Full text: Handbuch der Schulhygiene - 2 (1900) (2)

312 Ausschlusa vom Schulunierricht, Schliessung der Schule, 
unterbrechen, oder den Schluss der Schule zu bedingen vermögen. 
Gewiss Sind beide Mnassregeln keineswegs ſür den Unterricht er- 
SpriesSlich, und man wird gich namentlich zu der letzteren erst nach 
reiflicher Brwägung der VYerhältnisse entschliessen. Wenn irgendwo, 
80 tritt Iner die Nothwendigkeit ärztlichen Beirathes für die Schule 
hervor und die hygienischen Interesgen Scheinen den pädagogischen 
entgegenzutreten; doch ist auch hier dies nur Scheinbar. Thatsäch- 
lich Sind die Interessen gemeingame, da Ja nur Schüler von dem 
Unterricht abgehalten werden, welche denselben durch ihre Gegen- 
wart Stören und mutzlos machen würden, und überdies Gefahren für 
die Gesundbeit fern gehalten werden, während diese doch das wich- 
tigste Erfordermiss eines gleichmässig fortschreitenden fruchtbaren 
Unterrichts ist. -- Die Schliessung .der Schule kann in letzter Linie 
tür den Zweck des Unterrichts genau 80 nothwendig werden, wie für 
den der Bewahrung der Gesundheit der Schulkinder, da das längere 
Ausbleiben einer slets wechselnden Gruppe von Schülern schliesslich 
den Unterricht zu sSteten Wiederholungen desselben Gegenstandes 
zwingt und am regelmässigen PVortschreiten hindert; auf der anderen 
Seite wird die gesund gebliebene Schülerzahl mit demselben Gegen- 
Stande zu Jange beschäftigt und deshalb ermüdet, An und für Sich 
ist aber auch bei Schulkindern, deren Zahl in einer Klasse erheblich 
zuSammengeschmolzen ist, nicht die Aufmerksamkeit 380 rege, wie 
gonst, 80 dass auch hierin eine Quelle für die Nutzlosigkeit des Unter- 
richts zur Zeit Schwerer Bpidemien liegt, eme Erfahrung, welche 
jeder Pädagoge unter den genannten Umständen gemacht haben 
dürfte. Man braucht deshalb von pädagogischer Seite das Schliessen 
der Schule bei Schweren Kpidemien nicht allzuschr zu verurtheilen. 
Dass das Schliessen der Schule nicht eigenmächtig und im Uebereifer 
durch den Schularzt geschicht, ist Schon durch die gesetzlichen Vor- 
Schriften über die Schliessung der Schule verhindert; der Schularzt 
wird aber Sicher nicht leichtsinnig dazu Schreiten, Schon deghalb 
nicht, weil der Kindruck, dass herrschender Krankheiten wegen die 
Schule geschlossen Sei, auf die gesammte Bevölkerung micht un- 
erheblich und kemeswegs ermuthigend 1ist. Dies darf auf der anderen 
veite freilich auch nicht dort, wo die Nothwendigkeit, die Schule 
zu Schliessen, Sich herausgestellt hat, als Beweggrund gelten, den 
Entschluss nicht zur Ausführung zu bringen. Man muss, und dies 
gilt für den Arzt, wie für den Lehrer in gleichem Maasse, dessen 
eingedenk Sein, dass das Wohl der Jugend in der Schule das höchste 
Gesetz Sei.
	        

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