Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 57.1928, [1. Halbjahr] (57.1928, [1. Halbjahr])

 
 
 
SEEEIEpun 
 
„Berlin, den 
„Se Jahrgang 
    
Allgemeine Doutſcho ſehtorzeifung 
Serausgegeben vom Deutſchen Gehrerverein 
Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W35, Potsdamer Straße 115, Haus 2. Fernruf: Rurfürſt 8130/8151 
Verantwortlicher Schriftleiter: Leo Raeppel, Berlin-Lichterfelde 1, Steinſtraße 80; Fernruf: Lichterfelde 3951 
26. Januar 
 
1928 
 
Hummer 4 
 
 
 
 
 
 
8 Inhalt: Die Bokonntnisſchule für die katholiſche Kirche eine Lebensnotwendigkeit oder eine Machtſrage ? =- Das Reichsſchul- 
4 : geſetz im Bildungsausſchuß = Das Reich und die Lehrerbildung. =- Gegenwartsfragen der deutſchen Schule. = Das 
VE - t [ 0. TD ( es ELITE * v y g M +i4. . Är. M" S4. & - > & 
-m- H Reich hat kein Gold = für die Junglehrer. =- Die Reichskulturpolitik im Spiegel des Reichshaushalts. =- Rundſchau, 
 
 
<- Wirtſchaftliche Fragen. == Deutſcher Tehrorverein. =- Verſchiedenes. =- Anzeigen, 
Die Bekomtnisſchule für die kath. Kirche eine Lebensnotwendiakeit 
m. oder eine Miachtſrage? 
Don Dr... theol. Elsner?) 
- 1! „KRritik darf. ſich. nicht in Verneinung erſchöpfen; ſie muß 
- = Poſitivos aufzeigen. Die nachfolgende Kritik erwächſt aus den 
EN ſchulpolitiſchen und religionspolitiſchen Anſchauungen, wie ſie 
0." Dv. "Evnſt Michel ?) und Dr. Leo Weismantel 8) und be- 
mE ſönders ein Aufſatz „Für den Katholizismus gegen das Reichs- 
mB Fſchulgeſeß" (in Nr. 50 dieſer Zeitung vom 15. Dez. 1927) aus- 
] * ſprechen. Die Kenntnis namentlich des letzteren wird 
vorausgeſeßt. ) 
Daß det“ Ceiter der kath. Schulorganiſation in Deutſch- 
land mit allem Kraftaufwand für die Bekenntnisſchule eintritt, 
iſt ſein gutes Recht und ſeine UAngeſtelltenpflicht. Seine Theſe 
aber: daß die Bekenntnisſchule aus den letzten Gründen, aus 
dem Kern und Weſen und Gewiſſen des Katholizismus er- 
Wachſe und darum eine katholiſche Lebensfrage ſei, daß die 
* Forderung 'der Betkenntnisſchule eine grundſätzliche katholiſche 
Angelegenheit ſei und daß darum von jedem Katholiken als 
Ariterium ſeiner Katholizität der Einſaß für di2. Bekemitnis- 
Ule gefordert ſei: dieſe Theſe glauben wir aus Gründen 
Fatholiſcher- Ehrlichkeit ablehnen zu müſſen. mii 
8 
Mit dem ganzen Aufwand lebensfreinder mittelalterlicher 
Deitphiloſophie und Dogmatik ſtellt Schröteler ein „ſpezifiſch 
katholiſches Wertſyſtem“ heraus, d.h. „eine Nangordnung der 
Dinge, die ſich von allen Wertungen anderer, nichtkatholiſcher 
Menſchen nicht nur dem Grade, ſondern auch dem Weſen 
näch "unterſcheide;“. das Uebernätürli < e, das ſeine 
Funktion ausübt. im natürlichen Handeln, 'im geiſtigen Er- 
um ennen und beſonders im ſittlichen Leben, ſei der höchſte Wert 
BT des katholiſchen Menſchen, die Spitze der „katholiſchen“ Wert- 
D Pyramide; wolle die Schule bilden, damn müſſe ſie zum rechten 
. * Werten- anleiten,“ dann «müſſe auch. dieſer ganze" Tätigkeits- 
| Fompler nicht nur theoretiſch, «ſondern auch praktiſch als 
Lebendiges Glied katholiſcher Perſönlichkeit erfaßt und erlebt 
werden; die Nebernatur nele vom katholiſchen Menſchen Be- 
„fiz, darun ſei eine Scheidung von Schule und Bekenntnis 
- Nicht zu vollziehen, wenn iman nicht eine lebendige Einheit 
- ditzeinanderreißen wolle. 
Beſchlagnahmt hier Schröteler nicht für ein beſtimmtes 
' Bekenntnis, für die katholiſche Konfeſſion, ein Wertſyſtem, das 
„do> zu tiefſt allen <riſtlichen Bekenntniſſen, ja vielleicht 
„Über die <hriſtliche Weltanſchauung hinaus, eigentlich jeder 
Fheiſtiſchen Religion eigen iſt? Das Uebernatürliche, als Sein 
aind als Offenbarung, als Regulativ und als Ziel des natür- 
Jichen Cebens, iſt die Spitze der hriſtlichen, nicht nur der 
| Fätholiſchen Wertpyramide. . Die katholiſche Rangordnung der 
Be pi dD vn 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
-„Uicht dem letzten Weſen nach von den Wertungen anderer 
„Chriſten. Und ſomit wird mit dem Gedankengang Schrötelers 
micht ſo faſt eine katholiſche als vielmehr eine <riſtliche Wert- 
-„Pykamide, nicht ſo faſt die katholiſche Bekenntnisſchule als 
KR 2x ; | 
V 2) Zugleich eine Erwiderung auf P. Schröteler S. 
„„Srundfragen des Schulkampfes", Lerder-Freiburg 1928. 
29 Dr. Michel „Politik aus dem Glauben“,-Diedrichs-Jena 19256. 
 
