Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 57.1928, [2. Halbjahr] (57.1928, [2. Halbjahr])

Beilage zur Allgemeinen 
 
Deutſchen Sehrerzeitung 
Verantwortlich: O, Ganßer, Berlin-Waidmannsluſt, Bondickſtraße 71 
 
IRL SEGEL TZ Ged 
Nr. 11/12 
 
 
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Inhalt: Seelonkunde, Erziehung und Weltanſchauung. 
ſchule. Die Bilfsſchule und Sonderſchule. 
Sprachen. Rechnen. Geſundheits!ehre. Kalender, 
lei für frohe und beſinnliche Stunden, 
Seelenkunde, Erziehung und 
Weltanſchauung. 
Croner, Elſe: „Die Pſyche der weiblichen Jugend." 1928. 
4.. Auflage, 92 Seiten, Preis 2,-- RM,., eleg. gebunden 2,70 RM. 
Verlag Hermann Beyer & Söhne, Langenſalza. 
Die Urbeit iſt klar gegliedert, von ſeltenem Fluß des Ausdru>s 
und verrät vorzügliche Beobachtungsgabe. Wenn es ſich auch nicht 
um“ ein wiſſenſchaftliches. Werk im ſtrengen Sinne des Wortes han- 
delt bzw. handeln kann, ſo iſt doch der Pädagogik durch Elſe Croner 
ein Dienſt von beſonderem Werte geleiſtet worden. Daß ein Mann 
bei ſonſt gleicher Begabung für Beobachtung manches anders geſehen 
hätte, bedarf nur des Hinweiſes, So paßt 3. B. das Cronerſche 
Schema doch nicht. in jedem Falle: „Der Mann lernt erſt die Frauen 
kennen, dann die Frau, Die Frau lernt erſt den Mann fennen, 
dann die Männer.“ AUbwegig erſcheint die Behauptung der Der- 
faſſerin, daß Selbſtmorde der Frauen oder das Verlieren des Der- 
ſtandes Folgen mangelnden Verſtändniſſes oder fehlenden Sein- 
gefühls beim Manne ſind. -Wie E. Jaenſch gezeigt hat, und wie 
zeder Pädagoge aus ſeiner Alliagsarbeit weiß, iſt es nicht leicht, für 
die ' theoretiſch konſtruierten Haupttypen in den Reihen der Schüle- 
rinnen klare Belege zu finden. Abgeſehen davon, daß reine Typen 
eine gx 0 ße Ausnahme ſind, gibt es in der Entwieklung der menſch- 
lichen Seele wunderbare Veberraſchungen. Yon einer zweiten 
"Pubertät zu reden, iſt ſehr gewagt. Von-den zehn für Mädchen- 
ſchullehrer aufgeſtellten Geboten erſcheint das ſechſte bedenklich: „Sei 
immer intereſſant, ſelbſt einmal auf Roſten der Gründlichkeit." 
Der I. Teil ſchließt mit Seite 64 ab. Teil Il verſucht eine 
Typengruppierung der Mädchen aus den einfacheren Volksſchichten. 
Hier findet ſich der auf die Arbeitsſchule abſolut nicht zutreffende 
Satz: „Ju eigener Urteilsfähigkeit kann die Volksſchule ihrer Natur 
in Struktur nach nur ſehr begrenzt erziehen" (S. 72). Die Dienſt- 
mädchen teilt Elſe Croner ſehr ſelbſtſicher - folgendermaßen „ein: 
Berüfstreue, Küchendragoner, » Vagantinnen, "Indifferente, Roman- 
tiſche, Müchterne, Intellektuelle. Teil 111 behandelt das pſy<0- 
pathiſche jungs Mädchen (ab S8. 82). Dieſer Teil iſt der ſchwächſte. 
Die Vorfaſſerin teilt die Pſychopathen ein in Nervöſe, Aenaſtliche 
(wobei auch das Stottern untergebracht wird!!), Willensſchwache 
und Haltloſe, Disharmoniſche, Heimwehkranke, Mädchen mit Moral 
inſanity und Hyſteriſche. Beim letzteren Typ hat ſich Elſe Croner 
verleiten laſſen, auch von der Pſychoanalyſe zu ſprechen. Sie zitiert 
Iſſerlin, Künkel, Ndler und den „Wiener Pſychiater Heller“, der in 
Wahrheit weder Mediziner noh Pſychiater iſt, EIn Pſy<olog 
aus der Schule Wundts =- und Heilpädagog. 
Im Literaturverzeichnis dürfte mancher Ceſer Süden finden. 
Ein Buch wi? das von E. Meirowsky ſollte nicht fehlen. Ohne 
Teil II und Teil III wäre das Buch rü>khaltlos für die pädagogiſche 
Praxis zu empfehlen. 
Tiling, Mad. von: „Pſyche und Erziehung der weiblichen 
Jugend. Ein Verſuch.“ 75 Seiten, 9? el). 1,65 M,., geb. 2,55 Mt. 
Verlag Hermann Beyer & Söhne in Cangenfalza, 1928. 
Buche, das ſeit 1921 bereits in ſechſter. Auflage vor- 
Einem ( ' 
; Die Arbeit 
liegt, braucht man kaum eine Empfehlung mitzugeben, 
„iedert ſich folgendermaßen: 
1. Don der Pſyche der weiblichen Jugend. 
11. Von der Erziehung und Beeinfluſſung der weiblichen Jugend, 
Novemberv/Dezember 1928 
