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Allgemeine Deutſch
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Zerausgegeben vom Deutſchen Sehrerverein
. : Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W 55, Potsdamer Straße 113, Haus 2, Sernruf: B 1 8130/8131
Leo Raeppel, Berlin W 35, Potsdamer Straße 115, Haus 2.' Sernruf* Bl 8130/8151
Derantwortlicher Schriftleiter:
Inhalt; Gegen die Droſſelung der Kulturausgaben. -- Exzielie
Fragen, =- Deutſcher Cohrerverein, == Verſchiedenes.
Gegen die Droſjjelung
17 Sehr ſelten, nur im äußerſten Notfalle, lädt der DLVY, ſeine
Nitglieder zu außerordentlichen Tagungen, um ſich in be-
ſonderer Willensbekmidung an die Oeffentlichkeit zu wen-
0 Er pflegt das außer ſeinen regelmäßigen jährlichen
eranſtaltungen in der Pfingſtwoche mur dann pflichtgemäß
zu tun, wenmn auf dem Gebiete des Bildungs- und Schulweſens
efahr im Verzuge iſt, wenn es gilt, die Mitglieder und die
Gefal Veffentlichkeit zu erhöhter Wachſamkeit zu mahnen.
Zeſahr iſt im Verzuge! Welcher aufmerkſame Beobachter ſtaat-
DE und gemeindlicher Sparmaßnahmen will leugnen, daß
em deutſchen Bildungsweſen ein unermeßlicher Schaden droht?
DL eaeorſondere die deutſche „Volksſchüle“ in S5 ZUE
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bibel“ is en DIEN ſoll? Di Dee MERE EE
Mes Rei tSſpar ommiſſars „über N ſſen 1 REER
DÜR E nan vergegenwärtige ſich die vielen Sparvorjchläge
) ſonſt bildungsfreundlicher Gemeinden und man ſteht er-
SEIEN einem tiefen Bildungsabgrund, der dem Heran-
Neven Geſchlecht bereitet werden ſoll. Die Spardik-
Geſundt fragen nicht danach, ob ſolche Sparmaßnahme die
MNSSESE der Jugend ſchwächt, die Minderung der Bil-
damit Ww iK ihre zukünftige Coiſtungsfähigkeit gefährdet und
Deutſc dem wirtſchaftlichen und nationalen Wiederaufſtieg
Uchlands unüberwindbare Schranken ſekt. Man will ſparen,
M en jeden Preis und keinen Halt gebieten den Zugriffen
verb 2 Due Rulturausgaben. Als vor Jahren die Spihzen-
gegeb M ver deutſchen Wirtſchaft in der von ihnen heraus-
UH äpeE Schrift „Die deutſche Verwaltungs- und Verfaſ-
; Eu: än Zahlen“ mit nicht mißzuverſtehender Deut-
Kunſt "vr die hohen Ausgaben der Länider für Yolfsbildung,
NEE und Wiſſenſchaft verwieſen und den erhobenen Zeige
ÄL auf den Rultuzetat ſenkten und bemertten, daß auch
IEE AGEN zahlenmäßig größere Erſparnijje geſucht und ev-
de - werden müſſen“, da konnte man ſchon. ahnen, daß
6 Vielſagenden Andeutungen bald entſprechende Taten
ME erdent. Und ſchneller, als die Leſer es damals vielleicht ;
alle x; n beunruhigt jekt die rauhe Wirklichkeit des 408
angeſ n ur- und bildungsfreudigen Zeitgenoſſen.“ Gewiß, die
BAUS an und ſchwierige Finanzlage zwingt zur ſpariamen
- IT Mg au in den öffentlichen Ausgaben. Aber man
Hef €: Ein volſes Drittel der Geſamterſparms ſoll in
ſen am Kultuszetat erſpart werden, in Thüringen ſollen nicht
Mer als. zwei Drittel der vom Sparkommiſſar veran-
eſe Erſparniſſe durch Minderausgaben boi der Sdqule
Ph opa werden. „Gegen die unſachliche Beſchränkung und
i M EEN ee ſug der Kulturausgaben vor aller Oeffent-
TURE ärfſten Proteſt einzulegen, das war Simn und Zwo
er Kundgebung.
Die 0 jetzt rückſchauend und vorſichtig urteilend den
Sten DIN überblicken, ſo worden wir ſie einordnen
anſtalt SN NUE ſtattliche Reihe unſerer wohlgelungenen Ver-
DiE hie Eine große Zahl von Kollegen war" der Eni-
Gübſ SI PELZ QUE = und nicht nur aus Berlin. Son-
DaÜpfaugta die Tatſache, daß außer den 50 Mitgliedern des
WEER KESN der als der' eigentliche Träger dieſer macht-
EUE-BE undgebung anzuſehen iſt, noch Hunderte von Kollegen
wre Danne und ferneren Gauen des Deutſchen Reiches
ein db geeilt waren, gab der ſtarkbeſuchten Proteſtverſammlung
eſonderes Gepräge und eine erhöhte Bodeutung, Uag
Berlin, den 27. März 1930
Nummer 13
und erwünſchte Fortſchritte in der ländlichen FSortbildungsſchule.
