserhöhung für die höheren Beamten ab. Da-
durch iſt eine Mehrheit für die Neuregelung „der Beamten-
Beſoldung im Bayeriſchen Landtage nicht mehr vorhanden.


droht mit ſeinem Rücktritt. Der Bayeriſche Beamtenbund gab
unter dem 22. Februar zu der Beſoldungslage folgende Er=
klärung ab:
„Der Bayeriſche Beamtenbund, in dem alle Beamtengruppetnt
ohne Unterſchied organiſiert ſind, Hält unverrückbar daran feſt,
daß eine Angleichung der Beſoldung “der bayeriſchen Beamten
an die Reichsbeſoldungsordnung für die bayeriſche Geſamtbeamten-
ſchaft eine ſtaatspolitiſche Notwendigkeit darſtellt. Er lehnt eine
Teillöſung dur& Nichtberückſichtigung einzelner Gruppen, wie ſie
aus wohltaktiſchen Gründen von einer Partei in Vorſchlag gebracht
wurde, aus grundſäklichen Erwägungen ab, zumal ſie auch finanziell
kaum in die Wagſchale fällt. Nach den bisherigen wiederholten
Erklärungen der Regierung und der Parteien des bayeriſchen Cand-'
tages iſt - es als ſelbſtverſtändlicher Grundſatz anerkannt, daß die
baveriſchan Beamten nicht ſchlechter geſtellt werden dürfen als die
Reichsbeamteon. « t ;
Angeſichts der großen Erreguna, welche die in der Tageszpreſſe
veröffentlichten Vachrichten über die drohende Verſchleppung der
Boſoldungsregelung im ganzen Lande hervorgerufen haben, muß
der Bayeriſche Beamtenbund mit allem Nachdruck fordern, daß
auch in Bayern der Regiorungsentwurf im Landtag eingebracht und
von dieſem raſcheſtens verabſchiedet wird.“
Durch dieſe Verzögerung kommt die bayeriſche Beamten
und Lehrerſchaft in eine ſehr ſchwierige Lage. Es iſt deshalb'
erklärlich, wenn ſich der bayeriſchen Beamtenſchaft eine außer-
ordentliche Erregung bemächtigt hat. ER
Beſonders die bayeriſche Volksſchullehrerſchaft ſteht in
einem ſchweren Kampf um ihre Beſoldung. Die Begründung"
des Thüringiſchen Staatsminiſteriums zum Entwurf eines Be-,
ſoldungsgeſekes enthält zur Gruppe IVB eine Ueberſicht über .
die Einreihung der Yolksſhullehrer in den einzelnen. deut-
ſchen Ländern. Aus dieſer Ueberſicht geht hervor, daß man
für Bayern nach dem Vorentwurf die Einſtufung der Cehrer
in folgender Weiſe vorgeſehen hat: Lehrer an Yolksſchulen
und Hauptlehrer: 2800 bis 5000 RU.. (preußiſche Staffel m"
in 20 Jahren). Lehrer und Hauptlehrer an Yolksſchulen mit
13 uid mehr Schulklaſſen erhalten auf die Dauer dieſer Dienſt-
aufgabe eine widerrufliche, nicht rulhegehaltsfähige Zulage von“
400 Mark jährlich. „EBE
Oberlehrer: 4100 bis 5300 RUT., als Leiter von Dolts-'
ſhulon mit 13 und mel:r Schulklaſſen, außerdem für die Dauer“
dieſer Dienſtaufgabe eine widerrufliche, nicht vuhegehaltsfähige
Zulage von 400 M. jährlich. Für Sonderſtellen ſind Zulage:
von 600, 900 und 1200 RM. vorgeſehen. '
Oſtpreußen. |
Der Königsberger Lehrerveroin beſchäftigte ſich in ſeiner :
lekten Sikung mit den Vorſchlägen Dr. Lohmevyers (Ober-
bürgermeiſter der Stadt Königsberg) zur Verwaltungsreform
=- die in ſeiner Denkſchrift niedergelegt ſind und gegenwärtig
in weiten Kreiſen Beachtung finden. Für uns Lehrer iſt dabei
wichtig: Dieſe Reformpläne wollen das Kultusminiſterium als
oberſte UAufjichtsinſtanz unſeres Schulweſens abſchaffen und
wollen die Schule der Leitung der Provinz-Behörden (Provinz
in neuem Sinne als Reichsprovinz) unterſtellen. Die Rechte
der Cekrerwahl und -beſtätigung würde nach Dr. Lohmayers
Vorſchlägen den Schulträgern (den Kommunalverbänden) zU-
fallen. =- Was geht uns das an? Gewiß ſehr viel, ſoferit
uns als Beamten unſre dienſtlichen Beziehungen nicht gleich-
gültig ſind, ſofern wir als Staatsbürger die reibungsloſeſte,
beſte und billigſte Verwaltung erſtreben. Hier nun kommen wir
zu dem Schluß: Die Auswirkungen einer derartigen Reform
wären für unſer Schulweſen ungünſtig; denn ſie ſtehen dem
Grundſatz der einheitlichen Staatsſchule entgegen. Die deutſche
Celzrerſchaft kann darum nicht für ſie eintreten.
Im Anſchluß an den Bericht über Gründung einer. In-
tereſſengemeinſchaft der Lehrververeine der Groß- und Mittel-
ſtädte entwielte ſich eine rege Ausſprache. Der Ruf nach
der Ortszulage wär allgemein. Es wurden Stimmen laut, -
die zum Aoußerſten riefen:- zur Trennung. vom Preußiſchen
Cohververein. Aus Befürchtung einer ſolchen Möglichkeit warnte
aber die Gegenſeite vor der Bildung der Intereſſengemeinſchaft
überhaupt. Es kam am Ende zu einer Entſchließung, die
man wohl als goldenen Mittelweg bezeichnen kann: Bildun
einer Intereſſengomeinſchaft innerhalb des Cohververeins; der.
Spaltungsgefahr durch Zurückſeßung der Klaſſenlehrer werde
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