111. Die pſychologiſche Bedeutung der häuslichen Betätigungen für 
das Mädchen im Entwilungsalter. 
Die Ausführungen der Verfaſſerin ſind durchweg ſo geiſivoll und 
feinſinnig, d daß es im Rahmen einer kurzen Beſprechung. nicht möglich 
iſt, näher darauf einzugehen. Immerhin ſei beſonders hingewieſen 
auf das 4. Kapitel des I Abſchnittes: „Sittliche und reli- 
adſe Bindungen“ Mit bewundernswürdiger Logik tritt die 
Autorin für die Beſchäftigung des jungen Mädchens in“ Haus und 
Küche ein. Sie beklagt, daß man gewöhnlich überſieht, welch eine 
formale Schulung des Verſtandes hauswirtſchaftliche Betätigung und 
Nadelarbeit vorausſetzen. Sie deutet auch an, daß wohl ein Zu- 
ſammenhang beſteht zwiſchen dem Mangel einer ſicheren Beherrſchung 
der häuslichen Betätigungen auf der einen Seite und dem Minder- 
wertigkeitsgefühl, der inneren Unfreiheit, ja der Unfähigkeit zur Der- 
antwortlichkeit auf der anderen Seite. | 
„Das Buch ſollte nicht nur in jeder Cehrerbücherei ſtehen und in 
jeder Arbeitsgemeinſchaft von Junglehrern Yerwendung finden, ſon- 
dern es wäre gut, wenn es jedem Jungmädchen beim Verlaſſen 
der Schule in die Hand gegeben würde. ; 
Tumlirz, Otto: „Die ſeeliſchen Unterſchiede zwiſchen den 
Geſchlechtern in der Reifezeit und ihre Bedeutung für den gemein- 
ſamen Unterricht." 182 Seiten, -geh. 4,20 M. Verlag Hermann 
Beyer & Söhne, 1928. 
Das Buch iſt inſofern von allgemeinem Intereſſe, als es die 
viel erörterte Frage erneut unterſucht, ob Unaben und Mädchen 
zuſammen unterrichtet werden ſollen. Tumlirz verwendete . das 
Sdqülermäterial der Grazer Koedufationsmittelſchule in der Weiſe 
zu ſeinen Unterſuchungen, daß er alle Mädchen des Realgymnaſiums 
von der 3. bis 8. Klaſſe und die entſprechende Zahl der Knaben 
heranzog. Das Buch umfaßt insgeſamt 10 Kapitel; davon ſtammen 
5 von Tumlirz ſelbſt, die übrigen von Lonar Wejr, Helmut Carſtan- 
jen, Marie 'von Brieſſen und Uta Maßun. Cumlirz kommt zu dem 
Schluß, daß vom jugendpſyc<hologiſchen Standpunkte aus kein ernſt» 
liches und weſentliches Hindernis für die gemeinſame Erziehung und 
Bildung der beiden Geſchlechter beſteht. Er gibt aber zu, daß tief- 
greifende Unterſchiede in der Grundeinſtellung .wie der intellektuellen 
Anlage beſtehen. 
Die ,Urbeit bedeutet eine Förderung der Pädagogik und ſollte : 
in die Lehrerbüchereien eingeſtellt werden. , ; 
Scheringer, Erika? - „Experimentelle Unterſuchungen über die 
anſchaulich-motoriſche Kombination (praktiſche Intelligenz):“ Mit - 
5 Abbildungen. -.108 Seiten, dazu Literaturangabe. Preis geh. 
2,40 M. Verlag Hermann Beyer & Söhne, Langenſalza 1928. 
Die Verfaſſerin glaubt nachgewieſen zu haben, daß es bei pſycho- 
logiſchen Unterſuchungen weniger, auf die zahlenmäßige Nuswertung 
der gewonnenen Ergebniſſe als auf genaue pſychologiſche Analyſe der es 
ſich vollziehenden Prozeſſe ankommt. Sie warnt vor der übermäßigen 
Anwendung mathematiſcher Methoden auf dem Gebiete des See- 
liſchen, das nun einmal nicht geeignet iſt, in quantitative Beziehungen 
aufgelöſt zu werden. 1 
Schnauber, Rolf: 
ſittlichen Fühlens.“ 64 Seiten, geh. 
Beyer & Söhne, Langenſalza, 1928. 
Der Verfaſſer iſt Fürſorger und hat ſeine Unterſuchungen an 
25 Zöglingen der Beobachtungsanſtalt Steinmühle vor- 
genommen. Die Prüfungen waren mündlich. Jeder Prüfling wurde 
einzeln vorgenommen. In ſeiner Schrift behandelt der Derfaſſer zu- 
nächſt die von der Jntelligenzprüfung Übernommenen Methoden, 
nämlich: Definitionsmethode, Unterſcheidungsfragen, BVilderteſts, 
einzelne Fragen. «Dann bringt er Beiſpiele zu den Methoden von 
Sevy-Suhl und Roth. Schließlich beleuchtet er eingehend das Ver- 
fahren nach Fernald-Jacobſohn, Das Buch wird allen AEMDSHGERE 
und jedem Anſtaltslehrer von Nußen ſein, 
Ratz, David und Ratz, Roſa: „Geſpräche 
„Der Wert der Methoden zur Prüfung des 
1,60 M. Verlag Hermann 
mit ER 

	        

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