Herausgegeben vom Deutſchen Sehrerverein
Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W35, Potsdamer Straße 113, Haus 2. FSernruf; Kurfürſt 8130/8131
Verantwortlicher Schriftleiter: Leo Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3931





"57. Jahrgang


Inhalt: Der Deutſche Lehrerverein im Jahre 1927. =

"Berlin, den 31. Mai 1928
liche ' Fragen. = Verſchiedenes. = Anzeigen. =-


G1ak
Nummer 22




Kongreß für
Als Beilage:
Heilpädagogik. == Rundſchau. =
Wirtjchaft-
Bücherſchau Nr. 4. ?

Dom Jahresbericht obliegt die Aufgabe, Bemühungen, Er-
folge und Michterfolge der Organiſation, das ganze Bild der
“Ereigniſſe im abgelaufenen Jahre zuſammenzuordnen, zuſammen
M zu richten, und" er iſt alfs nicht nur Jahresbericht, ſondern
Y- auch - Jahresgericht. Damit nähert ſich die Iuſammenſchau
X über das: Leben des Vereins dem Weſen der Geſchichts-
iu ſchreibung und ſtellt Unforderungen an die Würdigung der
5 Faum vergangenen Ereigniſſe, die nicht leicht erfüllbar ſind.
Solange der weitere Abſtand von den Dingen noch nicht groß
genug iſt, um die handelnden Perſonen und die. Handlungen
„ ſelbſt in großen Zuſammenhängen einzugliedern, muß'ein Jah-
- resbericht immer nur als vorläufiger Verſuch gewertet werden,

g- “dein "Inhalt eines ganzen Jahres in abwägende Behandlung zu
09.2. znehnien. . j
[7 ; 'Es darf an dieſer Stelle vorausgeſchickt worden, daß die
PE: Bodeutung einer Organiſation, wie es die unſrige iſt, nur er-
kannt werden kann, wenn- man ſie nicht als einzelne Größe. für
ſich betrachtet, -ſondern fie als ein wirkendes. Teilglied in einem
Unfäſſonden .Geſamtſpiel der Kräfte anſieht. "Ani ſich iſt der
Deutſche Cehrerverein eine anerkannt ſtattliche Vereinigung von
beruflichen Erziehern, und es iſt nicht bloß Ausdruck äußeren
Stolzes, daß er von uns und anderen als. die größte Lehrer-
„organiſation der Welt bezeichnet, wird. Es wäre- indeſſen nicht
angebracht, aus dieſer Tatſache eines erfreulichen Größenver-
hältniſſes zu ſchließen, daß eine ſolche Organiſation durch ihre
eigene Schwerkraft befähigt iſt, für das Zeitmaß der Durch-
jezung ihrer geſtellten Ziele als eine klar berechenbare Größe
zu gelten. 'Die Wirkfähigkeit einer Organiſation liegt nur bis ZU
einem gewiſſen Grade in ihr ſelbſt; was ſie leiſten kann, wird
orſt offenbar, indem ſie ſich mißt an den Gegenkräften. “Eine
Interfuchung darüber, wolcho5 Gewicht wir bei den mannig-
fachen Fragen, an deren Löſung wir mitzuarbeiten gewillt ſind,
in die Wagſchale zu werfen haben, wird unz daher die Nög-
Lichfeit "geben; Erfolge“ und Anßerfolae “an der. Welt. der
Tatſachen und nicht an der Welt ünſeror eigenen Winiſche
ZNNIENEINSE 2. - ;

'ZX
Organiſationen wie die unſrige ſind tief begründet in dem
- Bedürfnis eines Borüfsſtandes, der ſeine lezte Form, die beſte
Möglichkeit der beruflichen Wirkſamkeit und die Anerkenming
ſeiner Leiſtungen“ für das 'Volksganze noch nicht bis "zu dem
Grade erveicht hat, .den der Stand ſelbſt für wünſchenzwert
hält. Dieſe Erkenntnis ſchließt theoretiſcher Weiſs 'in ſich; däß
ſämtliche Lehrende an" den" deutſchen Schulen, von“ denen "allen
geſagt werden kann, daß ſie irgendwo gemeinſame * wöiter-
gehonde Wünſche zu vertreten haben, in einer einheitlichen
Organiſation vereint ſein müßten. Dieſer ideale Zuſtand, daß
jämtliche deutſchen /Cehrer- und Lehrerinnen eine gemeinſame
- Beiufsvettretung" hätten, würde ohne ' Zweifel ermöglichen,
Saß die tatſächlich vorhandene "Kraft - dieſes Geſäintkörpers
- ſöin „Etſcheinung träte, wie 65 der mifertigs Zuſtand dos
- vönn' uns" betieüten Borufsgebietes.. erfdrderte! Wir wiſſen,
Daß e=-ein frommer Wunſch iſt und“ in abſehbarer Zeit bleiben
wird, - dieſen ' vollkommenen Zuſtand: der Organiſation zu -er-
1 reichen! Wir- können immorthin nüt großer Genugtuung feſt-
- ſtellen, daß der Deutſche Lehrerverein die 4veitaus größte
- - Zahl der; ir deutſchen Schulen Cohrenden unifaßt «und. daß or
- biShör "den vielen Verſuchen, die Lehrerſchaft noch weiter nach
-allechaud «bojondeoroin - Jutereſſontichtängen: „Aufzüteilen,
Ertetongunigen



















