Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 57.1928, [2. Halbjahr] (57.1928, [2. Halbjahr])

 
 
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Nr. 8/9 
Inhalt: Philoſophie und allgemeine Erziehungslehre. -- Jugend- 
ſchriften, Dichtung und Sprachunterricht. = Biologie. = 
Geſundheitslehre. =- Phyſik und Chemie, =- Formen 
und Zeichnen. = Muſik. =- Allerlei, 
 
Philoſophie 
is ' , ſ 
und allzemeine Erziehungslehre. 
Philoſophie, 
1. 
UVaturphiloſophie, Karl. Sapper gibt in „Jedermanns Bücherei“ 
eine recht wertvolle „Naturphiloſophie“, (152 9S4" Dirt, 
Breslau 1928, geb, 5,50 M.) heraus, die, den Sielen der empfehlens- 
werten Sammlung folgend, ernſt, knapp und umbliereich die 
Philoſophie des Organ iſchen betrachtet. Der Grundzug 
der allgemeinverſtändlichen Darlegungen iſt die Erfaſſung eines allge- 
meinen VNaturbildes. Darum: genügen dem. Drf. nicht die Theorien 
des Mechanismus und die des Vitalismus; er ſtrebt über beide 
hinaus, indem er jedes Naturgeſchehen als Dd DEN Wirken 
anſieht, alſo auch. dem mechaniſchen (anorganiſchen Geſchehen eine 
gewiſſe Zielſtrebigkeit zuſpricht. Neben dieſer ſynthetiſchen Regelung 
„des Grenzſtreites zwiſchen Möchanismus und Vitalismus erſcheint 
mir beſonders wertvoll, wie der Vrf. die Tatſachen des Seeliſchen 
(beſonders des als biologiſche Größe aufgefaßten Willens) in einen 
Zuſammenhang mit der Biologie bringt. Ueberall ſind die ſchwierigen 
Probleme mit einer pädagogiſch vorbildlichen Klarheit dargeſtellt. = 
Wenn B. Bavink die „HauptfragenderheutigenNatur»- 
philoſophie“ überblickt, ſo faßt er ſeine Nufgabe von einem 
ſpezielleren Geſichtspunkte her: er betrachtet in dem vorliegenden 
erſten Band ſeines auf zwei Bändchen berechneten Werkes die 
erkenntnistheoretiſchen Fragen dieſes Forſchungs- 
gebietes. Nach einem allgemeinen Teile geht er auf die beſonderen 
Probleme über Raum, Zeit und Bewegung und über den Erkenntnis- 
prozeß in der Phyſik ein. Auch dieſe Schrift zeichnet ſich durch eine 
eindringliche und umſichtige Betrachtungsweiſe aus. Wer von den 
Naturwiſſenſchaften her in die Probleme der Naturphiloſophie, 
genauer geſagt, in die der Erkenntnistheorie, eindringen will, findet 
zu dieſem Buche einen ſicheren Führer. (Erſchienen als Bd. 17 der 
mäthem.-naturwiſſenſchaftl.-techniſchen "Büchereiz O. Salle, Berlin 
4928, 121 S:, 5,50 M.). == Einen hiſtoriſch-biographiſchen Beitrag 
zur Naturphiloſophie liefert H. Pixberg mit ſeinem Buche „No = 
valis als Näturphiloſop h“ (Gütersloh 1928, Bertelsmann, 
76 S.). Er geht den geiſtigen Entwieklungslinien dieſes Künſtler- 
philoſophen näch, zeigt, wie Novalis im Unſchluß an die Theorien 
des Holländers Hemſterhuis ſeine Anſicht vom magiſchen Jdealismus 
bildet und ſie beſonders in ſeinen „Sehrlingen von Sais“ zu einem 
künſtleriſchen Geſamtbild werden läßt, wie er aber ſchließlich dur 
ſeine Bekanntſchaft mit den Schriften Plotins und I. Böhmes zum 
Dichter des „Ofterdingen“, d. h. zu einem religiös durchdrungenen 
Denker wird. Eine begrüßenswerte Bereicherung zum Verſtändnis 
der intereſſanteſten Perſönlichkeit unſerer deutſchen Romantik. = 
Endlich eine Schrift, die zum Teil ſchon zu unſerer zweiten Be- 
ſprechungsgruppe hinüberweiſt: „Wunder und Naturgeſetz 
von Dr. med. Rau, die bereits in zweiter Auflage vorliegt (Verlag 
Müller, Köln, 110 S.). Hier wird der Derſuch unternommen, die 
religiöſen Probleme von Wunder, Gott, Unſterblichkeit und Offen- 
barung durch die moderne Naturwiſſenſchaft in ihrer Unmöglichkeit 
aufzuzeigen. Für dieſe reine Tatſachenwiſſenſchaft gibt es m. GCG; 
zwei Wege des Verhaltens gegenüber religiöſen- Phänomenen: ent- 
weder ſieht ſie ihre Grenze und erklärt ſich für unzuſtändig gegenüber 
dem Transzendentalen, oder ſie verſucht ſich auch dieſes Gebietes zu 
bemächtigen mit dem Erfolg, das religiöſe Lebeit. in ſeiner Tiefe 
dur< kauſal-mechaniſche Erklärungsweiſen zu zerſtören. Dieſen 
