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wirkung der Beamtenorganiſationen. . Die ſchön harmoniſch
gezogenen Zirkel hätten ja nur geſtört werden können. Nur
der frühzeitigen perſönlichen Füllungnahme der Lehrervereins-
leitung mit dem ſtets zugänglichen demokratiſchen Unterrichts
miniſter Dr. Weber iſt es gelungen, die neue Cehrerbeſoldung
ein ganz klein wenig an - das frühere Syſtem anzulehnen.
Der Uebertragung der verheerendſten Rrebswucherungen der
preußiſchen Lehrerbeſoldung konnte , ſo rechtzeitig vorgebeugt
werden. Stellenzulagen für Landlehrer und Konrvettoren gibt es
auch künftig nicht. Die dadurch geſparte Summe, aber auch
keinen Pfennig mehr, iſt ſo verrechnet worden, daß nach dem 283.
und 35. Beſoldüngsdienſtalter an Stelle der früheren zweien
Anfrückungsſtufe 9, bezw. 10, jedem Volksſchullehrer zwei
weitere Zulagen von je 300 M. und jedem mättelſhallehrer,
Zeichenlehrer ind Mujiklehrer von je 400 M. gewährt wor-
den, ſodaß das Höchſtgehalt der erſteren 5600 NM., das der
letzteren“ 6500 M. beträgt. „Ein Rechtsanſpruch auf dieje Zu-
lagen entſteht jeweils init der erſtmaligen Gewährung an den
einzelnen Beamten.“ Die techniſchen Cehrerinnen einerſeits,
die Curn-, Hilfs" und Werklehrer anderſeits erhalten keine
Zulagen, weil ihnen früher auch die Aufrückung näch'Gruppe 9
bezw. 10 nicht zugeſtanden worden war. Anſtatt der zerſegenden
Stellenzulagen Preußens gibt Anhalt alſo Ulterszulagen, aber
leider Alterezulagen im buchſtäblichen Sinne des Wortes: Daß
dieſe Aufbe foxungen erſt ſo ſehr ſpät; nämlich im Alter von
RE: - .- * I“ '
55 und 62 Jahren erreicht worden können, hat allgemeinen
Unw.ilen * erregt. In Preußen kommt - immerhin ein großer -
Tol der Candlehrer ſchon in mittleren Jahren in den Genuß
hölerer Bezüge, wonn gerade die drückendſten Nusgaben
für die Ausbildung der Rinder einſetzen, während ſämtliche
anhaltiſchen Cel:xer die entſprochenden Zulägen erſt Furz vor
der Penſionierung bekommen, wenn ſie dieſ-len ſchon nicht
mehr ganz fö bitter nötig haben.
Elatt übernommen ſind von Preußen nur die Nchthundert-
mavk-Zulagen für ſämtliche Zwiſchenlehrer un> die ShHulleiter-
zulagen, letztere jedoch vorläufig ohne Pen ionsberechtigung.
Damit ein Schulleiter gehörig über ſein Kollegium hinaus-
ragt, iſt ſeine Gehaltsleiter durch die Einfügung der Zwlf-
hündertmark-, bezw. Lierzelnhundertmark-Speoſe [> vortcil-
haft gebaut, "das vielfach jüngere Schulleiter mit a"gelegater
Mittelſchullebreprüfung Höher ſtehen als gleichaltrige und
ältere Krei<ſchulräte. ; :
Den älteren anhaltiſchen Beamten bringt das neue Be-
ſoldungsaeſet noh ene. kleine Verbeſſerung ihrer Penſions-
bezüge. Dor 1920 e-hielten ſie nämlich ein Gehalt, das oft
um 10 bis 20 v. H. hinter dem il:rer preußiſchen Rolleagen
zurücbl'eb. Dafür ſtieg in 50 Dienſtjahren ihr Penſions-
anſpruch auf 190 v. H. Da aber nunmehr im ganzen Reiche
die Höchtagrenze 80 v. H. beträgt, können die Beamten, die
ſcon vor 1929 im. anbal'iſchen Staatsdiente waren, einen .
Ausgleich für ihre zum Teil jahrzehntelang b2z0genen weſent-
lich gekürzten Gehälter dur< hehere Penſionen nicht mehr
erbalten. Darum iſt fet eine Uebergangs"*eſtimmung ver-
einbart worden, die ſ»>lchen Beamten einen Zuſchlag 31 ihrem
Ruhegelol'e zub'ill:gt, „der. für jeden ange“angen?n Zeitraum
von 5. Jahren der vor dem 5.. Juni 1920. zurückgelegten
rubegebaltsfähigen Dienſtzeit 3% v. H. des Ruhegehalts *be-
trägt.“ 6
Berlin,
Ein Shulſtveik iſt im Norden Berlins ausgebrochen;
den Anſtoß dazu gab die Umwandlung einer beſtehenden Volks-
ſchule in eine Sammelſ ligionsunterricht befreit ſind. In den Bovlinex Bezirken Prenz-
lauer Berg, Friedrichehain und Kreuzberg haben hunderte
von Eltern den Antrag geſtellt, ihre Kinder in Sammel-
ſchulen unterzubringen; aus dem Bezirk Prenzlauer Berg kag
die größte Zahl der Meldungen (über 990) vor, und gerade
hier iſt nur von der andern Seite der Streik in Scene geſetzt
worden, Die Schuldeoputation Alt-Berlin konnte nach den ihr
vorliegenden Anträgen nicht anders handeln, als das Be-
dürfnis nach weiteren Sammelſhulen anzuerkennen; (es be-
ſtehen in den genannten Bezirken bisher. je eine Knaben- und
eine Mädchonſchule als Sammelſchulen). Mit großer Sorgfalt
wurden die Fragen. beantwortet; aus welchen .Wohnbezirken-die
meiſten Anmeldungen - vorlagen, wo alſo die -Sammetſehnlen -.
entſtehen müßten, und wie die leider notwondigen Umſchulungen
auszuführen ſeien, damit für die anszuſchulenden Rinder keine
Milgemeine Deutſche Cohkhrerzeitung.
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ar4h darauf Bedacht genommen, möglichjit die beſtehenden.
gen, ſondern Umſchulungen der Rlajjen mit ihren Leirern vor»
zunehmen, Im Bezirk Prenzlauer Berg wurde nach dieſen
Grundſäten . ein Schulhaus im hohen Norden (Sonnen-
burger Straße) für zwei neue Sammelſchalen, eine für Knabow
und eine für Mädchen, ausgewählt. Daß die bisherigen Jn-
ſaſſen des Hauſes, ' /
erfreut von dieſem
Schuldeputation und
Boſchluß ſind, iſt verſtändlich; auch der
namentlich den ihr angelzörenden Leixern
traut gewordenen Heim 'und aus ' ihrer Arbeitsgemeinſchaſt
hinausreißen zu müſen. Aber es gibt, ſolange der bekannte.
einzige Rechtsunterlage in dieſer Sache bildet, peine andere
Möglichkeit, als jo zu verfahren wie die Berliner Schulvers
wältung verfahren iſt. Ganz abwegig iſt die von einem Elter»
beirät der Schulverwaltung gegenüber geäußerte Meinung? .
Macht eine Sämmelſhule, aber nehmt nicht gerade unſere
Schule dazu. Heiliger Sankt Florian, verſchon' mein Häus,
zünd' andere an. Nun ſtreikt aus den beiden Schulen, die
das Haus räumen ſollen, über die Hälfte der 5 chu l=
binder als Proteſt der Eltern gegen die zum 1. April 862
plante Maßnahme.
Sache anlangt; ſo kann es ein glattes. Für oder Wider leider
nicht geben. Soweit die veligionsloſen Kinder in Frage kommen,
Gewiſſenszwang an, auch werden ſie nicht in der Schule bes
nachtei ligt, - wie befangene Eltern manchmal glauben. Ans
kommenden Eltern zweifellos das Recht, Sammelſbulen zu
fordern. Auf der andern Seite, bei der Elternſchaft der

