Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 58.1929, [1. Halbjahr] (58.1929, [1. Halbjahr])

 
 
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Serausgegeben vom Dentſthen Cehrerverein 
Derlag und Geſchäftsſtelle» Berlin WS5, Potsdamer Straße 115. 
 
 
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Haus 2. Sernruf: B 1 8130/8151 
Yorantwortlicher Schriftleiter: Geo Raeppel, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 115, Haus 2. Sernruf: B1 8130/8131 
 
 
 
 
 
   
 
 
  
 
 
 
 
  
 
58. Jahrgang - Berlin, den 10. Jantat 192 Nummer 2 
Inhalt: Jugendwohlfahrizaufgaben der Cehrerſchaft und Jugendwohlfahrt in der Geſetzgebung. == Schule und Reichs-Unfall« 
verhütungs woche. (RUWo.)' =-- Die Lehrer Frankreichs und die Völkerverſöhnung. = Als Austauſchſchüler in Frank 
reich. == Rundſchau. == Wirtſchaftliche Fragen, =- Verſchiedenes. =- Anzeigen, 
 
Jugendwohlfahrtsaufgaben der Cohrerſchaft und Jugendwohlfahrt in 
der Geſetzgebung. 
O. Dreßler, Berlin, 
Die noue Hauptſtelle für Jugendwohlfahrt im DLV. hat 
kürzlich in ihrer erſten Sizung über ihren Aufgabenkreis, der 
ihr durch die Verhandlungen der Vereinzaufgabe „„Jugend- 
wobhilfahrt im Rahmen der Shulerziehung“ auf der deutſchen 
Kebrerverſammlung zu Düſſeldorf 1927 und der für ſie auf 
der Vertreterverſammlung in Braunſchweig 1928 beſchloſ- 
ſenen Geſchäftsordnung gezogen iſt, beraten. Herr Genſ<- 
Berlin hatte ſeinem einleitenden Yortrag die nachſtehenden 
Ceitſjäße zu Grunde gelegt. 
LZ 481: % | 
Die Jdees der Wohlfahrtspflege, beſonders der Jugendwohlfahrt, 
muß Genteingut des deutſchen Volkes werden. Allgemeine DVerpflich- 
tüna zur täticen Anteilnahme am Wohl des Mitmenſchen muß ſich 
mit dem Willen des einzelnen als Kraft zur Selbſthilfe vereinen. 
Hilfe aller für alle kann das Ergebnis einer langen Erziehungs- 
arbeit ſein. . Schule und Lehrerſchaft bedürfen einer dauernden Be- 
einfluſſung, um durch Vertrautheit und Verbundenheit mit dem 
Wohlfahrtsgeſchehen und Wohlfahrtsbeſtreben zum ſteten Wachſen 
der Wohlfahrtsidee beizutragen. 
Klärung und Wegbeſtimmung werden erreicht, wenn die Geſeß- 
gebung auf. dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, ihr Verwaltungs» 
apparat und die praktiſche, Wohlfahrtspflege zur Schularbeit plan- 
mäßig in Beziehung gebracht, ihre gegenſeitigen Bedingtheiten und 
- Förderungsmöglichkeiten erwogen, die Hemmungen erkannt und die 
Gleichrichtungen ermittelt werden. 
| II. Geſeßgebung. 
Die Geſetzgebung ſoll Ausdru> des Volkswillens zum .Volks-. 
- wohl ſein. Wenn ſie ſich auf die Erziehung bezieht, hat die Lehrer-| 
ſchaft die Pflicht, die von ihr als zwingend empfundenen Notwendig- 
- keiten zur Geltung zu bringen. ARE RIN ER ESL M SUCH? 
- .. Das kann geſchehen durch Aufforderung zu Materialſammlungen 
. in Sehrerzeitungen und -verſammlungen, um allgemeine Unteilnahme 
. der Lehrerſchaft und weiterhin der. breiten Oeffentlichkeit an bren- 
: nenden Fragen der. Wohlfahrtsgeſezaebung herbeizuführen. 
Die Schüle iſt theoretiſch und praktiſch in der Geſetzgebung als 
lebendiges Glied. der Wohlfahrtspflege einzuſetzen. ; 
| Die NAuswirkungen der „Wohlfahrtsgeſetze äußern fich in jeder 
Schule; ſtändige Beobachtungen laſſen Mängel und Lüden deutlich 
erkennen und weiſen die Richtung für Neugeſtaltung von Geſetzes-. 
vorſchriften und. Ausführungsbeſtimmungen, k 
II]. Jugendwohlfahrtsbehörden. 
Der Verwaltungsapparat der Jugendwohlfahrtspflege kann nicht 
' die Maſſe erfaſſen, wohl aber kann das die Schule.“ Die Sicherung 
des Jugendwohls verlangt Unterſuchung der Struktur aller mit der 
Jugendwohlfahrt betrauten Behörden, einſchließlich der Schulbehör« 
den, 'um Einſeitigkeiten oder gar Schädigungen der Jugend zu 
vermeiden. Die „verſchiedene „Zuſtändigkeit in Jugendwohlfahrts- 
angelegenheiten, die die Schule angehen, bedürfen einer entſchiedenen 
Gleichrichtung. GRIS : 
IV. Praktiſche Jugendwohlfahrtspflege, 
Die geſamte amtliche Wohlfahrtsarbeit in den verſchiedenen 
- “Behörden muß in 'enger Verbindung ſiehen,-unbeſchadet. des -Grund» 
ſatzes der Arbeitsteilung. Für gegenſeitiges Verſtändnis und wechſel 
pädagogiſchen Fachpreſſe müßten geſammelt werden. 
- Menſchentumspflege freten kann. 
 
