Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

Sonderfachſchulen 379 
7. Fachſchulen für das Nahrungsgewerbe 
Bei den Schulen der Nahrungsmittelgewerbe ſei zunächſt auf die Hochſchule für 
Brauerei in Weihenſtephan in Bayern und auf die hochſchulmäßigen Lehr- 
gänge für Brauer, Brenner, Müller und Bäcker hingewieſen, die die Verſuchs- und 
Forſchungsanſtalt für Getreideverarbeitung und Futterveredelung in Berlin N 65 
abhalten. = Die Deutſche Müllerſchule in Dippoldiswalde in Sachſen iſt eine 
ſtädtiſche Anſtalt, die das Schulgebäude, die Maſchinenhalle und die Verſuchs- 
mühle umfaßt. Sie gliedert ſich in zwei Abteilungen? die Müllerſchule und die 
Mühlenbauſchule. Jener Lehrgang umfaßt drei und dieſer umfaßt vier Halbjahre. 
Zweijährige praktiſche Tätigkeit vor dem Schulbeſuch iſt Aufnahmebedingung. 
Der Unterricht umfaßt praktiſche und wiſſenſchaftlich-techniſche und betriebs- 
wiſſenſchaftliche Fächer und behandelt alles, was ein moderner Müller wiſſen muß: 
vom einfachen Mahlgang zum beſten Walzenſtuhl, vom Beutelgeſchirr zum mo- 
dernen Planſichter, vom Holzwaſſerrad zur Spiralturbine, vom Öllämpchen zur 
Halbwattglühbirne, vom Kerbholz zur amerikaniſchen Buchführung. Der Verband 
deutſcher Müller hat die Schule zu ſeiner Verbandsſchule erklärt, ebenſo wird ſie 
von dem Verein deutſcher Handelsmüller und dem Verband deutſcher Mühlen- 
bauanſtalten unterſtüßt, = Eine bayriſche Müllerſchule mit einjährigem Lehrgang 
iſt der ſtädtiſchen Bauſchule in Nürnberg angegliedert. 
In Heidelberg beſieht die Höhere Hotelfachſchule als Anſtalt des Staates, der 
Stadt und des Reichsverbandes der deutſchen Hotels und Neſtaurants. Als 
Aufnahmebedingung verlangt ſie tunlichſt die Oberſekundareife und eine andert- 
halbjährige Praxis. Die Ausbildung währt ein Jahr, der Unterricht umfaßt Ge- 
ſchäftskunde, Engliſch, Franzöſiſch, Warenkunde, Kochkunſt und vor allem Hotel- 
betriebslehre, 
8. Stellung und Bedeutung der Sonderfachſchulen 
Wenn man zuſammenfaſſend die große Anzahl der beſtehenden Sonderfachſchulen 
betrachtet, einerſeits die führende Stellung beſtaunt, welche einige Schulen in 
ihrem Gewerbe einnehmen, und andererſeits mit Bedauern ſieht, wie manche 
Schulen nur ihr Daſein friſten, und wenn man ſich dann fragt, wann denn 
Sonderfachſchulen daſeinsberechtigt ſind, wann die Gründung von neuen Fach- 
ſchulen und der Ausbau von beſtehenden gerechtfertigt iſt, ſo wird zu ſagen ſein, 
daß man heutzutage nur mit Zurückhaltung an die Neugründung von Fachſchulen 
gehen darf, daß man ſie nur im Mittelpunkt des betreffenden Gewerbes und 
von ihm getragen einrichten und ausbauen, daß man ſie in tunlichſter An- 
gliederung an vorhandene gewerbliche Schulen zunächſt klein beginnen laſſen 
wird. Auch ſoll nicht dort eine Sonderfachſchule aus öffentlichen Mitteln ge- 
gründet oder eine private Schule ſtaatlicherſeits genehmigt werden, wo mit einem 
mehrwöchigen Tages-Fortbildungskurſus oder mit einem mehrjährigen Abend-
	        

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