| bisherigen Veſucher dieſer Schulen, iſt der Yerdruß und die
Unruhe verſtändlich und berechtigt, und wenn dieſe Empfin=“
dungen kräftig zum Ausdruck kommen, ſo darf ſih n'emand'
wundern. Ein S Hhulſtreik aber iſt ein untaugliches Kampf-
mittel, eine' Waffe 'die lezten Endes gegen die Streikenden
wirkt. Wir wären von alledem verſchont geblieben, wenn in
Ländern eine gemeinſame Scule wäre.
Grenzmark Poſen-Weſtpreußen.
Am 1t. März ſchloß, bald 65 Jahre alt, der Führer der“
grenzmärkiſchen Lehrerſchaft," R e TUOTY G uſtav Hen ſchel
aus Meſeritz die Augen für immevr. Mit ihm iſt eine der max=
kanteſten Perſ3nlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Grenz2
mark dahingegangen. "Es kam das zum Ausdruck bei dem
der Stadt, die Lehrervereins-Vertretungen der großen Derbände
und der grenzmärkiſchen Vereine, der, Lehrkörper, die Eltern»
Guſtav "Zenſchel hatte das Seminar in Dro'fen beſucht, |
ziehung batte. Nach einer längeren Berufstätigkeit auf dew
Dorfe wirkte er ſeit 1898 in Meſeriß. d
Jahre ſtellte ihn der Lehrerverein Meſerig an den Platz des
Yorſitzenden, und die Arbeitzkraft und die Arbeitsfreude jener
Jahre hat ihn nie verlaſijen.

