Serausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein
Verläg und Geſchäſtsſielle: Berlin. W35,Potsdamer Straße 15,4 Daus +2. Sernruf: Kurfürſt 8130 8151
Verantwortlicher Schriftleiter: Geo Raeppel, Berlin-Lichtertelde 1, Steinſiraße 80; Fernruf: Lichtertelde 3931
- Berlin, den 15. März 1928

„57. Jahrgang

DU 0.UUL.e DUS Problem“ der Minderleiſtung der Volksſchule, = Reichsſchulgeſez =- Konkordat =- Reichstagswahl. =- Der Katho-
Zn
ZHummer 11


liſche Cehrerverband . nach dem Scheitern des „Reichs ſchulgeſetzes. = Kultur- und Sculpolitik im Reichstag. =- „Dürer“
Schrifttum. == Rundſchau, == Wirtſchaftliche“ Fragen. = Deutſcher Cehrerverein, =- Verſchiedenes, =- Anzeigen.

Das Problem der Nünderleiſtung der Dolksſchule.
Hon W. Mannzen in Kiel.
Ih laſſe es vorläufig dalkängeſtellt, ob die aus den
Prüfungsergebniſſen gezogenen Scilüſie über diz Strucht der
Schularbeit an ſich richtig ſind, glaube aber aus der -Gegen-
Überſtellung-der Prüfungsreſultate der leßten Jahre mit denen *
zu UAnfäng des Jahrhunderts den Schluß ziehen zu dürfen,
daß es unberechtigt iſt, aus den. Ergebniſſen der lekten
Drüfungen den Beweis äbzuleiten, das in Auswirkung der
BVeformbeſtrebungen der nouen Zeit di? Leiittungen im Wiſſen
und - Können ' zurückgegangen ſind. Ich lehne "es ab, den
Spieß umzukehren und den gegenteiligen Beweis zu führen.
Winde ich den Prüfungsergebniſſen den Wert beilegen, den
die Herren, die die Prüfung vdrgenommen- kaben, ihnen
allein Anſchein nach zuſchreiben, ſd wäre es keine5w2gs, ver-
meſſen, dieſen Beweisgang anzutreten. Ich ziehe vorläufig
Feinen weiteren Schluß als den: Tſt' es ein2zm wirklich ernſt
damit, der Wahrheit zu dienen, ſo muß man in der Aus-
deutung der Ergebniſie ſehr viel vorſichtiger ſein, als manche
Herren es bislang geweſen ſind. Sehr wertvoll für mich
iſt in dieſer Hinſicht die prwate Aeußerung eines hieſigen
Vegierungsſchulrats. Ich vertrat in einem Privatgeſpräch die
; Auſicht: Wein os richig ſein ſollie, da3 die heutige Shule
in der Ausbildung - im Wiſſen. und Können gegen früher
* zurü&bleibe, ſo mü'ſe ihr doh gut gerechnet werden, daß ſie
in den Punkten, die der ſächſiſche Unterrichtsminiſter erwähnt,
“ein Plus zu verzeicmen „häbe, das den genanaten Nlangel
aufhzbe. Darauf, antworteie er aus ſener r4äHen Erfahrung
dem. Sinn nach: Wenn wir erſt das Stadium der „meihoadiſchen
Fummelei“ überwunden haben = und da5.it bald geſchehen
= -dann bleiben auch die Ceiſtungen im Wiſſen und Können
nicht mehr gegen früher zurü> und wir, haben das eben
erwähnte Dlus obendrein. : : %
ZUu..oleichem . Ziel „führt. eine weitere. Betrachtung. Die
- Ceiſtungen der Yolfsſchule werden = wie wir geſelyen baben =
in. der Oeffentlichkeit "bewertet "nal "den Erfahrungen, die
die weiterführenden Schuleinrichtungen = Höhere Schulen und
Fortbildungs- oder Berufsſchulen mit den Schülern der Volks-
ſchulen. machen und gemacht haben... Was liegt da näher
als zu fragen: Was ſagt denn die auf die höhere. Schule aufs-
bauende Anſtalt = die Univerſität =- zu den Leiſtungen
ihrer Yorarbeiterin? In die Oeffentlichkeit dringen dieſe Ueuße-
rungen weniger als die abfälligen Urteile über die Volksſchule.
Ich will nicht die Frage unterſuchen, woher das kommt, ich
müßte vielleicht dann als Anwalt der Volksſchule ſehr bitter
werden. Aber » ſoviel ſteht. Feſt, ' ſehr ſchmeichelhaft "ſind die,
Urteile dox Univerſität über die Leiſtungen der höheren Schule
Nicht, und 05 dürfie doh reichlich vermeſſen ſein, auch dafür
"das Karnickel „Grundſchule“ vorantwortlih machen zu wollen.
Nemi Jahre. höhere Schule -ſöllten “ ja wohl. eigentlich im-
ſtande ſein, die „Schäden“ die dieſe. Ausgeburt der Revolu-
» PIE 3 7
tion geſchaffen bat, wieder zu heilen. „Und zum Ueberfluß
. ſei noch feſtgeſtellt, daß die Studenten, über die die .Uni-
verſität heute ſo abfällig urteilt, noch. garnicht durch die
» Grundſchule hindnrhgegangein “ſind; „Die höhere "Schule wird
alſo ſchon ihre "Caſt ſelbſt "tragen müſſen -=<“"und "dieſe
iſt =< falls die: Urteile der "Univerſität“ zutreffen "=. nicht
leicht. Der Studienrat Dr: Erich Günther hat eine Schrift
* „Hochſchule und höhere Schule“ herausgegeben, die 4 Vor-
“träge enthält, die auf dex 28. Hauptverſammlung des Ver-'


