Full text: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen

 
Seefahrtſchulen 
Von Otto Fulſt, Berlin 
1. Geſchichtliche Entwieklung 
Fls in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die deutſche Schiffahrt, die bis- 
her faſt nur in der Küſtenfahrt beſchäftigt geweſen war, anfing, ſich an dem 
transatlantiſchen Warenaustauſch zu beteiligen, fehlte es an Schiffern und Steuer- 
leuten, die die für dieſe Fahrt erforderlichen Kenntniſſe, insbeſondere die der Berech? 
nung der Länge auf See, beſaßen. Die erſten in dieſer Fahrt beſchäftigten Schiffe 
wurden mit ausländiſchen, vorwiegend holländiſchen Führern beſetzt, Von ihnen wur- 
den die erſten Steuerleute in die Geheimniſſe dieſer Schiffsführung rein handwerks- 
mäßig eingeweiht. Da auf dieſe Weiſe die immer lebhafter werdende Nachfrage nach 
geeigneten Steuerleuten nicht befriedigt werden konnte, ſo begannen bald ältere 
Kapitäne an Land junge Seeleute in der „Steuermannskunſt“ zu unterweiſen, 
wobei es ſich allerdings nur um eine auf jede innere Einſicht verzichtende Abrichtung 
handelte. 
In richtiger Erkenntnis der Bedeutung eines gründlichen Unterrichts der an- 
gehenden Steuerleute, und um einen genügenden Nachwuchs an Steuerleuten und 
Schiffern ſicherzuſtellen, wurden zunächſt nur vereinzelt, ſpäter in allen wich- 
tigen Hafenorten aus privaten, durch Schiffahrts- und Kaufmannskreiſe oder durch 
wiſſenſchaftliche und gemeinnüßige Geſellſchaften aufgebrachte Mittel geeignete 
Lehrer mit dem Unterricht der jungen Seeleute betraut. So wurde mit Unterſtüßung 
der Admiralität die erſte „Navigationsſchule“ in Hamburg im Jahre 1749 ins 
Leben gerufen. Ihr folgte bald eine ähnliche in Emden und in größerem Abſtande 
in Bremen (1798) und in Lübeck (1808). Es iſt bemerkenswert, daß der Unter- 
richt an allen dieſen privaten Schulen noch ſtark unter niederländiſchem Einfluß 
ſtand, indem an ihnen holländiſche Lehrbücher und holländiſche Tafelwerke benußt, 
zum Teil, wie in Emden, ſogar in holländiſcher Sprache unterrichtet wurde. 
In eine neue Epoche trat das Seefahrtſchulweſen unmittelbar nach Beendi- 
gung der Freiheitskriege durch Verſtaatlichung der Schulen. Den Anfang machte 
wieder Hamburg (1816). Ihm folgte Preußen (1817), Lübe> (1820) und Bremen 
(1825). Die erſte preußiſche Seefahrtſchule war die „Höhere Schiffahrtsſchule“ in 
Danzig, die nach einem groß angelegten Plan errichtet war, der ſie über die Schulen 
der Übrigen Länder erhob, aber nie ganz durchgeführt wurde, Bald darauf 
Kühne, Handbuc ſür das Beruſ8- und Fachſchulweſen 27
	        
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