geführt. Das Vertrauen ſeinexr Nitbürger berief ihn in die
ſtädtiſchen Körperſchaften, und hier hat er es verjtanden,

eine Entwiclung des Schulweſens für Mejeritz einzuleiten, die ,
gleicherweiſe ein Ruhmesblatt für ihn wie für die Stadt-,
verwaltung bleiben wird. Seit 1905 leitete er die Meſerizer |
Schule. Aus dieſer ſeiner örtlichen Bedeutung wuchs er ſchon
durch ſeine Tätigkeit im alten Poſener Provinzial-Lehrerverein
heraus. Die Arbeit im Vorſtande dieſes Deveins machte ihn
nach dem unglücklichen Nusgang des Rrieges beſonders Je?
eignet für die Aufbauarbeit. Er faßte mit ſeinem ſtarken Willen
und warmen Herzen die Lehrerſchaft der ' bi
mark zuſammen. . Ihm waren .das einheitliche „deutſche Völk,
;der deutſche Volksſtaat, die deutſche Schule heilige Aufgab
Die «Zäune. ſozialer -:Schichtung . oder... der, Konfe'ſionen galt "
in ſeinem Wirken nicht als trennende Marken. In der Schul
politik war ihm die Simultanſchule jeiner. engeren Heimat

Was die Stellungnahme der Lehrerſchaft zu der ganzen.
deverſeits haben nach jenem Müniſterialerlaß die in Frage |
Preußen die Schule von Geſetzes wegen wie in anderen
ſchaft und. die Rinder des Ortes beteiligten. 8
Schon im gleichen

allzuweiten und gefährlichen Schulwege entſtänden; es wurde“
Klaſ;engemeinſchaften zu erhalten, aljo nicht Einzelumſchulun»-
Lehrer, Schülex und Eltern, nicht ſelir"
iſt es ſchmerzlich, Kinder und Lehrer aus dem ihnen lieb und +"
Miniſterialerlaß über die Errichtung von Sammelſchulen! die






liegt eine zwingende Notwendigkeit, ſie aus den beſtehenden -
Squlen herauszunehmen, nicht vor; denn es tut ihnen niemand“















Ceichenbegängnis, an dem ſich die Spitzen der Provinz uid.


zu einer Zeit, alz3 der Aufenthalt in einer preußiſhhen Lelwer-" 3
bildungsanſtalt eine gowſie Aehnlichkeit mit der Rajernenev-




30 Jahre hat er den Ortsverein y








zerſtückelten Grenz»









im e






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