Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

Ausbildung der Gewerbelehrerinnen 301 
| 41, Ausbildung in Preußen 
a) Nach den Beſtimmungen von 1907 
In Preußen iſt die Ausbildung der Gewerbelehrerinnen erſtmalig im Jahre 1907 
geregelt worden. Damals unterſchied man zwei Hauptgruppen: Gewerbelehrerinnen 
für Kochen und Hauswirtſchaft und Gewerbelehrerinnen für Nadelarbeiten (ein- 
fache und feine Handarbeiten oder Wäſcheanfertigung oder Schneidern oder Puß 
oder Kunſthandarbeiten). Als Schulbildung wurde vorausgeſeßt der erfolgreiche, 
durch das Abgangszeugnis nachzuweiſende Beſuch einer höheren Töchterſchule mit 
mindeſtens 9jährigem Lehrgang oder der Beſitz der entſprechenden, durch Ablegung 
einer Aufnahmeprüfung nachzuweiſenden Kenntniſſe. Als techniſche Vorbildung 
wurde verlangt: für die Ausbildung der Gewerbelehrerin für Kochen und Haus- 
wirtſchaft die einjährige Ausbildung als Lehrerin der Hauswirtſchaftskunde, die die 
Berechtigung für den Unterricht im einfachen Kochen und in den einfachen Haus- 
arbeiten in den oberen Klaſſen der Volksſchule verleiht, für die Ausbildung der 
Gewerbelehrerin für die Nadelarbeiten die einjährige Ausbildung als Lehrerin der 
weiblichen Handarbeiten, die die Berechtigung für den Unterricht in den einfachen 
Handarbeiten an Volks-, Mittel- und höheren Mädchenſchulen gibt. Später nach 
Neuordnung des höheren Mädchenſchulweſens wurde als Schulbildung das Schluß- 
zeugnis eines Lyzeums oder das Abgangszeugnis über den erfolgreichen Beſuch 
einer 10 Jahreskurſe umfaſſenden höheren Mädchenſchule gefordert. Es wurden 
aber auch Mittelſchülerinnen zugelaſſen, ſofern ſie die Prüfung als Hausgswirt- 
ſchafts- oder als Handarbeitslehrerin in den praktiſchen Fächern mit mindeſtens 
gut und in den übrigen Fächern mit mindeſtens genügend beſtanden hatten. Die 
Ausbildung der Gewerbelehrerinnen umfaßte eine Seminarausbildung mit Ab- 
ſchlußprüfung, eine */jährige praktiſche Tätigkeit in einem hauswirtſchaftlichen oder 
gewerblichen Betriebe und einem Lehrprobejahr, das nur an ſolchen Schulen ab- 
gelegt werden durfte, denen die Berechtigung für die Weiterbildung der Kandidatin 
beſonders erteilt worden war. Die Seminarausbildung dauerte für die Fachrich- 
tungen Kochen und Hauswirtſchaft oder einfache und feine Handarbeiten oder 
Wäſcheanfertigung oder Schneidern je 1 Jahr, für die Fachrichtung Kunſthandarbeiten 
2 Jahre und für die Fachrichtung Puß, die nur im Anſchluß an eine der anderen 
Fachrichtungen erlangt werden konnte, ?/, Jahr. Etwa zwei Drittel der Unterrichts- 
ſtunden waren für den praktiſchen und ein Drittel für den theoretiſchen Unterricht 
beſtimmt. Von leßterem bezog ſich die eine Hälfte auf Pädagogik und Lehr- 
übungen, die andere auf techniſche Unterweiſungen. 
b) Notwendigkeit von Änderungen 
Die in dieſer Weiſe ausgebildeten Gewerbelehrerinnen. waren vorwiegend für den 
Unterricht an den Fachſchulen (Haushaltungs-, Gewerbe- uſw. -Schulen) beſtimmt. 
Als der 5 120 der Neichsgewerbeordnung durch die Novelle vom 27. Dezember 1911 
dahin erweitert wurde, daß auch die gewerblich tätigen Mädchen durch Ortsſtatut ein-
	        
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