 
 
 
 
JZ. AU. die 
 
 
 
; Tägsdruderei Würzburg 1926. 
 
 
 
„Dinge unterſcheidet ſich wohl da und dort dem Grade nach, ! 
 
Ked* Weismantel „Bayern u, die Wende der Bildung“. Der- | > 
vielmehr die <Hriſtliche Gemeinſchaftsſchule geſtüßt. (Bezeich 
nenderweiſe ſetzt auch Schröteler :S. 21 3. B. die natürlichen 
Tugenden des Katholiken in Gegenſatz zu den natürlichen 
Tugenden des Heiden; er wagt nicht die lezte Konſequenz 
ſeiner ſonſtigen Ausführungen, die den Katholiken in unüber- 
brüc>baren Gegenſatz zum nichtkatholiſchen Chriſten ſtellen.) 
Ausden leztenGründen des Kätholizismus 
WUM WOHL VIE ForderUuna. auf ErZTehHUng 
GUL DU EC OTT CU LAWEL ITU CH UU GTI TEU HI Om 
Geiſt der '<hriftilichen Weltäanſhäunna mimt 
AVE R ONES VT DEDUNG CUT. "VA ERS ODR NOET 
DETEN NTN TSPOME 
In der Gedankenrichtung der Befürworter katholiſcher 
Bekenntnisſchulen könnte es ſogar liegen, die Gegenſätze der 
katholiſchen Lehre zu den anderen <riſtlichen Bekenntniſſen 
überlaut zu betonen und im Vergrößerungsglas zu ſehen, um 
ſo die Notwendigkeit geſonderter Bekenntnisſchulen und die 
Unmöglichkeit der <riſtlichen Gemeinſchaftsſchulen beſſer auf- 
zeigen :zu können. . Demgegenüber ſei immer wieder hin- 
gewieſen auf das aroße einigende und letzte gemeinſame det 
großen <riſtlichen Konfeſſion, wie es neben anderen in beſon- 
ders ſchöner Weiſe einmal Nbt Schachleiter*) und auch Dr, W; 
Hellpachs) getan. 
H: 
Erfahrungsgemäß ſind die Unterorgane einer großen 
Inſtitution nicht ſelten fanatiſcher und engherziger als deren 
Leitung, nicht ſelten“ „röniſcher 'als Rom“. 
- Nach can: 1574 des kirchlichen Geſetzbuches (CIC.) 
„Jollen kätholiſche Kinder akatholiſche, neutrale oder ge- 
miſchte Schülen, welche auch Akätholiken offen ſtehen, nicht. 
beſüchen.“ -Aus dem -,,ne frequentent“ des CIC, ein „niht 
J 
dürfen, ein direktes Verbot herauszuleſen, iſt wohl nicht 
angängig, da an anderen Stellen der CIC. für klare direkte 
Derbote viel ſchärfere Ausdrücke findet, Wäre für katholiſche 
Eltern die Wahl der Bekenntnisſchule eine letzte katholiſche 
Gewiſſensſache, wäre die Beſchidung der „Gemeinſchaftsſ<ule 
durch Fkatholiſche Eltern ſo klar und direkt verboten, dann 
müßten dieſe katholiſchen Eltern in Bekenninisſchulländern 
wegen "der Wähl der Gemeinſchaftsſchule auch irgendwie mit 
kirchlichen Strafen bedroht ſein, wie ſie etwa ausgeſprochen 
ſind bei der Wahl der Feuerbeſtattung, bei Eingehung einer - 
Miſchelye, bei der Lektüre verbotener Bücher uſw. Würde die - 
Kirche ſo ſtarr an der Bekenntnisſchule Feſthalten, 'wie UNeber- 
eifrige von ihr behaupten, dann müßte die Haltung der Kirche 
auch gegenüber den ſimultanen Mittel- und Hochſchulen eine 
„andere ſein. : Und warum hat die Kirche den Religionslehrer 
ſo ohne weiteres auch in die Gemeinſchaftsſchulen geſchit, 
als ſolche eingerichtet wurden? 
Das „kirchliche Geſetzbuch ſieht übrigens im 2. Satz des 
bereits 'erwähnten can. 1374 Verhältniſſe vor, unter-denen der 
Beſuch von Gemeinſchatsfſchulen durc katholiſche Kinder an- 
*) Abt Schachleiter O. S. B. „Konfeſſioneller Friede" in „Der 
Jungadeutſche" Nr. 9,0. .12. 1. 1926. , . ; SELE | 
5) Dr.“ Bellpach „Die <riſftliche Simuſltanſchule" in „Frankf. 
Otg." Nr. 946 v, 20. 12, 1925. | 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.