Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 57.1928, [2. Halbjahr] (57.1928, [2. Halbjahr])

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
GEINKISTRER 
Ür. 3 
Blätter für Schulzählungen 
Nachrichtenblatt der Saupiſtelle für Sählungen im Deutſchen Sehrerverein 
Beilage zur Allgemeinen Deutſchen GLehrerzeitung 
Verantwortlich: A, Söhting, Friedrichshagen, Friedrichſtraße 50 
September 1928 
SN EESSCH EN SEGEN 
GRAL 
10. Jahrgang 
 
 
JASSSwendgTaEITEEN SEIN FE 
 
 
 
Das Yolksſchulweſen in der 
Provinz Sachſen. 
Die Provinz Sachſen iſt ein Teil des preußiſchen Staates; 
die politiſche, wirtſchaftliche und kulturelle Entwicklung 
der Provinz war bedingt durch das Werden Preußens. 
Das Sdculweſen der Provinz iſt ſomit ein Teilſtüd des preußi- 
ſchen Schulweſens, Die nachſtehenden Ausführungen, auſ- 
ged auf den Zahlen der Schulzählungen, haben nun nicht 
as Diel, das Schulweſen der Provinz und das geſchichtliche 
Werden. als Teilbild des preußiſchen Schulweſens darzu- 
ſtellen und in Dergleich zu ſetzen; es ſoll vielmehr das Eigen- 
bild des YVolfksſchulweſens der Provinz aufgerollt werden. 
| Es iſt doch ſo, daß in den Provinzen, und viel ſtärker noch 
in politiſch oder geographiſch zuſammengehaltenen Gebieten, 
neben der allgemeinen Entwitlung aller ſtaatlichen, wirtſchaft- 
lichen und kulturellen Einrichtungen, ſich eigene Weſenszüge 
'aufrechterhälten oder bilden. Zwar iſt die Provinz Sachſen als 
Ganzes,nur eine Einheit in der zuſammenfaſſenden Provinz- 
verwaltung und zum Teil im ſächſiſchen Stammescharakter; 
ſchon ein flüchtiger Bli> auf die Landkarte zeigt, daß durch 
die provinzielle Zuſammenfaſſung eine volle Einheit nicht ent- 
ſtanden iſt, Schnüren doch Unhalt und Braunſchweig den Be- 
zirk Magdeburg faſt ganz von Merſeburg ab. Die Kreiſe Erfurt- 
Stadt und -Land greifen wie eine Hand in Thüringen hinein, 
Schleuſingen und Ziegenrüc> bilden fernliegende Enklaven in 
Thüringen. Uuch die Bodengeſtalt iſt nicht dazu angetan, ein 
einheitliches Volkstum werden zu laſſen; das "ebene Land im 
Norden und im Oſten ſchafft andere Erſcheinungen im Volks- 
tum als die lieblichen Bergtäler des Harzes und der Thüringer 
Gebirge. 
Ein geſchichtlicher Rü&bli> auf 1000 Jahre deutſcher -Ge- 
ſchichte, ſoweit dieſe ſich auf dem Boden der Provinz abgeſpielt 
Hat, gibt weitere Klärung. Beachten wir hierbei die Boden- 
ſchätze der Provinz und ihre Uusnutzung, ſo rundet ſich das 
Bild ab. Der nördliche Teil des Magdeburger Regierungs- 
bHezirkes, die Nord- oder Altmark am linken Elbufer, iſt die 
Keimzelle. des brandenburgiſch-preußiſchen Staates. Hier waren 
Bodenart und Beſitzverhältniſſe die gleichen, die ſich in 
Brandenburg, Pommern und Oſtpreußen vorfanden bezw. ent- 
wickelten: Adel und Großgrundbeſitz, Bauerntum und Leib- 
eigenſchaft, Forſt= und UN&erwirtſchaft. Vur die mehr raſſen- 
reine Zuſammenſetzung der Bewohner der Ultmark ließ kultur- 
politiſch Vordſachſen nicht ganz ſo oſtelbiſch werden als die 
eigentlichen Gebiete Oſtelbiens, in denen eine bezwungene ſla- 
wiſche Bevölkerung ſich mit angeſiedelten Deutſchen miſchte. 
In dieſem landwirtſchaftlichen Gebiete. hat nur ein Plag, 
Magdeburg, ſich.zu induſtrieller und. kultureller Größe empor- 
gerungen. Zwar hatte Magdeburg ſchon ſeine Geſchichte und 
Eigenart, als es 1648 mit ſeinem Hinterland als erledigtes 
Bistum zu Preußen kam. Die Stadt in Schutt und Trümmern 
hat aber ſich recht preußiſch entwielt, mehr als das Halber- 
