Serien Fiege
57. Jahrgang
[gemeine Deutſche
Berausgegeben vom Deutſthen
"Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W35, Potsdamer Sträße 115, Haus 2.
Verantwortlicher Schriftleiter: Leo Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 5395|
Berlin, den 7. Juni: 1928

hre
Lbehrerverein

Fernruf: Rurfürſt 8150/8131 -
„4 Minniner: 25





Inhalt; Braunſchweig.
Verſchiedenes. = Anzeigen.
Die - Pfingſtzuſammenkünfte des Deutſchen LCehrervereins
bevorzugten in den lezten Jahren ſichtlich die Randgebiete
des Vaterlandes: Breslau; Hamburg, Danzig, Düſſeldorf ſahen
uns beiſammen," der:Oſten, der Norden, der Weſten; im Süden
„Jud wir zuletzt 1921 und 1925 geweſen, in Stuttgart aind
„Würzburg > Braunſchweig,“ eine Stadt in der Herzgegend der
» deutſchen - Gaue "wie - der " deutſchen“ Geſchichte, hatte“ darum
2Zwöhl ein wohlbegründetes Unrecht. darauf, diesmal -der gaſt-
gebende Tagungzort unſeres" Vereins zu ſein. So kamen die
zetwa"500: Vertreter 7ans"den vier Himmelsrichtungen in dor
„alto Ielfenſtadt zuſammen; die ſonſt vom Reiſenden mehr
"“betührt als “beſucht wird.:. Braunſchweig liegt. wohl an . einer
der “größen Eiſenbahnſträßen, die von Oſten nach Weſten
führen: die meiſt befahrenen Straßen führen freilich weiter
nördlich und ſüdlich vorbei, 'und der größe Nord-Süddurch-
gang hält ſich ganz abſeits, den großen Querriegel des Harzes
meidend, der ſich "ſüdlich ' der Stadt ſteil zur norddeutſchen
Ebene "vörlegt..- Immerhin iſt die“ Lage der Stadt, die ihr
Einſt Lor :Jährhunderten' Eine hervorragende Stellung in der
"deutſchen Geſchichte gab, auch heite noh günſtig genug, ihr ein
„Fräftig pulſierendes Ceben zu "ſichern. Braunſchweig iſt nicht
bloß ein köſtliches. Muſeum aus der ſtolzen Zeit des nieder-
jächfiſchen „Kraftgefühls. im- 12. und 45. Jahrhundert wie
aus dem... ſpäteren bürgerlichen Blütefrühling der Hanſa: es
iſt ein Gemeimwveſen, das die Züge des- ungebrochenen Auf-
ſtrebens unſerer Tage- mit den eingegrabenen Geſichtsliniow
der“ Vergangenheit zu einem Bilde vereinigt, das ſich jedem
ſromden Beſucher in glücklicher Verbindung vor Augen drängt.
Wandetkt-man durch die gewundenen Straßen der Altſtadt
mit ihrer Neberfülle von Baudenkmälern aller Jahrhunderte,
betrachtet - man die Kirchen, Rathänſer, Bürgerläufer, die
vie abſichtlos geſchaffenen und. doch:ſo. maleviſch geſchlofienen
Pläte und- Märkte, dann wenden ſich einige»Kapitel- aus" der
deutſchen -Geſchichte 'von- felbſt auf. 7 Hier entwarf: der: kühne
Zegenſpieler des Rotbart die weittragenden-Pläne ſeiner Politik,
die ; den. Schwerpunkt der deutſchen Staatamacht nach einer
ganz andern Richtung zu , verlagern ſuchte und in, ihrem
Grundgedanken vichtiger, ' erfolgſicherer und nationaler - war
als die „über die Berge. hinausgreifende römantiſche Politik der
Hohenſtaufen. Es. war deutſches Verhängnis, daß die beiden
Rraftmittelpunkte feindlich aufeinanderſtoßen mußten, “ſtatt ſich
zu ergänzen * und zu einer Geſamtidee zu verſchmelzen. S3
nijßlang / zunächſt "der „Traum Heinrichs« des : Löwen, Nord-
deutſchland zum feſten Anſatzpunkt eines großen »deutſchen
Staates, zu machen; dieſe» Aufgabe wanderte übor die Elbe
binaus; und die welfiſchen -Stammlande 'bleiben ein. unzu-
ſammenhängendes zerriſſenos Gebilde, das ſich auf dsr Cand-
karte „wunderlich genug ansnimme: Andere 'Herrſchergewalten;
die einſt. don Welfen zu ſchaffen : machten, ſind. längſt. ver-
ſchwunden. die - Biſchöfe -von' Halberſtadt und die Mansfelder
Grafen. können nicht mehr Felde anſagen. Und doch, wiederholt
ſich micht anch hejite, woyn: auch in ganz; anderen Fomnen, in
den aus der Zeit der fürſtlichen: Hausmachtspolitik erhal-
tonen Ländern 'das alto. trigiſcheGegeneinanderſpielen .Der
- deutſchen Kräfte» "Zit: nicht, der: eine' ſtolz darauf, 'wenn er-als
Beweis jeiner Unabhängigkeit : emen Vertrag mit Rom ab-
ſchließen darf, der deutſche Rechte preisgibt? - Träumt. nicht
- der WUCLLE DEVIN) „er könnte in'dem engen Zufallsbezixk ſeines
Landes, geſtüßt auf eine 'im Augenblick“ errungene ſchwache |- welchen Gofühlen- der Erleichterung wir "nach den“
- 36. Vertreterverſammlung des Deutſch
„Wt
gemeinen Deutſchen Gewerkſchaftsbundos'“ in Bornau, ==" Rundſchau. = Wirtſchaftliche Fragen. =- Deatſcher Cohrerverdin. =
S IE FG vie “ 7 z
un DRE | Braunſchweig.
“feld furzlebiger Machtverhältniſſe wird.