letzten Weg beſchreitet das vorliegende Buch. Troßz mancher richtiger 
Gedanken halte ich die ganze Einſtellung für unmöglich (vom philo- 
ſophiſchen Standpunkte aus gewertet), ja, das Büchlein kann für 
naive und unkritiſche Gemüter ſogar gefährlich ſein, 
11; 
Religionsphiloſophie. H. Ehrenberg wendet ſich in ſeiner kleinen 
Schrift „Unheil und Heil im öffentlichen Leben“ 
(Bertelsmann, Gütersloh 1928, 48 5., 0,80 M.) an das öffentliche 
Gewiſſen. der Gegenwart; kritiſch durchleuchtet er die ſoziale und 
kirchliche Not, die uns beherrſcht; heilsmäßiges Denken und heils- 
mäßiges Leben ſind für den Verfaſſer die Wege, die zur Erlöſung 
führen können. == Recht intereſſant iſt die Aufgabe (und die Löſung 
derſelben), die ſich H. Saalfeld in ſeinem Buche. gefetzt Halt ND AS 
Chriſtentum in der Beleuchtung der Pſyd<oana- 
Ivſe“ (Bertelsmann, Gütersloh 1928, 96 S., 5 M.). Er beſpricht 
darſtellend und kritiſch die pſy<hoanalytiſchen Ausſagen Über das 
religiöſe Erleben. In "vornehmer Objektivität wird feſtgeſtellt, daß 
zunächſt das religionspſy<ologiſche Material der Pſy<oanalyſe 
äußerſt dürftig ſei, daß man überhaupt jeden weltanſchaulichen 
- Appell bisher vermieden habe, und wo wirklich das religiöſe Gebiet 
von Pſy<oanalytikern angeſchnitten (wie bei Pfiſter),. Gott nur zu 
einem pädagogiſchen Mittel, dazu recht zweifelhafter Natur, degr4= 
diert worden ſei. =- Mit dem Werke über die „WiſſenſMaſt 
Gottes" hat H. Th. van Velzen ſein Syſtem des religiöſen 
Materialismus beendet (erſchienen im Verlage DVelzen in Joachims- 
thal). Er gibt darin zunächſt eine geſchichtliche Darſtellung der. 
Beweiſe für die Exiſtenz Gottes (in der beſonders auf Kant aus 
führlich eingegangen wird) und umreißt dann die Wiſſenſchaft von 
Gott: die JZdeen der Weisheit, der Dorſehuna, des Gottvaters und 
des Schöpfers werden geklärt, die Einwürfe gegen die göttliche 
Tugend, Weisheit und Gerechtigkeit werden widerlegt und der 
Glaube an- die Unſterblichkeit als Ueberzeugung des weiſen und 
gerechten Menſchen erkannt. Der Verfaſſer beſchreitet in dieſem 
Werke eigene Wege; wer auch ſeinen Unſchauungen nicht immer. zu 
folgen vermag, wird doch ergriffen von dem tiefen Drang ſeines 
Wahrheitsſuchens. = Auf hiſtoriſchem und auf ſyſtematiſchem Wege 
unterſucht M. Haug die „Entwi&lung und Offenbarung 
bei Leſſing“ (Bertelsmann, Gütersloh 1928, 
Seſſings wahre Meinung über dieſe Frage beſtimmt der Verfaſſer in 
folgender Weiſe: „Offenbarung iſt die Entwilung der wahren 
Natur der Dinge und die Entwicklung der Dinge iſt die Offen- 
barung ihrer wahren Natur“ (S. 106), Eine ſtraff gegliederte und 
klare Schrift, die am Schluſſe nicht verſäumt, auch auf die Be- 
deutung dieſer Frage für unſer gegenwärtiges theologiſches Denken 
einzugehen. 
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Eine geiſtvolle und ſchöpferiſche Methaphyſik der Entwidlungs» 
lehre hat der Mündener Gelehrte Edgar Dacque in ſeinem Buche 
„Föben als Symbol“ (Oldenbourg, München 1928, 254 S3 
gebd. 8,50 M.) geſchrieben. Ihm kommt es darauf an, die reine 
Metaphyſik mit der Naturgeſchichte in einen höheren Bewußtſein 
tiefſter jenſeitiger Wirklichkeit zu verbinden, eins werden zu laſſen. 
Und dieſe Syntheſe findet er in dem Symboliſchen als dem Wiſſen 
"und dem Zuſtand, in dem „das Sinnhaft-Empiriſche lebendiger Aus- 
dru> des ihm Immanenten einer höheren Wirklichkeit“ iſt. So ſieht 
der Verfaſſer die Aufgaben der Entwiklungslehre nicht darin, die 
Formenreihen der Entwieklung rein formal zu beſtimmen und die 
'einzelnen Stadien biologiſch zu deuten, ſondern vielmehr bis zu 
jener Urkraft, jener „inneren Potenz“, vorzudringen, die im Anfang 
ſchon dieſelbe iſt wie am Ende, und von der die Erſcheinungen 
Ausdruc>k ſein müſſen, mögen ſie auch ſonſt individuell beſonders ge- 
ärtet ſein. So wird das wahre Ziel der Erkenntnis: „im Gegen: 
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