Algemäne eue (from
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5: Jahrgang Berlin, den

24. Mai 1928


Nummer 21


Inhalt: Vorwort zur Braunſchweiger Tagung. =- Aus der Seit der „Allgemeinen deutſchen Cehrerverſammlung. <== "Dre D61ES>
ſchule in
Eupen-Malmedy. =<- Rundſchau, =- Wirt ſchaftliche Fragen. =- Deutſcher Lehrerverein.
Anzeigen. =- Als Beilage: Blätter für Schulrecht Nr. :
<= /Deorſmiebatee 1
Dorwort zur Braunſchweiger Tagung.
Seit der großen Saßungszänderung vom Jahre 1919 haben
wir im Deutſchen Lehrerverein die jährliche Vertreter-
vorjammlung. Vor dem Kriege war die Zuſammenkunft dieſer
goſegebenden Vereinsförperſchaft mit der alle zwei Jahre
ſtattfindenden Deutſchen Lehrerverſammlung verbunden. Aus
Dem richtigen Gefühl heraus, daß Vereinsarbeit im Rahmen
dos Volksſtaats einen andern Umfang und eine tiefergehende
Derantwortung hat, iſt die neue Beſtimmung geſchaffen worden,
jedes Jahr die Vertreter einzuberufen. Bis zum Jahre 1925
Haben wir dann überhaupt davon abſehen müſſen, die Deutſche
Lehrerverſammlung zu veranſtalten, und es ergab ſich ganz
natürlicherweiſe, daß die Vertreterverſammlung, die wir je-
oils an einem andern Punkte des Reiches zuſammenberiefen,
die allgemeinen Aufgaben mit übernahm. 50 wuchſen ſich ohne
weiteres dieſe Vertreterverſammlungen, die in ihrem eigentlichen
Wejen reine Arbeitsverſammlungen mit mehr nach innen ge-
richtetem Charakter ſind, von ſelbſt zu verkleinerten „Deutſchen
Sehrerverjammlungen“ aus; Stuttgart, Hannover, Breslau,
Danzig ſind die bezeichnendſten Beiſpiele hierfür geweſen.
Die Vertreterverſammlungen dienten hinfort nicht mehr bloß
zur Behandlung von Anträgen, Saßungsänderungen, Haus-
haltfragen, Entſchließungen „zur Vornahme der Wahlen und
andorer (organiſatoriſch notwendiger Beſchlüſſe, ſondern ſie
Übernahmen gleichzeitig die Aufgabe, die allgemeineren Fragen
der Schul- und Standespolitik, wie der wirtſchaftlichen Ange-
logenheiten öffentlich zu behandeln. Es haben ſo die Ver-
troterverjammlungen pin auingewohntes neues Geſicht" be-
kommen, ſie haben eine andere Stellung im Voereinsleben
angenommen, ſie unterſcheiden ſich nur noch wenig von den
allgemeinen Pfingſttagungen, höchſtens dadurch, daß ihnen
abſichtlich" kein ganz ſo großes -Format gegeben wird, daß
wir mehr «unter uns bleiben. :
Unſere Braunſchweiger Tagung weiſt vollſtändig die an-
geführteit Merkmale dieſer neuen Art- von Vertreterverſamm-
Tungen auf. Sie nimmt volle drei Tage .in Anſpruch, ſie be-
faßt ſich- mit der „Behandlung von zwei Verbandsaunfgaben,
fie bat: wichtige | Entſcheidungen wirtſchaftlicher und organi-
Jationsmäßiger Natur zu treffen. Die VYereinzarbeiter ſpüren
den ſchnelleren und kräftigeren Herzſchlag, der unſerm Voreins-
leben hiermit eigen geworden iſt. Es iſt heute verfrüht,
oin Urteil darüber abzugeben, ob dieſe verſtärkte Inanſpruch-
nahme der VDereinskraft, die ſich geiſtig, zeitlich und rein
geldmäßig äußert, als ein innerlich gerechtfortigter normaler
„ Suſtand zu gelten " Hat; darüber werden längere Erfah-
kungen geſammelt worden müſſen. Eines ſcheint heute ſchon
Au5geſprochen werden zu dürfen: Die jährliche Jnangriff-
nahme von zwei weitumſpannenden Derbandsaufgaben geht
hart an die Grenze deſſen, was ein großer. Vereinskörper
innerlich in Ruhe zu vorarbeiten vermag. In einer lange
zurückliegenden Zeit kam man damit notdürftig aus, = unſere
geſchichtliche Betrachtung über die . Braunſchweiger Yerſainm-,
lung im Jahre 1879- gibt ein anſchauliches Bild hierfür: =
anf aut Glück näher und ferner liegende Erziehungs- und
Standosfragen der öffentlichen Beſprechung“ anszuſeßen; wir“
ſind ſeit vielen Jahren dabei, dieſes" Cottevieſpiel durch eine
wohlüberlegte Auswahl der zeitgemäß erörterungsbedürftigen.
Grundfragen zu “erſeken, der. “Vereinsarbeit der Zweig- und“