(Shluß.)
eins zur Förderung des mathematiſchen und naturwiſſenſhaft-
lichen Unterricht gehalten wurden (Verlag Salle, Berlin 1927),
Beginnen wir mit dem Härteſten Urteil, das, wenn es vichtig
wäro, der Vernichtung gleichkäme. Zn der Uusſprache ſagt
der Oberſtudiendirektor Dr. Ließzmann, Göttingen: „Mir liegt
ein Auszug aus einem Vortrag eines an hervorragender
Stelle ſtohenden Mediziners vor = er iſt mir eben übergeben
worden. Da Heißt es unter anderem: „Die Ausbildungs-
ſtätten, die für das Studium überhaupt ausbilden ſollen, |
nähern ſich immer mehr dem Niveau der Hilfsſchulen. Mit“
erheblichen Graden von Schwachſinn kann man die Neife-
prüfung recht befriedigend beſtehen" und weiter: „Dabei habe
ich zwiſchen humaniſtiſcher und realer Yorbereitung eigentlich
nur einen Unterſchied kennen gelernt. Fragt man einen Studie-
renden nach der Bedeutung irgend eines lateiniſchen und
griechiſchen Wortes, ſo weiß der real Vorgebildete darauf
keine Antwort zu geben, aber er errötet ob ſeiner Unwiſſenheit;
der humaniſtiſch Vorgebildete weiß es auch nicht, hat aber
das Erröten über ſeine Unwiſſenheit verlernt.“ Man darf
ja wohl ſagen, "daß ein Urteil, das ſo" angenfällig über das
Ziel hinausſchießt, am wenigſten Anrecht darauf hat, ernſt
genommen zu werden. Nbor 85 ſteht nicht allein. .Profeſſor
Böttger, Ceipzig, zittert in ſeinem Vortrag auf derſelben Der?
ſammlung, eine "“Veihe anderer Urteile. Da ſagt Prof. Dr.
Weule: „Ih Habe die Gewohnheit, auch in den Kollegs
Sragen “allgemeiner Vildung, ie ſie ſich aus dem Zuſammen- -
hang ergeben, an däs Anditorium zu' ſtellen. S9 3."B. das
erſte Auftreten der Germanen an den Grenzen des römiſchen
Reiches. Ergebnis: ein Herumraten in ebanſovielen Jahr-
hunderten vor wie nach Chriſti Geburt. Die Kepplerſchen-
Geſetze“ * Keine Ahnung 'bei 60-70 Mann. Das Weſen der
Dampfmaſchine," ſpeziell des "Dampfzylinders. Ueberhanpt-koine
Vorſtollung. Die ungefähre Zahl „der Moenſchheit..von. hute,
Ein Hermmraten zwiſchen "800 und 909- Millionen. Es heißt
kaum zuviel geſagt, daß die Mehrzahl von der Zeitlage eines
unmerhin ſo einſchneidenden Gehoimmniſſ25 wie des 50jährigen"
Krieges nur "eine ganz ungefähre Vorſtellung beſitzt. . Nach
| geographiſchen Dingen wage ich ſeit langer Zeit überhaupt
nicht mehr zu fragen; hier fehlen ſämtliche Grundlagen.“ Zu
der Form etwas milder, wie das des ungenannten Mediziners,
aber in der Sache? Es werden dann weiter wi2dergegeben
Aeußerungen von Profeſſor Koſchaker, der unter andern auch
auf die mangelhafte Beherrſchung der Orthographie hinweiſt.
Dasſelbe tut Prof. Friedrich Neumann. Ferner äußern ſich
abfällig Prof. Spranger und Prof. Feliy Krüger. Als Heryx
Berger ſeine Feſtſtellungen über den vermeintlihen Rückgang
der Volksſchulleiſtungen' der begierig horchenden Welt be-
kanntgab, ſchrieb die Berliner Börſenzeitung einen Artikel mit
der Ueberſchrift „Der Segen“. der modernen VolksſHhule. Er-
ſchütternde Feſtſtellungen in Sachſen.“ Sind die Feſtſtellungen
der Profeſſoren über die Leiſtungen der höheren Schule weniger
erſchütternd? Warum hat denn die Berliner Börſenzeitung
die Sprache , verloten? SRE
- Meine * Darlegungen haben" meines Erachtens gezeigt,
daß. der Nachweis, "die", Meue Schule“; die "'Squle. der 'NaF-
kriegszeit ſei in ihren Leiſtungen zurückg2gangen, mint ers
brächt iſt. Ebenſo wenig kann bewieſen werden, daß die“
Volksſchule der Erreichung ihres Jieles ferner bleibe, als

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.