ſeitige Hilfe ſind die beſtehenden Maßnahmen auszubauen, beſonders 
müßte das Wiſſen umeinander gepflegt werden, Mechaniſierung der 
Jugendwohlfährtsarbeit durch Sdcilüſſelung kann durch Aufträge an 
die Schulen, die NVotſtände zu ermitteln, vermieden werden. Die 
wichtigſte Zukunftsarbeit iſt Zuſammenhang zwiſchen der Ausbildung 
der Lehrer und der Wohlfahrtsbeamten. . 
Der aroße Umfang der freien Wohlfahrtstätigkeit könnte dur 
einen Zeitungsdienſt mit kleineren auffallenden Mitteilungen der 
Cehrerſchaft deutlich gemacht werden. Mit den Trägern weiterweiſen- 
der Ideen auf den Gebieten des körperlichen und des geiſtigen Volks» 
wohls hat die Lehrerſchaft zumeiſt enge Fühlung (Volksbildung, 
Jugendpflege, Dolksgeſundheit, Kampf gegen den Ulkohol, Kampf 
zegen das Minderwertige. in. Buch, Bild und Ton). Ausbreitung 
dieſer Idee auf die Naſſe der Lehrenden würde der Sdqzule und dem 
Volkswohl in gleicher Weiſe nüßen. Se 4 4 
Die in der Oeffentlichkeit nahezu unbekannte ZP DVID0EN 
Schuleund der Lehrerſchaft auf dem Gebiete der Wohl- 
Fahrtspflege verdient Herausſtellung. Mertlich ſollte über dieſe Schul- 
und Lehrervereinstätigkeit zuſammenfaſſend in der Preſſe berichtet 
werden. ; : M SEEL IEAGS 
Ulle Veröffentlichungen Über Jugendwohlfahrtspflege in der 
28 Vt Die Schule, ; ER IE 
Die Jdee der Jugendwohlfahrt muß beſtimmend ſein für Schul- 
„form und Sdularbeit. . Schulreformpläne haben von der Jdee der 
'Jugendwohlfährt auszugehen. In der Schularbeit müſſen die beiden 
'Grundſätze der Jugendwohlfahrt durchgeführt werden: Umweltein«- 
ſtellung auf die Erziehung und Hilfe zur Selbſthilfe. ; ; 
Es bleibt zu unterſuchen, wie an Stelle der Kulturvergötterung 
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- „Zur Erreichung dieſes Ziels iſt durch die Urbeitsſchulidee ein 
„Anfang gemacht worden. Fühlenlaſſen des geiſtigen Menſchenelends 
"und Hervorheben der wohlfahrtsbetonten Kräfte in dem neuen Lehr- 
verfähren der Schule ſind Urbeitsmittel dazu. 
- "Es gibt- keine- Einrichtung, die auch nur annähernd in dem 
Umfange an die. Jugend. des Yolks herankommen, in ſie 
und dadurch auch in die einzelnen Familien hineinblicken „und 
. wirken kann, wie die Volksſchule. 'Auch die Wohlfahrts- und 
“Jugendämter Haben nicht entfernt die Gelegenheit, jene Ein- 
. fühlung mit der Jugend zu gewinnen, wie ſie die Schule und 
"dadurch. die Lehrerſchaft beſikßen, oder wie ſie von ihnen ge- 
wonnen werden kann. Zahlreiche“ Lehrer, Schulen, Lehrer- 
- vereinigungen und Lehrervoreine haben von jeher die vor«- 
handenen Möglichkeiten jugendpflegeriſch ausgenußt, und viel- 
fach. ſind von ihnen Fäden geſponnen worden zwiſchen ihrer 
. -Jugendwohlfahrtsarbeit und 
der amtlichen Tätigkeit der 
Jugend- und Wohlfahrtzsämter. Die bisher an vielen Orten 
und. Stellen geleiſtete Arbeit gilt es nun durch die im DLV. 
'versinigte Lehrerſchaft planvoll zuſammenzufaſſen. Um das 
zu können, wird zunächſt eine Feſtſtellung über die Teilgebiete 
des großen -Arbeitsfeldes zweckmäßig ſein. Es muß gewiſſer- 
maßen eine Beſtandsaufnahme ſtattfinden Über. die Aufgaben, 
„die 'bisher Hier und dort von der Lehrerſchaft. und" der Schule 
„bereits.in Angriff genommen ſind, und. die Pflichtenkreiſe der 
Jugendämter und Wohlfahrtsbehörden. Notwendig iſt, daß 
 
 
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. IM 
M EIUES 287 297: 
DS Zig 

	        

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