== Wie in Frankreich die öffentliche Meinung gegen die Lehrerſchaft aufgereizt wird, =-' Rundſchau, == Wirtſchaftliche
= Anzeigen. =- Uls Beilage: Bücherſchau Ur; 5.
ESG
der Kulturausgaben!
auch bange Sorge um die Erhaltung der eigenen ſchmlfort-
ſhrittlichen Errungenſchaften ſie nac Berlin geführt haben,
ihr Kommen beweiſt doch, daß ſie bereit ſind, in enger Veyps
bundenheit mit der Leitung des Deutſchen Cehrevvereins dein
gleichen bildungsfeindlichen Gegnern entſchieden entgegen-
zutreten,
In großer Zahl ſind auch Einladungen an Behörden des
Reiches und der Länder hinausgegangen. Es wurden ferner
damit bedacht die Fraktionen des Reichstages und dos
Preußiſchen Landtages und Abgeordnete beider Volksvertre-
tungen, die ſich aus Beruf und Neigung mit
Kulturfragen beſonders beſchäftigen. Eingeladen waren
auch die Städte- und Landgemeindeverbände, die befreundeten
Cehrervereine und die Berliner Tageszeitungen. Viele ſind
der Einladung gefolat und haben dur ihre Teilnahme oin
erhöhtes Intereſſe bewieſen. Ihnen gebührt der bejondere
Dank des Deutſchen Lehrervereins.
Ohne hier im einzelnen auf die Ausführungen der Redner,
die anſchließend an die einleitenden. Bemexkungen im Wort»
laut folgen, einzugehen, ſei do) erwähnt, daß ſich- alle -der
an ſie geſtellten Aufgabe mit großem Geſchick, anerkennenz-
werter lEntſchiedenheit und hinreißender Hingabe entledigl
haben. So. verſchieden im beſonderen die von ihnen behan:
'delten Fragen auch angefaßt und beleuchtet wurden, der Tenor,
der leitende Grundgedanke jeder Rede war die bange, uns
und alle Schul- und Kulturpolitiker zutiefſt berührende Frage:
Wohin ſoll das kulturpolitiſche Steuer gerichtet ſein? Was
ſoll aus der heutigen, in vielem a ſo armen Jugend werden,
wenn jene rü>wärtsgerichteten Schulabbauabſichten Wirklichkeit
worden? Denn das hat die Verſammlung am Sonntag im
Borlinerx Cehrervereinshaus mit unverkennbarer Eindeutigkeit
gezeigt, daß der „RKultur-Gutachter“ des Reichsſparkommiſjars
und ſeine Gönner und Freunde ſich nicht begnügen =- vielleicht
nit einmal in erſter Linie ſic begnügen wollen mit mög
liden Sparmaßnahmen, ſondern daß es ihnen vor allem darum
geht, den vorwärtzweiſenden ſchulpolitiſchen Wegweiſer in den
außerpreußiſchen Ländern mach. rückwärts zu drehen, die
ſchulfortſchrittlichen Errungenſchaften in ihnen nach alt-
preußiſch-geheimrätlicher Art abzubauen. Man muß ſich nur
wundern,- Daß freiſtaakliche Länder ſich überhaupt einen
ſolchen rückſtändigen „Kultur-Gutachter", der zur nouzeitlichen
und kildgemäßen Sdulreform au? nicht das geringſte Yer-
hältnis gewonnen hat, gefallen laſſen. Dieſer Tendenz, dieſoin
Svſtom gilt unſer Kampf!
„Ju Seiten der Not hat zuerſt das Kind Anſpruch auf
Hilfe!“ Der Grundgedanke dieſes Satzes der Genfer Deklara-
tion, den der Vorſikende mehrmals in ſeiner Rede und noh
ganz beſonders in ſeinem Schlußſaß zu der Tagung unterſtrich,
war beſtimmend für die Yerſanmnlung, der vom Hauptäus-
ſa>uß vorgelegten Entſchließung einmütig zuzuſtimmen:
Der Deutſche Cehrerverein verkennt nicht, daß die ſchwere
wirtſchaftliche Not Deutſchlands zu erhöhter Sparſamfeit in
den öffentlichen Haushalten zwingt. Sparmaßnahmen aber
die die Bildungshöhe des deutſchen Volkes mindern und dei-
mit ſeine zukünftige Leiſtungsfähigkeit gefährden, verdienen
ſchärfſte Zurü&weiſung. CIE
Die Heraufſebuyng der Klaſſenbeſebungsziffer, die Rüp-