Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

 
Außbildung der Gewerbelehrerinnen 
Von Max Gürtler, Berlin 
1. Allgemeines 
E* iſt ſchwer, den augenblicklichen Stand der Ausbildung der Gewerbelehrerinnen 
erſchöpfend darzuſtellen. Faſt überall iſt ſie häufigem Wechſel unterworfen, da das 
Beſtreben beſteht, ſie den neuzeitlichen Anforderungen anzupaſſen. Da aber ein 
großer Mangel an ſolchen Lehrkräften vorhanden iſt, iſt es nicht möglich, plöß- 
lich neue Beſtimmungen an die Stelle der alten zu ſeßen. Deshalb ſind häufig 
neben neuen Vorſchriften noch alte in Gültigkeit. So ergibt ſich ein buntes, un- 
klares Bild. Es iſt auch möglich, daß von den nachſtehenden Ausführungen manches 
in kurzer Zeit überholt ſein wird. 
Eine durch beſondere Vorſchriften geregelte Ausbildung von Lehrerinnen für die 
hauswirtſchaftliche und gewerbliche Ausbildung der ſchulentlaſſenen Jugend gibt 
es in Preußen, Württemberg, Baden, Sachſen, Thüringen und Bremen. 
Dieſe Lehrerinnen führen in der Negel die Amtsbezeichnung Gewerbelehrerin. 
In den übrigen deutſchen Ländern werden techniſche, wiſſenſchaftliche oder 
Zeichenlehrerinnen ſowie Praktikerinnen entweder ohne beſondere Vorbereitung für 
die hier in Frage kommenden Schulen nußbar gemacht oder ſie werden durch kurze 
Lehrgänge für die neue Aufgabe befähigt. In ſolchen Fällen iſt es nicht möglich, den 
geſamten Unterricht einer Klaſſe nur einer Lehrkraft zu übertragen, es werden viel- 
mehr die theoretiſchen Fächer Deutſch, Lebenskunde, Berufskunde, Nechnen und 
Buchführung durch wiſſenſchaftliche Lehrerinnen, der praktiſche Unterricht, Waren- 
kunde und Schnittzeichnen durch Meiſterinnen und das geſchmackbildende Zeichnen 
durch Zeichenlehrerinnen erteilt. Wenn die Schülerinnen auch praktiſchen Unterricht 
in der Hauswirtſchaft erhalten, ſo kommen für dieſen Unterricht noch Hauswirt- 
ſchaftslehrerinnen hinzu. 
In den Ländern, in denen Gewerbelehrerinnen bevorzugt werden, vertritt man 
den Grundſaß, daß es vom ſchultechniſchen und erzieheriſchen Standpunkte aus 
notwendig ſei, einer Lehrerin nach Möglichkeit alle Unterrichtsfächer zu übertragen. 
Vom ſchultechniſchen Standpunkte ſei es erwünſcht, weil alle Unterrichtsfächer in- 
einandergreifen und deshalb eine gemeinſame Lehrerin einheitlich und zielbewußt 
vorgehen könne, und vom erzieheriſchen Standpunkte ſei es wertvoll, weil die 
Lehrerin jede einzelne Schülerin beſſer kennenlerne und beſſer auf ſie einwirken 
könne.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.