Full text: Prinzenerziehung - Schulberichte (7)

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Gymnasien dagegen die bedeutendsten 
engliSschen Dichtungen in Übersetzungen zu 
verarbeiten haben. Ganz besonders aber 
muſs betont werden, daſs die dJlatein- 
loszen höheren Schulen in Bezug auf die 
Berechtigungsfrage einen bedeutenden Fort- 
Schritt zu verzeichnen hatten. Daraus folgte 
auch Sofort eine gewaltige Zunahme der- 
Selben, während qdie Realgymnasien 
wiederum jeer ausgingen und deshalb in 
ihrer Zahl Sanken, noch mehr natürlich die 
Realprogymnasien. Zu den 49 lateinlosen 
Schulen vom Jahre 1882 waren bis 1890 
nur 9 hinzugekommen, während 1897 ihre 
Summe mit Einschluſs aller begonnenen 
Umwandlungen bereits 120 betrug. Die 
realgymnasialen Anstalten waren dagegen 
von 176 auf 115 gesunken, während die 
gymnasSialen von 262 auf 279 gestiegen 
waren. Ausdrücklich war von der De- 
zemberkonferenz 1890 beschlossen worden: 
»Bei der unumgänglich notwendigen Neu- 
regelung des Berechtigungswesens iSt zu 
erstreben, daſs eine möglichst gleiche Wert- 
Schätzung der realistiScchen Bildung mit 
der HhumanistiScchen angebahnt werde.« 
Dadurch wurden Gie 3 
gleichwertige Gymnasien nebeneinander ge- 
Stellt, und es war zu hoffen, dals diese 
möglichst gleiche Wertschätzung bald darin 
ihren äufseren Ausdruck Findet, dals allen 
3 Arten der Gymnasgien alle Berechtigungen 
zugestanden wurden. In der Folge wurden 
die Ergänzungsprüfungen, denen Sich die 
Abiturienten der Realanstalten zu unterziehen 
hatten, um die Rechte der Gymnasial-Abi- 
turienten zu erlangen, wesgentlich erleichtert. 
Auch waren Sie ja auf der Stufe der 
Abschluſsprüfung fast vollkommen gleich 
gestellt. Bezüglich der gymnasialen Reife- 
zeugnisse Sind die für die ZulasSung zum 
Studium an technischen Hochschulen vor- 
behaltenen besonderen Bestimmungen nicht 
getroffen worden. Aus allen diesen An- 
zeigen Schien der Schluſs nicht unberech- 
tigt zu Sein, daſs alle Beschränkungen bald 
zu verschwinden hätten. 
H. Jetziger Zustand. Diese Hoffnung, 
dais nämlich die Berechtigungsfrage nicht 
mehr von kleinlichem, engherzigen Stand- 
punkte, Sondern von grofsem Gesichts- 
Vollanstalten alis | 
; Schul- 
 
Realschulwesen in Deutschland 
hatte Sich hier und da die Erkenntnis 
Bahn gebrochen, daſs das Gymnasialmono- 
pol nicht mehr zu halten Sei, ja daſs es 
für die altsprachlichen Lehranstalten Selbst 
besser Sei, wenn es aufgehoben würde. 
Von diesem Gezeichtspunkte aus hat Paul 
Cauer Schon Seit geraumer Zeit die Gleich- 
berechtigung der höheren Lehranstalten in 
Wort und Schrift lebhaft verteidigt, und 
andere Gymnasialmänner Schlossen Sich 
dieser Forderung an. Paulsen hat Sich 
auf der Dezemberkonferenz des Jahres 
189i deutlich dahin ausgesprochen, daſs 
der Zwangskurs für die altklasSiSche Bil- 
dung nicht von Segen Sei. Auch Bonitz war 
Schon 1882 für Gleichberechtigung. Aber 
auch besondere Vereine verfolgten nebenbei 
lebhaft dieses Ziel, SO der Verein der 
Ingenieure und der Verein für Schulreform. 
Selbstverständliche Forderung war es für 
den Realschulmänner - Verein und für den 
Verein zur Förderung des dlateinlosen 
| höheren Schulwesens. Der gediegene Vor- 
trag des damaligen Gymnasgialdirektors 
Dr. Matthias in Düsgeldorf auf der dortigen 
Hauptversammlung des letztgenannten Ver- 
eins: »Die Gleichwertigkeit der Oberreal- 
und der Gymnasgialbildung« am 
10. Oktober 1897 Scheint von besonders 
eingreifender Wirkung gewesen zu Sein. 
Eine Petition von Professoren an Tech- 
niSchen Hochschulen und an Universitäten 
wurde dem Kaiser eingereicht, der nun 
im Sommer 1900 eine neue Schulkonferenz 
zusammentreten lieſs. Vorher hatten die 
reiormfreundlichen Vereine in einer Dbeson- 
deren Veranstaltung in Berlin die Gleich- 
berechtigung als notwendig hingestellt, und 
auch der Gymnasgialverein hatte beschlossen, 
der Gleichberechtigung nicht entgegen zu 
Sein. 
In der Schulkonferenz vom 6. bis 8. Juni 
1900 in Berlin wurde nun an erster Stelie 
mit 31 gegen 3 Stimmen folgender Beschluſs 
gefalst: » Wer die Reifeprüfung einer neun- 
klassigen Anstalt bestanden hat, hat damit 
die Berechtigung zum Studium an den 
Nochschulen und zu den entsprechenden 
Beruiszweigen für sämtliche Fächer er- 
worben.« Ganz besonders hatte noch für 
das Zustandekommen dieses Grundsatzes der 
punkte aus gelöst würde, ging Sehr baid, Professor an der Technischen Hochschule 
ja überraschend Schnell, in Erfüllung. Auch ; 
aui der Seite der Vertreter des GymnasSiums ; 
in Charlottenburg, Geheimrat Slaby, ge- 
wirkt. |
	        
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