Herausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein
Derlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W35, Potsdamer Straße 113, Haus 2. FSernruf: Kurfürſt 8130/8151
Verantwortlicher Schriftleiter: beo Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3931


Berlin,
den 26. Hpril 1928
Nummer 17

<= Die
kampf. =- Oſterverſammlungen.
Als
= Rundſchaat,
Blätter
-- Anzeigen. = Beilage: für
kartographiſche
= Wir tſchaftliche
Schulrecht Ur. 4.
Auswertung der Wandertage. =- Die Schule im Wahl=
Fragen. = Deutſcher Lehvrerverein. == Verſchiedenes,
Der Pädagogiſche Konareß Berlin 1928.
(Fortj etzung).
„Su Gottes Ehr' und unſerer Freude,
Zu unſerer Rinder Unterricht
Steht dieſes beſſere Schulgebäude,
Und reuen ſolche Koſten nicht.“
zukunftsfreudige Wort, im Jahre 1768 als
an das neuerbaute Schulhaus in Lohne bei Soeſt
as; Miniſtorialdivektor Kaeſtner am Schluſſe ſeines
„Dortrages ,- der mehrtauſendköpfigen Verſammlung mitteilte,
könnte, ohne einer Schönmalerei geziehen zu werden, auch als
Schlußurteil das großzügig aufgerichtete 5, Schulgebäude“ des
Pädaoogiſchen Kongreſſes zieren. Ob man am Schluß der
Tagung mit einem Deutſchen oder Nusländer, -einem Cehrer
„oder Schulverwaltungsbeamten ſprach, alle ſtähmiten <=
„Wenigſtens ſoweit dem Berichterſtatter Stimmen Zu Gehör
- Famen, und. das wären nicht wenige = darin überein: Das
waren zwar anſtrengende Tage, aber anregend, belehrend
„und orhebend zugleich; reich beſchenkt - und bealückt kehren
“wir heim mit nouem Arbeitzeifer. zu unſerer Werktagsarbeit
- Zum friſchen, fröhlichen Tun. „Und reuen ſolche Koſten nicht!“
„Wahrlich, ein beſſeres Cob kann man einer Veranſtaltung
kaum ſpenden. :
Während der Miniſter in ſeinem Einſtimmungsvortrag in
- Weit)pannondon Gedanken Richtung und - Ziel internationaler
Erzielhung- abſte>te und zeigte, wie Erziehung zur Volksge-
meinſchaft gekrönt worden müſſe durch Erziehung zur Völker-
verſölhmung, . vorblieb den nachfolgenden Vednern die nicht
„minder dankoare. und hohe Aufgabe, von dem Suchen und
- Rinoen deutſcher Volkserzieher und Wiſſenſchaftler um neue
FErziehunasgrundlagen zu berichten, aufzuzeigen, wie gerade
iF die Volksſchule im lotten Jahrzehnt ihre beſondere Erziehungs-
"aufgabe, wiſſenſchaftlich unterbaut und praktiſch zu geſtalten
„Verſucht bat. Das in Vorträgen, Vorführungen und Schulaus-
“ſtollung! in Üüberreicher Fülle Dargebötene =- es iſt ſchier un-
- möglich, im Rahmen eines Borichts auch nur das. Wertvollſte
ausführlich zu geben = gab eine Inhalts- und Woeſensſchau
- der „neuzeitlichön“ deutſchem“ Volksſchule und bewies augen-
“ſcheinlich, daß unſere" deutſche Volksſchule ein gutes Stück
"vorwärts gekommen iſt.
Weldes iſt numzder; Grundzug der Geſtaltwandlung. zur
Leutigen Volksſchule 2. Darauf verſuchte, Prof. Dr. Ker ſchen -
ſte iner, der „Lehrer-"der“ deutſchen" Erzieher“, wie 9m. Der
'Vorſitzände in ſeinejt''Danko5wöorten treffend nannte, in ſeinem
"Doxtrage: „Der Dolksſchullcehrer als Erzieher“
wl oinömn geſchichtlichen Rückblick die Antwort zu geben: In
allen Kulturſtaaten der alten und der neuen Welt vollzieht
ſich ein Wandol in Begriff „Schule“, War ſie urſprünglich ledig-
lich "eins Stätte religiöſer Unterweiſung, nahm ſie im Mittel-
alter äuch noch die „Techniken. des Ceſens, Schreibens und
Rechnens auf, kam dann ſpäter im Caufe der Jahrhunderte noch
-- die Vermittlung nötivendiger „aemeinnüßiger Kenntniſſe“ hinzu:
„im “weſontlichen- blieb "ſie > eine Stätte der Belehrung. Mit
"Beginn, des 20. Jahrhunderts ſekt“ hier -ein arundſtürzender
- Wandel - ein, dor ſoziologiſch bedingt iſt." Die woſentlich ver-
"änderten Erwerbsvörbältniſſe fordern nötwendig "eine Yolfs-