micht. ; Rochenſchaft über dieſe Zufanimenhänge; fs
Der Deutſche Lehrerverein im Jahre 1927.
nur erfolgreich widerſtanden hat, ſöndern in ſeinem ſtetigen
Wachstum fortgeſchritten iſt. "Es muß aber bei der Bewertung
ſeiner Organiſationskraft - in Rechnung geſtellt “worden, daß
die außerhalb ſtehenden und zum Teil gegenüberſtehenden Or-
ganiſationen von Coehrern und Sehrerinnen nicht nur rein
zahlenmäßig die Bedeutung der Lehrerorganiſationen ſchwächen,
ſondern auch tatſächlich in Nugenblicken des Kampfes, ſei es
ſchulpolitiſch oder wirtſchaftlich, nicht ſelten als Gegenkräfte in
Erſcheinung treten. -Bei der Unterſuchung der Urſachen, wes5-
halb der - Fortſchritt 'auf :den von - uns erſtrebten Gebieten
nicht immer ſo in Erſcheinung tritt, wie wir es wünſchten,
muß dieſe Tatſache von vornherein in Rechnung geſtellt worden.
Aber ſelbſt in dem denkbar günſtigſten Falle, „daß die
Deutſche. Lehrerſchaft mit dieſen inneren Organiſationsſchwie-
viofeiten nicht belaſtet wäre, dürfte man. noch nicht den vor-
eiligen Schluß ziehen, als wäre eine Geſamtorganijation ohne
„Außenſeiter eine an ſich hinreichend vollkommene Macht, die *
Lebensgeſetze der ' deutſchen Schule zu formen. Hier iſt eine
Furze Betrachtung- darüber cam Plaße, inwiewoit wir»uns als
Organiſation von Vereinigungen ähnlicher Art, 2.1. 0..22002
-beitergewerkſchaften unterſcheiden.
/ Eine Gewerkſchaft als Suſammenfaſſung ixgendeinet .
Berufsgruppe“ iſt im Regeolfalle, wenn nicht ganz beſonders
ungünſtige Umſtände vorwalten, in der Cage2, die Ceben=bedin-
gungen ihrer Mitglieder bis zu einem gewiſſen woitgelhhenden
Grade unmittelbar Jeſtalten zu können. Es wird das wohl
häufig nicht ohne Kampf und ſehr harten Kampf abgehen,
äber auf dieſem Kampfplaß. ſind doch Rräft und Gegenkraft,
ſelbſt wenn es ſich) um Hunderttauſende oder Millionen handelt,
groifbär-und berechenbar vorhanden und verteilt. Es gibt na-
frlich" auch "hier jehr 'verwidelte Zuſammenhänge weit-
tragender "Art, die bis aur' die Zuſammenhänge einer ganzen
Nation und deren CLebensnerv rühren; doh it das immerhin
keine Alltagserſcheinung. Anders liegt es mit der Verflechtung
unſerer Jntereſſengebiete mit der Allgemeinheit. Faſſen wir
der leichteren Neberſicht halber nur die beiden ganz großen
Gebiete unſerer Tätigkeit zuſammen, das ſchalvolitiſche und
das wirtſchaftliche, ſo ſtoßen wir ſofort darauf, das jede Yer-
änderung, jeder Vorſuch zur Beſſerung und Hebung deſſen, was
uns am Herzen liegt, nicht Angelegenheit irgendein? uns
gegenüber deutlich: abgegrenzten und organiſierten Gegen-
gruppe iſt, mit der man ſich im Wettkampf dor Kräfte ausein-
änderſetßt, wobei man einmal ſiegt und einmal bojieat worden
kann, ſondern wir ſind ſofort hineingebettet in die. ganz großem
HIuſammenhänge der Nation, haben es mit der geſamten
Oeffentlichkeit zu tun," haben den Yolfzwillen als Haupt-
faktor einzuſeßen, haben es mit den im Parlamen: gegebenen
lezten und ſtärkſten Kraftmittelpunkten der Nation zu tun.
Dieſer große Schauplaß: unſeres Wirkungsbereiches mag viel-
döſtältiger/ mag intereſſanter ſein als beijpielsw2iſe die Ebene,
auf der irgendein Tariffampf ausgefochten wrd. Aber daraus
niſſen. wir weitverzweigte - und auf lange Sicht"
eingeſtellte Art- unſeres Aiufgabenkreijes. erkennen “und (uns?
vingeſtehen, daß irgendein Fortſchreiten in der Richtung un-,
ſeres Wollens unſäglich"ſchwieriger ijt, "als bei. vielen anderen
Berufsgruppen," die mit. diner Jolchdu Verſtrickung“ in“ das
allgemeine nationale Ceben- nicht behaftet: ſind. Gibt man ;
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