Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung : pädagogische Zeitung ; Hauptblatt des Deutschen Lehrervereins. - 59.1930, [1.Halbjahr] (59.1930, [1. Halbjahr])

 
| Allgemeine 
 
 
„99. Jahrgang 
BEE 5 dt, 
Schulfragen auf der Generalſynode der Rirche der altpreußiſchen Union. 
 
 
 
Berlin, ven 3, April 1930 
Deutſche Sehrerzeifung 
Serausgegeben vom Deutjihen GSehrervereim 
NE Verlag und Geſchäftsſtelle: Berlin W 35, Potsdamer Straße 113, Haus 2. 
„erantwortlicher Schriftleiter? Leo Raepvel, Berlin !D 35, Potsdamer Straße 113, Haus 2. Fernrut B1 3130/8151 
Fernruf: B | 8130/8131 
 
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Nummer 14 
 
Inhalt: Schulfragen auf der Generalſynode der Kirche der altpreußiſchen Unton, =- Weſpenneſt, == Zum hundertjährigen Geburts5- 
tage Kehrs,. =- Rundſchau, =- Wirtſchaftliche Fragen. == Verſchiedenes, == Anzeigen. 
 
9. DIM 22. Februar bis zum 12. März tagte in Berlin die 
EBT nichs Generalſynode der Rirche der altpreußiſchen 
aon, Die Wirkung ihrer Beſchlüſſe reicht, da ſie die größte 
Mmm gelſſchen Candeskirchen iſt, weit über die eigenen 
altun grenzen hinaus; ſie wird beſtimmend für die geiſtige 
evan " und diplomatiſche Führung des geſamten kir<hlichen 
geliſchen Deutſchland. Daß die Beratungen über den 
. St .“+k.>». 4“ , 
„Itqatsvertrag“ und die „Ordnung des kirchlichen Lebens" 
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gleicherzeit im Mittelpunkte der Verhandlungen ſtanden, war 
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n Dufall, ſondern kennzeichnete die kirchliche Lage: Kampf 
um 3u6 ( 
joſe Dere Sicherung und innere Feſtigung! Derengen wir 
ird DEE aufs Geiſtige =- Freiheit und Bindung =- ſo 
BEL deutlich ein Ringen geſetzgeſtaltender Kräfte 
evangeliſch aſis unſicherer oder zumindeſt verſchiedenartiger 
vangeliſcher Grundhaltung. Das ließe ſich bis in Einzelheiten 
-QUne ; EHEN . 
in bei allen wichtigen Entſcheidungen nachweiſen (Staats- 
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face Kirchliche Lebensordnung, Geſetz über Verſetzung der 
des 175 He Intereſſe der Kirche, ſoziales Geſet, Ublehnung 
der win rneitenſchutzes, Schulfragen u. a.). Daß ſich hierbei 
ei der e der Orthodoxie maßgebend zur Geltung brachte, war 
von 19:9 ſammenſetzung der Synode, die ſich kaum von der 
Poſitive Wu IAN zu erwarten (143 Konfeſſionelle und 
er freie It: 64 Dolksk?. Evang. Vereinigung, 22 Freunde 
lehrerſcha M PrPetzee): Sämtliche Fachvertreter der Religions- 
(Volksſh, 1 Vollmann - Altendorf/Ruhr, Oberhaus - Berlin 
Dir. Di hl en), Kain-Berlin (Mittelſchulen) und Ob.-Stud.- 
en BE -Potsdam (höhere Schulen), hatten ſich den „Freun- 
Er freien Volkskirc<he“ angeſchloſſen. 
glieder) Verhandlungen des Erziehungsausſchuſſes (28 Mit- 
„ncht 3 waren vertraulich. Dieſe Verengung des Beäöriffes 
nicht witontlih", einen andern kennt die Geſchäftsordnung 
er M nin ſchon ſtändige Regel geworden. Der Austrag 
WBB Dingen do< nicht unerheblichen Meinungsver- 
Einzelfragen“ wurde dem Plenum entzogen. Faſt ſämtliche 
<ft agen der kirchlichen Schulpolitik, die ſchon 1927 gründ- 
; Up en eitten wurden und zu Entſchließungen im Plenum 
d 8 DUCHEENR erneut im Erziehungsausſchuß verhandelt: 
dentiſch ulgeſetz- Forderung, Sammelſchulen, Anſtellung diſſi- 
ie Lehrkräfte, Unterſtellung evangeliſcher Schulen unter 
EE die der evangeliſchen Kirche und der evangeliſchen 
hte dung ablehnend 'gegenüberſtehen, die Frage der Ein- 
gions, Mme in den Religionsunterricht, Einführung des Reli- 
Danna vericht an den. Berufs-(Fortbildungs-) Schulen, Er- 
Pi n humaniſtiſcher - Gymnaſien, hebräiſcher Unterricht, 
ibu! Aulen, Pädagogiſche Ukademien, pädagogiſche Durch- 
und 3 der Pfarrer, Ürbeitsgemeinſchaften zwiſchen Lehrern 
AE REIRENS Den Verhandlungen lag zugrunde der gemein- 
kirche ericht des Kirchenſenats und des Evangeliſchen Ober- 
Zie Lees (Abſchn. VIII Kirche und Schule). Da der Er- 
Hatte gsausſchuß faſt die gleiche Zuſammenſetzung wie 1927 
2 und neue Probleme nicht zur Ausſprache ſtanden, hatte 
Betone Ausſchußdebatte mehr den Charakter ſachlicher Er- 
AWR Mea den des Kampfes, Auch die Taktik hatte ſich 
Jeiti vt es war ein Abtaſten auf Veränderung der gegen- 
vegenſei Stellung, darüber hinaus ein warmes Werben um 
S 95 Verſtändnis aus den Grundeinſtellungen heraus. 
wWindenes aber mehr ein 'Veberzeugenwollen als ein Ueber- 
ip ps önnen. So ergab ſich keine weſentliche Veränderung 
in vont von 1927; die „damalige „Vertrauenskundgebung“ 
„ „Sorm der Kirchenſenätsrichtlinien' erwies ſich als Fehl- 
 