en" Lohrervereins in Braunſchweig. = Die Bundosſchale des „Ull-
Mehrheit irgend einen ins Größe. gedachten Verſuch" einer
Wirtſchaft=- öder Cebensreform unternehmen, als 05 er auf
"einer auf. ſich. ſelbſt“ angewieſenen Inſel“ oder in einem weit-
räumigen, ſich felbſt genügenden Großſtaat ſchaltete? Spüren
wir, die wir uns bewußt deutſche Lehrer nennen, nicht überall,
„wie wir in unſern beſten Beſtrebungen durch dieſes gleich-
zeitige ' Nebeneinander und Gegeneinander gehemmt, werden?
War es nicht erſchütternd, als uns in Braunſchweig das bünt-
ſcheckige Bild vom heutigen Stand des Lebrerbildungsweſens im
deutſchen Canden vorgeführt wurde, wobei es nur ein ſchwacher
Crojt iſt, daß die fortgeſchrittenen. Länder die andern ſchon
nachziehen werden? - Das Braunſchweiger Land ſelbſt iſt ein
Beiſpiel dafür, daß durch den Mangel eines einheitlichen
deutſchen Kulturwillens die Schule zum wechſelnden Verſuchs-
Was die geſtrige
Regierung verbrannt hat, betet die heutige an, und die“ mor»
gige wird das Spiel fortſezen. Das hält auf die Dauer keine
Schule, kein Cehrerſtand, aber auch kein Yolk aus. Es ſieht
ſonſt unſere deutſche Schule bald ſo aus, wie die deutſche Cand-
kart& im - Mittelalter: Canter kleinſte Herrſchaftsgebiete, En-
„tlaven, Grenzen, -Schlagbäume, Sehden, Kampf alſer gegen alle.
So mochte denn der Boden unjerer Tagungsſtadt ſchön ge-
eignet ſein, den Vertretern des ' Doutſchen Lehververeins "die
mahnenden Zeichen der Vergangenheit und die ungelöſten
Aufgaben der Gegenwart vor Augen zu halten. Und wir
hatten das Gefühl, daß unſere Pfingſttagung durchaus, in
ihrem Wollen wie in ihrem Yollbringen, das Augenmaß dafür
hatte, was das Heutige Lehrergeſchlecht ſeiner“ Zeit ſchuldet.
Aeußerlich geſehen, hielten wir uns zwar mit aller Abſicht
in dein RNähmen einer Vertrotervorfammlung, die es mehr mit
innerer Rlärung: und. Erarbeitung von Fragen zu tun hat,
“als mit dem nach außen gerichteten Geſicht der Kundgebung.
'E= iſt nicht möglich auch nicht nötig, alle Vierteljahre viele
'Taujende von Mitgliedern zuſammenzurufen: die große Vor-
ſammlung muß ihre größen Ntempauſen haben, wonn ſie vön
Zeit zu Zeit-als Ausdrück geſammelter Kraft in Erſcheinung
treten ſoll. . Jmmerhin Hatten ſich außer dem halben Tauſend
Vertreter mindeſtens ebenſoviele “Teilnehmer aus der näheren
und “ferneren Umgebung Braunſchweigs zuſammengefunden,
und die Aufmerkſamkeit des vollbeſekten Hauſes blieb den drei-
tägigen Verhandlungen bis zum Schluß erhalten. H
' Der Jnhalt der Tagesdvdming kreiſte 'um die beiden Pole |
unſerer VDereinstätigkeit! “das Gebiet“ der "Kultur- und “"'Schul=
politik und der Jntereſſenkreis der Wirtſchafts- und Standes=
fragen. Der Deutſche Lehrerverein will eine deutſche Schule,
weiträumig, * loiſtungsfähig, - den“ währen Bedürfniſſen eins2
froien Staatsvolkes angepaßt;“er will dieſe Schule ermöglichen
durch einen linreichend vorgebildeten, in ſeinem Schaffen ſreien
Lehrerſtand, der wirtſchaftlich und geſellſchaftlich ſo “geſtellt +
ſein muß, daß vollkommene Rraftentfaltung- gewährleiſtet iſt:
Aus “der Verpflichtung dieſer Gedankenwolt horaus hat' ſich
der 'Veyein' ſeit der Neugeſtaltung des Reiches für eine dein
wohlverſtandenen gemeinſamen Motwendigkeiten „des deutſchen
Voltes angepaßte -- allgemeine Schule eingeſekt, in dieſen
Zeichen hat er mit entſchloſſenſter Kraft den Widerſtand gegen
den: unglückſeligen Schulgeſeentwurf nach den Wünſchen. der
Herren Marx und Mumm bekämpft und zu "Fall bringen“
helfe. Wir durften es mit Genugtuung ausſprechen, mit.

pitung
bhartend“









































































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