Full text: Handbuch der Schulhygiene - 2 (1900) (2)

Krankheiten der Sexualorgane. 401 
weibliche Geschlecht, wo mit Kintritt der geschlechtlichen Reife an 
und für Sich allmonatlich ein Zustand von Cougestion nach den Geni- 
talien erfolgt. Ks kann nur immer wieder darauf hingewiesen werden, 
dass Seitens der Lehrer mit Bedacht gehandelt werden möge, um 
die Jugend an den drohenden Klippen ungefährdet vorüber zu führen. 
Die Zeit der Menges ist für die Mädchen besonders in den höheren 
Töchterschulen immer eine gewisse Zeit der Gefahr. Geistige An- 
Strengung, übermässige körperliche Uebungen, vieles und namentlich 
zusammengekauertes Sitzen Steigern den Blutandrang zu den Or- 
gSanen erheblich, führen zu abnorm Starken Blutungen, und auf die 
Dauer zu chromsch katarrhalischen Schwellungen und Absonderungen 
des Uterus Sowohl, wie der Vagmalschleimhaut. Die Leukorrhoe 1st 
aber gerade in diesem jugendlichen Alter ein um 80 unangenehmeres 
Uebel, weil die Behandlung mit Schwierigkeiten verknüpft, und ohne 
Verletzung des Jugendlichen Zartgefühls kaum möglich ist, während 
Ste auf der anderen Seite durch Verschleppung chlorotische Zustände 
mit allerhand nervöSgen Zufällen erzeugt. -- Oft knüpft Sich die ge- 
Sammte Kette von Leiden bis zur Hysterie an diese Zeit der ersten 
geschlechtlichen Blüthe und es kann daher nicht drimgend genug 
verathen werden, gerade dann den Mädchen besondere Obhut an- 
gedeihen zu lassen. Kltern und Lehrermnen, natürlich nur Solche, 
müssen im behutsamer und zarter Weise auf die drohenden Gefahren 
aufmerksam machen und ganz besonders vor leichtsinniger Unter- 
Schätzung der Uebel warnen. Während der Menses muss, wie Schon 
gesagt, der Turnunterricht unterbleiben, und bei weiten Schulwegen 
unterbleibt der Schulbesuch am besten gänzlich, namentlich wenn 
die Menges ich, wie dies oft in diesem Alter geschieht, mit erheb- 
lichen Beschwerden (molimina menstrualia) einleiten und verlaufen. 
Im Kinzelnen kommt ferner sehr viel auf den Takt der Lehrerinnen 
an, welche ebensowenig zu dulden haben, dass die Schülerinnen das 
Unwohlsem als den Deckmantel von Trägheit und Launenhaftigkeit 
nehmen, wie Sie auf der anderen Seite demselben die nöthige Rück- 
Sicht Selbst während des Unterrichtes im den theoretischen Vächern 
haben angedeihen zu lassen. Die Hauptaufgabe der Pflege und 
PVührung fällt allerdings der verständigen Mutter zu, welche nicht 
Scheuen darf, zu rechter Zeit den Arzt zu befragen. 
Dass bei der Benutzung von Aborten Mädchen auf eimander 
contagiöse gonorrhoische Scheidenausflüsse übertragen können , 1st 
meht ausgeschlossen. Es wird dies wohl zu den grössten Selten- 
heiten gehören; jedenfalls Soll indess in Mädchenschulen Soweit 
Baginskv. Schühvrgiene. 11. 3. Anl. 91
	        

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