ſtädter Gebiet, daß auch 1648 preußiſch wurde. Dies am 
Fuße des Harzes gelegene Gebiet hat ſein mildes ſächſiſches 
- Weſen nicht durch die ſtraffe preußiſche Verwaltung verloren; 
am Rande des Gebietes der Salz- und Raliſchätze entwielie 
es ſich induſtriell; ſo. gehört es mehr zu dem Gebiet Mittel- 
ſachſens, das erſt vor rund 100 Jahren Preußen eingefügt 
wurde. Dieſer Teil Sachſen hat noch reichlich Flachland, iſt 
reich durchſetzt mit Forſt- und Ucterbaugegenden, „aber Braun- 
kohle und. Salze haben den ländlichen Charakter völlig ver- 
ändert, Dies Gebiet ſtarker Arbeiterbevölkerung, der Herd 
politiſcher und kultureller Gärung iſt andersgeſtaltig als der 
Norden. Der Süden, der ebenfalls erſt 1815 preußiſch wurde, 
im Talgebiet der Elſter, der Saale, der Unſtrut und der Helme, 
hat einen thüringiſchen Einſchlag; dex Südweſten iſt das Ge- 
biet des Eichsfeldes, begrenzt von den ehemaligen Bistiunern 
Hildesheim und Fulda. Hier greifen Luthertum und Papſttum 
ineinander, hier ſind die evangeliſchen und katholiſchen Schulen 
beieinander. 
So betrachtet, drängen ſich drei Probleme im Volksſchul- 
weſen der Provinz Sachſen in den Vordergrund: 
Dorf- und Landſchule, 
Sammelſchulen, 
Konfeſſionsſchulen. R 
Voch eine Zugabe ſoll uns am Schluſſe beſchäftigen: Uls 
Mitte der neunziger Jahre des 19.. Jahrhundert> das preu- 
ßiſche Lehrerbeſoldungsgeſetz geſchaffen wurde, entſtand dem 
alle Lehrer umfaſſenden - Preußiſchen Lehrerverein in Sachſen 
eine Gegenbewegung, die zunächſt im Provinziallehrerverband 
Sachſen zu harten Kämpfen und dann zur Gründung eines 
neuen Preußiſchen Lehrervereins. führte, der dem alten Preußi- 
ſchen Lehrervereine die Mitglieder nehmen und ihn ſchwächen 
jollte. Zwar hat- der Neue Preußiſche Lehrerverein ſein Ziel 
nicht erreicht; aber er beſteht noch heute. Wieweit hat dieſe 
Gegengründung noch Boden in der Provinz, die ſie geboren hat? 
Ehe wir uns den einzelnen Fragen zuwenden, wollen wir 
uns das Geſamtbild des Volksſchulweſens. der 
Provinz etwas näher anſehen. Da die auf den nachſolgenden 
Seiten 20, 21 und 22 gegevenzn- Zahlen fär jeden politiſchen 
Kreis aufgeſührt ſind, ſe:en zunächſt die Endſummen der Bezirke 
und die Zahlen der Provinz zuſammen- und gegenübergeſtellt, 
Entnommen ſind die Zahlen für die Jahre 1836 un? 191 den 
amtlichen Veröffentlichungen des Statiſtiſchen „Landesamtes. 
Dieſe Zahlen umſchließen die Vorfkriegszeit. Die Zahlen für 
1927 find aus dem Werk - der Staatlichen Auskunſtsſtelle Fps 
Sdculweſen: „Die öffentlichen Volksſchulen in Preußen nach 
dem Stande vom 1.' Mai 1927“ und aus den Tehrerverzeich-, 
niſſen der Bezirke Magdebura (1928/1929), Merſeburg (1928/ - 
1929) und Erfurt (1927) herausgezogen. Die Zugehörigkeit 
zum Deutſchen Lehrerverein iſt durch unſere Zählung am 
1. November 1925 feſtgeſte'lt worden. ' € 
Es waren gezählt in den Jahren 
Volksſchulverbände: : 
LIEN 
 
 
im Bezirk ) 1886 1927. 
in der Provinz; ; 
MT M EEE R 090 . 956 948 
Merſehurs "+ 2.8. 2. 4495... 1.226 1,227 
Erfurt +0 421 410 310 
) 45606 2592 2 585 
Volksſchulen: ; / 
Magdeburg « x x» s 1055 1059 4,079 
Nierſeburs + x x a 1249 1 306 1.305 
Erfurt 47% 4,39 451 4,66 
' 2 745 2816 2 850 
Klaſſen: ENE 6 HRE 
magdeburg. z x s 2501. 3 631 MEN ENERG 
Merſeburg < 2 4 2844 :4, 254 4 322 
GEB FDEA ER CARS IMSESDUEL 71 1619 1.667 
6 476 9 504 9 69) 
 
 
 
 

	        

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