 
ſchlag. So drängte die Frage der Einſichtnahme mit in den 
Mittelpunkt der Debatte. Man hatte den Eindrud> einer letzten, 
ſ&weren und ernſten Ueberprüfung. Ergebnis: Die Rriſe 
bleibt, VTI] zwangsläufig zur Machtprobe. Die Kirche 
ſteht zu ihrem Wort! Das Recht der Einſichtnahme ſoll in der 
Regel der evangeliſche Schulrat erhalten; das Beſuchsrecht des 
Generalſuperintendenten bleibt unberührt. Die Verhandlungen 
mit dem Staate über eine vorläufige Regelung des Derhält« 
niſſes zwiſchen Schule und Kirche auf der Baſis der Kirchen- 
ſenatsrichtlinien ſind im Gange, 3. Zt. allerdings infolge der 
| Staatsvertragsverhandlungen unterbrochen. 50 wird in nicht 
zu ferner Zeit die Entſcheidung fallen. Die evangeliſche Reli- 
gionslehrerſchaft wird bis dahin zu handeln haben. Die Situg- 
tion iſt bitter ernſt; im Hintergrunde droht die Kataſtrophe 
des inneren Bruches zwiſchen Religionslehrerſchaft und Kirchel 
Der ganze Fragenkomplex, der mit der reichsſchul- 
geſetzlichen Regelung zuſammenhängt, ergab nach 
langen Verhandlungen folgende Entſchließungen, die im 
Plenum, mit großer Mehrheit angenommen wurden: 
1. „Unbeirrt durch das abermalige Scheitern der Verhandlungen 
über ein Reichsſchulgeſetz fordert die Generalſynode im Bli auf. die 
mannigfachen untragbaren Zuſtände auf dem Schulgebiete die in 
der '. Reichsverfaſſung vorgeſehene reichsgeſetzliche Regelung. des 
Schulweſens, die unter ſorgſamer Wahrung der verfaſſungsmägig 
allen gewährleiſteten Gewiſſensfreiheit «und. unter Anerkennung der 
Elternverantwortung für evangeliſche Kinder die evangeliſche Schule | 
ſichert. : 
Die Generalſynode ſieht in dem im Evandelium wurzelnden 
geſinnungseinigen Erzieherwillen von Eltern und Lehrern die ſicherſte 
Gewähr für eine gedeihliche Erziehung evangeliſcher Kinder, "Sie 
ruft im beſonderen die evangeliſche Elternſchaft auf, ihrer Verant- 
wortung vor Gott bewußt ihren Kindern den Segen des evange- 
liſchen Hauſes zu erhalten und ſich für die Sicherung und Förde- 
rung der evangeliſchen Schulerziehung nachdrüclich einzuſetzen. 
2. Die Geteralſynode verlangt, daß bis zum Erlaß eines 
Reichsſchulgeſetzes . die beſtehende Rechtslage auf dem Sdculgebiete 
gem. Art, 174. der Reichsverfaſſung unangetaſtet bleibt. Sie nimmt 
mit ernſter Sorge Kenntnis von der ſchweren Erſchütterung des 
Schulfriedens durc) die immer weitergehende Einrichtung von 
Sammelklaſſen und Sammelſchulen („weltlichen Schulen“), deren 
Grundlage die Schulverwaltung ſelber äls „rechtlich nicht unbedenk- 
lich" anſieht, und von der Bedrohung des <riſtlichen Charakters 
der evangeliſchen Schulen durch die rechtlich anfechtbare Belaſſung 
von diſſidentiſchen Coehrkräften an ihnen. 
Sie beauftragt den Kirchenſenat, zu prüfen, auf, welche Weiſe 
ſich die Sicherung der im Volksſchulunterhaltungsgeſez gegebenen 
Rechtsgrundlagen erreichen läßt. 
von der evangeliſchen Elternſchaft erwartet ſie zuverſichtlich, 
daß ſie ſich allen Werbungen für. die Sammelſchulen widerſetzt und 
ihre Kinder vor den Gefahren einer religionsloſen Erziehung be- 
wahrt, 
3. In Vebereinſtimmung mit der Auffaſſung pädagogiſcher 
Kreiſe ſieht Generalſynode die wichtiaſte Nufoabe des Schulrats in 
der wirkſamen Pflege und Förderung der Arbeit der Schule. 
Sie folgert daraus, daß evanaeliſche Schulen grundſätzlich 
evangeliſchen" Schulräten zur Betreuung zu überweiſen ſind und 
fordert demgemäß, daß bei der Auswahl der fachmänniſch vorge= 
bildeten Schulaufſichtsbeamten auf die Art der ihnen unterſtellten 
Schulen jede mögliche Rückſicht aecnommen werde. 
Die Uebertragung der ſtaatlichen Aufſicht über den evängeliſchen 
 
 
 
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