„und und; Borufsſchule, in' der zwar Stoff und Nlethodo unent-
-behrliche Handwerksmittel “ſind und ſtrenge Wiſſenſchaftlich-
„Heit Höröſchon maß, aber „Sas Prinzip der Wiſjenzübermittlung.
“ u ZATH NIE 230g
als ſekundäres Prinzip“ zu gelten hat. Miehr als bishor rückt
die Notwendigkeit der “Erziehung zur Gemeinſchaft in den
'Yordergrund. Die Umwandlung der" Schule äus der Stätte
des rechten Gebrauchs von Kenntniſſen in' eine Stätte ſozialer
Hingabe tritt überall dort ein, 'wo Cehrer mit ſtarkem E05
ziehergeiſt und Gemeinſchaftsgefühl wirken und die äußeren
'Verhältniſſe und die Schulaufſicht ſie nicht hemmen. Erzieher
zum Gemeinſinn und zum ſozialen Dienſt ſein iſt aber unendlich
- viel ſchwerer als: nur 5,Cehrer“ ſein, was man '„lernen“-kani,
ſtellt hohe Anforderungen an den Erzieherberuf. Wer -Ge-
meinſinn erzeugen will, muß ſelbſt ein ſozialer Geiſt
ſein, was voräusſekt, daß in ſeinem Woſen der Keim pad -
äugouiſcher „€ vorhanden. iſt, jene. Liebe, die 1michts
anderes Liſt, als Liebe zum „werdenden“ Moeonſchen im Kinde.
Dieſes „Berufsetlos“ kann nicht angelernt werden, ſekt
im Erzieher eine ontſprechende Veranlagung voraus. WI
aber dieſe Liebe aus guter Veranlagung ſich entwikeolt, da
wirkt ſie von ſelbſt 'gemeinſchaft=bildend; "denn ſie iſt Liebe
zu den "geiſtigen Werten. ' Der Lehrer, in dem der Geiſt echte
. Menſchengomeinſchaft lebendig iſt, wird in ſeiner "Seele Heiter
ſein troß alien Ernſtes, wird Humor als eine. der köſtlichſten
Eigenſchaften des Erziehers haben, wird ſich nicht an den"
Kleinigkeiten. des täglichen Schullebens ſtoßen, wenn or auch
in die Niedrigkeiten des Lebens ſchaut.“ Damit iſt dieſe Geiſtes-
verfaſſung eine wahrhaft religiöſe; denn ſie bedeutet Hin-
gebung an oin Ueborindividuelles, Zeitloſes, das ale ge. ſtigen )
Werte kennzeichnet. "Dach muß dieſe ſittliche Gemeinſ geſinnung - (Gerechtigkeit, Wahrheit, - Güte, Sittlichkeit uſw.)
"in ihrer Ganzen Tiefe ſittlich «rlebt werden. Die Kultur-
völker mögen daraus die Verpflichtung entnehmen, daß. ſie
kein heiligeres Amt zu vergeben haben als das des Erziehers
wd. Lehrers.
Stellt Prof. - Dr.
- Aufſtieg dor deutſchen
>b8
r
1
terſchenſteiner den Geſtaltwandel und
Jolksjchule - ganz- auf die Perſönlichkeit
des „Cehrererziehers“ ſo drängt ſich uns die Frage auf:
2Das ſaat dazu der. Schmulverwaltungsbeamte? Wird er ſich *
„Nicht veranlaßt ſehen, aus geſeßlichen und zerwaltungstech-
niſchen Erwägungen gogen cine - ſo freie Auffaſſung vom
Erziehorboruf Einſpruch zu erheben?“ Es war ſichor nicht
remer Zufall, daß nach dem Pädagogen der Yerwaltungs-
„beamte ſpräch; denn die Ausführungen des Leiters der Yolks-
„ſchulabtoilung im Preußiſchen Miniſterium für Wiſſenſchaft,
"Kunſt "und 'Dölfsbildung brachten keinen Gegonſaß zur Rede
Prof. "Dr. Ketſchenſteiners, ſondern beſtätigten und unter-
„ſtrichen ſoino Grundlegung und onthielten in ihren Forderungen
eine wertvolle Eroänzung in vorwaltungsrechtlicher und goſeß-
licher Richtmig." Miniytorialdirektor - Kaeſtner betonte ein»
gangs in ſeinem Vortrage: „Die Volksſchule im Auf-
b au“ des Dewtſchen Bildungswoſen SES UAHNZUEINT
Sinne ſeines Yovrrodners, daß nicht nur guto Vorwaltunas-
arbeit oine tragfähige Grundlag2? für di?“ Bi.dungsarbeit ab=-
gäbs, ſondern "mehr noch ihre innerliche Geſtaltung und Be-,
lebung, geſlükt und gefördert. durch- die Geſinnung des Volkes.
Anch im Bildüngsweſen hänge alles davon äb, daß ſich der
- Menſch zum Monſchen fande. . Dor Redney beklagte, daß mit
dem Wachſen des äußeren Rahmens der Volksſchule (Lehrer- und

"BolREnenfeltar 180 5 1751;-1901 == 90208; 1912 AU 1622
t

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.