Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

Textilfachſchulen 345 
unterſchied zwiſchen Schulen für die Wollinduſtrie, für die Baumwoll- und Halb- 
wollinduſtrie, für die Leinen- und Halbleineninduſtrie, für die Seiden- und Samt- 
induſtrie und für die Bänder-, Liten- und Kordel- (Barmen) Induſtrie. 
Bei den Lehrzielen wurde unterſchieden, ob es ſich um die Ausbildung von Werk- 
meiſtern oder Fabrikanten und Fabrikdirektoren handelt. Die Lehrgänge für Färber, 
Appreteure und Muſterzeichner wurden weiter ausgebaut. Neu hinzu kam die 
Einrichtung von Lehrgängen für Kaufleute, in denen kaufmänniſche Angeſtellte von 
Manufakturwarengeſchäften und Fabrikbetrieben hauptſächlich in der Warenkunde 
unterrichtet und über die Arbeitsvorgänge in den verſchiedenen Zweigen der Textil- 
induſtrie belehrt werden. Schulen mit Lehrgängen für Fabrikanten oder Fabrik- 
direktoren wurden höhere Webeſchulen, ſpäter höhere Fachſchulen für die Textil- 
induſtrie, und Schulen mit Lehrgängen für Werkmeiſter Werkmeiſter- oder Webe- 
ſchulen, ſpäter Fachſchulen für die Textilinduſtrie genannt. Alle höheren Fachſchulen 
wurden im Laufe der Zeit mit Lehrmitteln für Spinnerei, Weberei, Färberei und 
Appretur ſehr reichlich ausgeſtattet. Den Schlußſtein der Umgeſtaltung bildete die 
Hinzufügung von Lehrgängen für die Konfektion, die bei vielen Zweigen der 
Textilinduſtrie mit der Stoffabrikation innig zuſammenhängt. In dieſer Beziehung 
erhielt die Anſtalt in Berlin wegen der Bedeutung der örtlichen Konfektion eine 
beſondere Geſtaltung, 
4. Webereilehrwerkſtätten 
Außer den Textilfachſchulen gibt es noch Webereilehrwerkſtätten in Schleſien und 
Hannover, Sie wurden urſprünglich dazu eingerichtet, die Handweber zu befähigen, 
ſchwierigere Gewebearten anzufertigen. Später übernahmen ſie die Aufgabe, die 
Handweber zur mechaniſchen Weberei überzuführen. Dieſe Aufgabe erfüllen die 
Webereilehrwerkſtätten in Schleſien heute noch, in Hannover dienen ſie meiſtens 
nur noch dazu, die weibliche ländliche Bevölkerung in der Handweberei zu unter- 
richten, die ſie im Winter als Haugsweberei betreibt. 
5. Textilfachſchulen in Sachſen 
Sachſen beſißt eine große Anzahl von Textilfachſchulen, weil offenbar das 
Beſtreben vorhanden iſt, den Angeſtellten des Textilgewerbes an möglichſt vielen 
Orten Gelegenheit zu geben, ſich neben ihrer gewerblichen Tätigkeit in Abendlehr- 
gängen vielſeitig weiter zu bilden. Die älteſte Anſtalt iſt die in Reichenbach. i. V, 
Sie wurde ſchon im Jahre 1830 gegründet. Im Jahre 1832 folgte eine zweite in 
Frankenberg. Während die erſtere Anſialt ſich allmählich weiter entwickelt hat und 
heute als einzige Anſtalt in Sachſen eine beſondere Abteilung für Spinnerei 
(Streichgarn und Kammgarn) beſißt, hat die Anſtalt in Frankenberg nur örtliche 
Bedeutung behalten. Dafür haben aber andere ſpäter begründete Anſtalten, 3. B. die 
in. Chemniß, allgemeine Bedeutung erlangt.
	        
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