Orts5vereine Richtpunkte und Aufgabenkreiſe zu geben und ſo iw
planmäßiger Weiſe an der Beſtellung des Berufsfeldes zu
arbeiten. Es bedarf, wie geſagt, weiterer ſorgſamer Beob-
achtung, um abſchließend ermeſſen zu können, ob wir mit der
jjekigen Gepflogenheit, jährlich mehrere große Derbandsauf-
gaben zu bewältigen, eine gute gei tige Hanshaltung verbürgen
können.
Wenn wir uns bemühen, bei der Auswahl der Vereins5-
aufgaben die im Yordergrunde des Intereſſes ſtehenden Fragen
zu erfaſſen, brauchen wir uns nicht des Goethe'ſchen Rates
zu entſchlagen: „Greift nur hinein ins volle Menſchenleben!“
Man darf auch bei den in Braunſchweig zur Verhandlung
kommenden Aufgaben ſagen, daß hier um große Gegenſtände
gerungen wird, bezeichnet durch die Stichworte: „Ausbau
der Dolksſchule“ und „Auslandsdeutſchtum und
Schule.“ Mit der erſtgenannten Aufgabe betreten wir ein
Gebiet der Gegenwart, das über den Streit der Schulformen,
wie er in Deutſchland ſich als Frage erſter Ordnung unbe-
rechtigterweiſe vordrängt, an Bedeutung weit hinausgeht. Das
fühlen nicht wir Cehrer allein, das fühlen alle, die mit der
YDolksſchule zu tun haben, beſonders diejenigen, die für ſich
eine Löſung vorwegnehmen, indem ſie, an der VYolfksſchule
zweifelnd und verzweifelnd, Suflucht bei andern Schulgattungen
ſuchen, anch wenn ſie dabei in irgendeiner Weiſe aus dem
Regen in die Traufe kommen. Aber das Gefühl iſt da: die
Dolksſchule iſt nicht ganz mitgefommen, man hat ſie micht
mitkommen laſſen, im Bildungsweſen der Nation jtimmt
etwas nicht. Dieſes- Gefühl hat ſich in unjeren Reihen lange
ſchon zur „Einſicht verdichtet: die Lehrerſchaft liat vielfach
und vereinzelt am Inhalt und' der Arbeitsweoiſe der Volks-'
jhule geändert, verſucht, verbeſſert;- aber darüber hinaus
inüſſen alte Formen zerbrochen werden, die Schulſtnbe muß
vergrößert, anziehender, heimeliger und -wortvoller gomacht
werden. Die Wege hierfür klar aufzuzeigen/ der Oeffentlich-
keit Mut zur Mitarbeit zu geben, den Verantwortlichen das
Gewiſſen“ zu ſchärfen, das muß Aufgabe unſerer Braun-
ſchweiger Beratungen ſein.
Wir ſtehen auch mit unſerem zweiten Verhandlungs-
gegenſtand mitten im drangvollen Cebein dev Gegenwart. Der
Deutſche Lehrerverein, der niemals ein bloßer Jnterveſſenvorein
war und ſein wollte, empfindot das neue, andersartige Lebons5-
gefühl, das ſich ſeit den geiſtigen und politiſchen Umwälzungen
des lezten Jahrzehnts in den Angehörigen der germaniſchen
Dölkerfamilie regt. Es ſind neue Cagerungen erfreulicher
und weniger erfreulicher Matur entſtanden, Bedürfniſſe beſſerer
Annäherung, vertiefterer Sreundſchaft, auch vergrößerter Hilfe.
Die deutſche Kulturgemeinſchaft iſt eine Art Cobensgoſetz ge-
worden für alle, die ſich irgendwo auf der elt freiwillig zu
ihr bokennen, und dem Mutterland iſt die Aufgabe auferlegt,
Mittelpunkt dieſes doutſchen Geſamtbewußtſeins zu fein, ſam-,
melnd; anregend, 'ausgleichend und hyelfend: Vo dieſer natür,
lichenzund friedlichen Kulturpflege fich auszuſchließen/ „würde'
dem Sinn und den Neberlieferungen des "Deutſchen Lehrer-
vereins vollkommen widerſprechen, und ſo werden wir uns.
gewiſſenhaft überlegen, wie wir . unſere Nüätarbeit am. Su-.
ſammenhalt des allgemeinen deutſchen Kulturkreiies IEE

richten und. abzugrenzen haben. + IEEE GRIS

















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